Europa ist mehr als ein politisches Bündnis. Europa ist Freiheit, Frieden, Vielfalt und die Chance, über Grenzen hinweg gemeinsam Zukunft zu gestalten. Genau diesen Gedanken rückte die Film- und Diskussionsveranstaltung „Surf on, Europe!“ an der Carl-von-Linde-Realschule (CVL) in den Mittelpunkt. Gemeinsam mit der Europa-Union Kulmbach, dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“ sowie dem Fachbereich Migration, Unterbringung und Integration des Landkreises Kulmbach erhielten die rund 100 Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen die Gelegenheit, sich intensiv mit den Werten auseinanderzusetzen, die Europa zusammenhalten.
Der mehrfach ausgezeichnete Dokumentarfilm begleitet über einen Zeitraum von fünf Jahren drei junge Menschen aus Spanien, Frankreich und Nordirland. Er erzählt von Freiheit und Identität, von Migration, Hoffnungen und Zukunftsplänen – und davon, wie eng persönliche Lebenswege mit demokratischen Werten verbunden sind.
Schon in seinem Grußwort machte Thomas Nagel von der Europa-Union Kulmbach deutlich, warum solche Veranstaltungen heute wichtiger denn je sind. Er erinnerte an den früheren Bundeskanzler Helmut Kohl, der sagte: „Europa ist eine Frage von Krieg und Frieden.“ Ein Satz, der angesichts aktueller Konflikte erschreckend aktuell sei. „Für die meisten jungen Menschen sind offene Grenzen, gemeinsames Reisen oder die Möglichkeit, überall in Europa zu studieren und zu arbeiten selbstverständlich geworden“, sagte Nagel. Er appellierte an die Jugendlichen, Europa nicht als abstraktes politisches Konstrukt zu verstehen, sondern als Gemeinschaft von Menschen.
Auch Schulleiter Matthias Niedermeier sieht in der Veranstaltung weit mehr als eine Filmvorführung. Gerade am Ende der Schulzeit wolle man den Absolventinnen und Absolventen etwas mitgeben, das weit über den Unterricht hinausreiche. „Wir wollten unseren Absolventen den europäischen Gedanken mit auf den Weg geben – gerade in Zeiten, in denen Extremismus zunimmt. Freiheit und so sein zu dürfen, wie man ist, ist ein hohes Gut, das wir in Europa noch haben.“
Dass der Film seine Wirkung nicht verfehlte, zeigte sich im anschließenden Gespräch mit vier Schülerinnen und Schülern der Abschlussklassen. „Der Film hat mir die Augen geöffnet, wie viele Freiheiten wir in Europa haben und wie schlecht es dennoch vielen Menschen in anderen Ländern geht. Wir müssen uns um die Europäische Union kümmern“, sagte Nik Schieber.
Auch Paul Wahler nahm aus dem Film mit, „dass es nicht überall so ist, wie man es sich vorstellt. Es ist nicht überall sicher und man blickt oft nicht hinter die Kulissen.“ Europa bedeute für ihn vor allem Vielfalt: „Jeder Mensch kann verschieden sein und trotzdem sicher leben. Genau diese Diversität schätze ich besonders.“
Für Marie Soziaghi stehen die Chancen im Mittelpunkt, die ein geeintes Europa bietet. „Jeder Mensch sollte die gleichen Rechte und Chancen haben und frei sein dürfen, so zu leben, wie er möchte. Das macht Europa so besonders.“ Gleichzeitig sei ihr bewusst geworden, dass Freiheit und Demokratie keine Selbstverständlichkeit seien. Sie wolle die Möglichkeiten Europas später selbst nutzen: „Wir sind unglaublich privilegiert. Ich möchte die Freiheit nutzen und möglichst viele Länder Europas kennenlernen.“
Jeder hat Verantwortung
Miriana Stabenob wiederum nahm vor allem die Verantwortung jedes Einzelnen mit: „Man muss genauer hinschauen, was passiert und wer was sagt. Außerdem sollte man helfen, wo Hilfe nötig ist.“ Gleichzeitig habe ihr die Veranstaltung gezeigt, „dass wir beim Wissen über die Europäische Union definitiv Nachholbedarf haben.“
Moderiert wurde die Diskussion von der Dresdner Medienpädagogin Uta Quietzsch, die den Jugendlichen Raum gab, ihre Eindrücke offen auszutauschen. Sie zeigte sich überzeugt, dass der Film genau die richtige Zielgruppe erreicht. „Ja, der Film ist anspruchsvoll, aber durchaus gut für diese Altersgruppe geeignet. Die Schülerinnen und Schüler lernen unterschiedliche Perspektiven kennen und werden zum Nachdenken angeregt.“ Europa sei, so Quietzsch, kein fertiges Projekt. „Ja, es gibt Baustellen in Europa. Aber die Europäische Union ist ein Prozess – genau wie das Leben selbst.“
Die Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, dass europäische Werte nicht allein in Lehrbüchern vermittelt werden. Sie entstehen dort, wo junge Menschen miteinander ins Gespräch kommen, unterschiedliche Sichtweisen kennenlernen und erkennen, dass Frieden, Freiheit und Demokratie immer wieder neu gelebt und verteidigt werden müssen.
Oder, wie Thomas Nagel den Schülerinnen und Schülern mit auf den Weg gab: „Vielleicht entdeckt ihr heute nicht nur einen spannenden Film, sondern auch, was Europa ganz persönlich für euch bedeuten kann.“ Genau darin lag an diesem Vormittag wohl die wichtigste Botschaft.