Ein ganzes Kalenderjahr in knapp zweieinhalb Stunden auf unterhaltsame Weise Revue passieren zu lassen, das erfordert höchste Konzentration, Tempo und Witz. Diese Meisterleistung erbrachte TBC, das Totale Bamberger Cabaret, am Samstagabend im Lichtenfelser Stadtschloss vor einem großen Publikum.
Anlass zur Comedy bot die Welt der Politik und des Sports genug, auch wenn einem angesichts der Tragweite mancher Ereignisse das Lachen fast im Halse stecken blieb. Doch Humor ist, wenn man trotzdem lacht, oder um es mit dem Slogan von TBC zu sagen "Augen zu und nochmals durch".


Trend zum Superlativ

Dabei gab es für 2017 noch härteren Tobak aufzuarbeiten als im Jahr zuvor, als TBC ebenfalls mit einem Jahresrückblick im Stadtschloss gastierte. Dem Trend zum Superlativ folgend präsentierten Georg Koeniger, Florian Hofmann und Michael A. Tomis den fantastischten Jahresrückblick aller Zeiten vor dem zuschauerigsten Publikum aller Zeiten. Schon mit ihrer ersten musikalischen Einlage hatten sie ihr Publikum im Sack, das begeistert mitsang bei "Despacito". Allerdings offenbarte TBC, dass sich hinter dem Erfolgshit der größte musikalische Skandal aller Zeiten verbirgt, handelte es sich doch um die geklaute Version eines alten fränkischen Volksliedes.
Die Autoindustrie als Godfather bittet den Verkehrtminister Alexander Dobrindt zum Rapport. Eingeschüchtert von der Macht des Golffathers und seines Kampfhundes Adac (ADAC) ist der Minister zu allen Zugeständnissen bereit. Alle Macht geht schließlich vom Volk(swagen) aus.
Welches war der Vollhonk des Jahres in der Kategorie Zitate und Sprüche? Der Preis geht an Lothar Matthäus für "Wäre, wäre Fahrradkette" als Kommentar für einen verschossenen Elfmeter. Ein schauriges Kapitel ist das Comeback des Jahres 2017, die Reinkarnation des größten Führers aller Zeiten, der seine neue Gefolgschaft um sich schart. Michael A. Tomis präsentiert dies in einer unter die Haut gehenden Posse. Schließlich sollte man wissen, wo man bei der nächsten Wahl sein Hakenkreuz zu machen hat.
Auch im privaten Bereich hat sich viel getan. Georg Koeniger sonnt sich in der Rolle des frischgebackenen Großvaters, der sich allerdings mit der Konkurrenz der anderen Großeltern konfrontiert sieht. Schon die Taufe des Enkels erreicht die Dramatik eines Footballmatches, vom ersten Besuch am Kindsbett ganz zu schweigen.
Großartige Erfolge feierten die Deutschen im Bereich des Sports. Die Laudatio von Georg Koeniger scheitert allerdings an der Begriffsstutzigkeit seiner beiden Mitstreiter. Alter und Erfahrung zahlen sich aus. Das beweist aktuell Jupp Heynckes, der als Rentner die Bayern wieder auf Vordermann bringt. Vom reichen Erfahrungsschatz eines Giovanni Trapattoni wollen deshalb auch Horst Seehofer und Markus Söder profitieren und sich ebenfalls nach vorn pushen lassen. Doch am Ende heißt es nur "Flasche leer" und "ich habe fertig".


Sexy Lindner und die AfD

Das wichtigste Thema 2017 war natürlich die Bundestagswahl, eine Hängepartie von Anfang an, sieht man einmal von der AfD und ihrem Wahlkampflied "Wenn Dummheit eine Währung wär', hätten wir viel Geld" und Sexy-FDP-Lindner ab. Florian Hofmann als Pressesprecher des Bayerischen Heimatministeriums in Nürnberg kämpft mit harten Konsonanten für eine fränkische Lautverhärtung. Damit soll unter anderem dem Separatismus in Strundsleinshausen entgegengewirkt werden.
Eine absolute Glanzleistung präsentiert Michael A. Tomis mit seiner Stimmenparodie zu Helmut Kohl an der Himmelstür. Im Wartezimmer trifft er auf keine Geringeren als Willy Brandt, Franz Josef Strauß und Marcel Reich-Ranicki. Manna, das jüngste Gericht, animiert auch das Publikum bei "Mana Mana" zum Mitsingen. Und schließlich hätte auch Jamaika nicht scheitern müssen, wäre es frühzeitig zu einem seligmachenden "Joint Venture" mit Cannabis gekommen. Doch diese Chance hat man verpasst.
Die politische Korrektheit landet 2017 auf dem Müllhaufen der Geschichte. Donald Trump und Kim Jong Un sind die herausragenden Beispiele dafür, Erdogan beschimpft die EU und umgekehrt, Martin Schulz lästert über Angela Merkel, Alexander Gauland will deutsch-türkische Politikerinnen in Anatolien entsorgen. Die Diskussion über die von der EU geforderte Bananen-Rückbiegeverordnung bietet ein beredetes Zeugnis dafür. Dieter Thomas Heck präsentiert zum Abschluss des überaus hintersinnig-vergnüglichen Programms die Hits des Jahres von den Grenzschutz-Buam mit "Zaun baun" über Donald Trump mit "Hossa, hossa Mexiko" zum Super-Hit des Jahres von Tayyip Erdogan mit "Küss Küss, schaut euch mal meinen Hintern an". Wer in den Genuss dieses TBC-Songs kommen möchte, kann ihn gern auf YouTube suchen. Frenetischer Applaus beschließt einen knallharten Jahresrückblick.