Flurbereinigung, das war einmal. Heute ist das Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) für die Gestaltung der Heimat zuständig. Dafür, dass auch in ländlichen Regionen gleiche Lebensverhältnisse entstehen. In Oberfranken gestaltet das Amt derzeit in 454 verschiedenen Projekten, die Heimat. Einen Überblick über die vielfältigen Maßnahmen gab Amtsleiter Lothar Winkler am Dienstag bei einem Ortstermin in Alladorf, Gemeinde Thurnau.
Über 37 Millionen Euro seien im zurückliegenden Jahr an Investitionen getätigt worden, die das Amt für Ländliche Entwicklung mit rund 25,2 Millionen Euro gefördert hatte. Im Landkreis Kulmbach erarbeiteten die Mitarbeiter des Amtes momentan in 33 Projekten maßgeschneiderte Lösungen zur aktuellen Herausforderungen und für eine zukunftsgerechte Entwicklung. Dafür erfolgten Investitionen von fast 2,3 Millionen Euro , die mit über zwei Millionen Euro gefördert wurden. Auf den Landkreis Bayreuth entfallen nach den Worten von Lothar Winkler momentan exakt 99 Projekte. Dafür erfolgten Investitionen von fast sechs Millionen Euro , die mit über 4,2 Millionen Euro gefördert wurden.
Zahlen für Oberfranken
Oberfrankenweit betreuten rund 170 Mitarbeiter die 454 Projekte für über 150.000 Bürger, davon etwa 260 Dorferneuerungen in circa 480 Ortschaften. Trotz dieser Zahlen ist das Amt für Ländliche Entwicklung Oberfranken mit Sitz in Bamberg einer breiten Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. „Wir machen die Bodenordnung, das ist unser Alleinstellungsmerkmal“, sagt Lothar Winkler. Im Grunde gehe es darum, den ländlichen Raum zu stärken, ihn mit attraktiven Wohn- und Arbeitsbedingungen lebens- und liebenswert zu machen. Dazu hat das ALE, das dem Landwirtschaftsministerium als Mittelbehörde nachgeordnet ist, zahlreiche Instrumente, die weit über die klassische Flurbereinigung hinausgehen. Das Amt ist beispielsweise zuständig für die Öko-Modell-Regionen, für den Streuobstpakt Bayern, für die Förderoffensive Nordostbayern, die Initiative „boden:ständig“, das Kernwegenetz, für die Flur-Natur-Förderprogramme.
Beim Ortstermin in Kulmbach stellten Lothar Winkler und Joachim Block, Abteilungsleiter für Ostoberfranken, auch einige herausragende Projekte aus den Landkreisen Bayreuth und Kulmbach vor. Mit dem sanierten Dorfgemeinschaftshaus und der neuen Festhalle habe Alladorf ein neues Kapitel aufgeschlagen, so Joachim Block. Wo einst ein lehrstehendes Bauernhaus aus dem 18. Jahrhundert das Bild prägte, sei dank einer Förderung des Amtes und im großen Engagement der Bürger ein moderner Treffpunkt entstanden.
Eine weitere Dorferneuerung laufe gerade an, und zwar in Wartenfels bei Presseck. Im Fokus soll dabei die Frage stehen, wie die Lebensqualität nachhaltig gesichert und weiterentwickelt werden kann. Nun sollen ein Leitbild und ein detaillierter Maßnahmeplan erarbeitet werden. Dabei, so erläuterte Block, beschäftige sich ein Arbeitskreis mit der Revitalisierung der Bausubstanz und dem dörflichen Miteinander, ein weiterer, mit der Gestaltung öffentlicher Flächen sowie ökologischer Aspekte.
Herausragende Projekte im Landkreis Bayreuth sind nach den Worten des Abteilungsleiters die Dorferneuerung von Funkendorf in der Gemeinde Prebitz, die Flurneuordnung Lessau-Lankendorf, wobei es vor allem um den Schutz vor Überschwemmungen geht. Bei einem Projekt, das gleich mehrere Landkreise betrifft, geht es um die Gestaltung der Energiewende . Das Projekt mit dem Titel „Heimatenergie“ soll zeigen, wie interkommunale kommunale Zusammenarbeit die Energiewende voranbringen kann. Dazu sei eine GmbH unter der Trägerschaft der Integrierten Ländlichen Entwicklung fränkisches Markgrafen- und Bischofsland gegründet worden, um Flächen zu sichern und eine schnelle Umsetzung zu ermöglichen. Von den 14 benachbarten Kommunen der ILE aus den drei Landkreisen Kulmbach Bayreuth und Hof hatten sich neun an den Vorhaben beteiligt.
Die Energieagentur Nordbayern hatte dazu regionale Potenziale ausgearbeitet und Empfehlungen für die weitere Entwicklung gegeben. Als konkrete Ergebnisse nannte Abteilungsleiter Block die Errichtung von acht Dachphotovoltaikanlagen auf kommunalen Liegenschaften, unter anderem in Goldkronach, Harsdorf, Stammbach und Neuenmarkt. Zwei weitere Anlagen in Gefrees und Trebgast befänden sich in der Errichtung.
Beim Ortstermin in Alladorf äußerten sich die Beteiligten überaus positiv über die Arbeit des Amtes für Ländliche Entwicklung .
Der Thurnauer Bürgermeister Martin Bernreuther , lobte die schnelle und unbürokratische Zusammenarbeit. Für ihn sei es besonders wichtig, dass die Arbeit auch einen Zuzug bringe und, dass das Vereinsleben vor Ort gestärkt werde. Detlef Zenk, der örtliche Beauftragte in Alladorf, stellte heraus, dass es fast keinen Leerstand mehr im Ort gibt. „Das Amt für Ländliche Entwicklung schafft mit seiner Arbeit einen riesengroßen Mehrwert vor allem auch für kommende Generationen“, so der stellvertretende Kulmbacher Landrat Jochen Bergmann.