Zwei angehende Lokführer aus Pressig erlernen derzeit ihren Traumjob. Der 19-jährige Johannes Wilde und der 18-jährige Dario Beetz interessierten sich von Kindesbeinen an für die Eisenbahn und waren schon in der Schulzeit fasziniert von der Logistik der wie von allein funktionierenden Abläufe auf den Schienen. Auf dem Bahnhof in Pressig konnten sie sowohl Güterzüge als auch Personenzüge bewundern.

Wilde ist bereits im zweiten Lehrjahr bei der DB Regio und wohnt auch während der Ausbildung in Nürnberg. Er darf bereits Regionalzüge und S-Bahnen im Raum Nürnberg fahren. „Im ersten Lehrjahr lernte ich zunächst den Kundenbetreuer im Nahverkehr. Dies beinhaltet hauptsächlich den Umgang mit den Reisenden. Da es zum Beispiel in S-Bahnen keinen Kundenbetreuer während der Fahrt gibt, muss hier der Lokführer die Angelegenheiten mit den Fahrgästen selbst klären, was manchmal viel Einfühlungsvermögen erfordert“, erzählt er. „Und vor allem lernt man, Ruhe zu bewahren, denn nicht alle Fahrgäste sind höflich oder rücksichtsvoll.“

Ab dem zweiten Lehrjahr beginnt die eigentliche Lokführer- Ausbildung. Hier lernt man vor allem die Regeln des Bahnbetriebes, um einen sicheren Fahrbetrieb durchführen zu können, wozu auch ein richtiges Verhalten bei Störungen zählt.

Nach einer Fahrzeugausbildung auf einem Triebfahrzeug geht es mit dem Fahren unter einem Ausbilder los. Zudem lernt man das Rangieren, Bereitstellen und Fahren von Zügen im Regelbetrieb und bei Störungen. Johannes Wilde ist nach seinen Eindrücken davon überzeugt, die richtige Berufswahl getroffen zu haben. Schon in der zehnten Klasse verließ er dafür vorzeitig das Kaspar-Zeuß-Gymnasium und es zog ihn zur Lokführer- Ausbildung.

Dario Beetz schloss seine Schulausbildung mit Mittlerer Reife an der Mittelschule Pressig ab. Weil ihn die Eisenbahn schon immer faszinierte, bewarb er sich schon in der neunten Schulklasse für die Ausbildung zum Lokführer bzw. Eisenbahner im Betriebsdienst Fachrichtung Lokführer und Transport, wie es offiziell heißt. Derzeit befindet er sich in der Ausbildung zum Triebfahrzeugführer und hofft sehr darauf, seine Lehre nach zweieinhalb Jahren erfolgreich abzuschließen.

Bürgermeister Stefan Heinlein hatte die beiden Nachwuchseisenbahner ins Pressiger Rathaus eingeladen und ihnen dabei die umfangreiche „Eisenbahner-Chronik“, erstellt von Ortschronist Georg Dinkel, vorgestellt. In den gesammelten Werken in Bild und Schrift ist die Bedeutung der Eisenbahn für Pressig festgehalten. Zurückgehend bis in die Zeit des Eisenbahnbaus in Pressig im Jahr 1885 sind Fotos und Dokumente auf 120 Bild-Tafeln mit rund 850 Fotos und Dokumenten festgehalten.

Umbruch vor 30 Jahren

1991/1992 fand der große Personal- und Betriebsabbau am Bahnhof Pressig statt. Von einstmals fast 100 Lokführern bleiben in Pressig noch drei übrig, erwähnt Georg Dinkel in seiner Chronik, die er inzwischen dem Markt Pressig zur Verfügung stellte. In seiner Geschichtsschreibung hält der Pressiger auch fest, dass es bis 1991 um die 10.000 Rangiervorgänge pro Monat durch eine 30-köpfige Rangiergruppe am Bahnhof Pressig gab. Aufgelöst wurden vor 30 Jahren auch die Fahrdienstmeisterei und die kompletten Lokwerkstätten mit dem Bahnbetriebswerk Pressig . Zudem fand ein Rückbau von 16 auf sieben Gleise statt.

Fast alle ehemaligen Lokführer engagierten sich auch ehrenamtlich in Vereinen. Sogar einen eigenen Gesangverein, die „Eisenbahnsinggruppe Frohsinn Pressig “, hatte man zu bieten. Dieser löste sich allerdings nach sieben Jahrzehnten seines Bestehens vor drei Jahren auf. Bürgermeister Stefan Heinlein stimmt mit Chronist Georg Dinkel überein, dass diese Tradition weiterzuführen ist, und freut sich deshalb besonders über die beiden jungen angehenden Lokführer aus Pressig .

Es gibt noch einen Dritten, Max Schneider , der aber wegen Krankheit das Treffen im Rathaus absagen musste.