Kunst im öffentlichen Raum: Anregungen im Vorbeigehen, gratis, zum Nachdenken und Daran-erfreuen. Das ist in der Region keine Seltenheit mehr. Seit Ingo Cesaro 1998 das Kunstprojekt „Holzart“ in seiner Heimatstadt Kronach initiiert hat, sind etliche Werke daran beteiligter Holzbildhauer hier geblieben. An der Festung Rosenberg begegnet einem beispielsweise der „Neue Wächter“, geschaffen von Tom Kus aus Pilsen 2006; an der historischen Stadtmauer kann man der „Weisheit“ gegenübertreten, der Michael Steigerwald 2004 Gestalt verlieh. Beides sind Dauerleihgaben an die Cranachstadt. Cesaro freut das. Die stattlichen Objekte, die bei diesem Projekt entstehen, sollten eigentlich auch hier bleiben, findet er. Zumal es für die internationalen Teilnehmer eine Herausforderung wäre, die Schwergewichte aus massiven Stämmen fortzuschaffen. Ein Verkauf ist zudem natürlich eine schöne Entlohnung für die Künstlerinnen und Künstler.
„Holzart“ ist das älteste, durchgehende Projekt des Kunstfreundes und -förderers Cesaro. Bildhauerfreunde hätten ihn damals angesprochen, erzählt er, er möge doch auch mal etwas für sie machen, nicht nur für Maler und Grafiker... Da hätte sich Holz im Frankenwald als Werkstoff angeboten. Überspitzt gesagt, habe hier jeder irgendwas mit Holz zu tun.
Eine Aktion, die verbindet
Das Konzept, jeweils mehrere Landkreisgemeinden einzubinden und die Künstlerinnen und Künstler in offenen Ateliers arbeiten zu lassen, hat sich bewährt. Die Menschen interessieren sich für das, was vor Ort geschieht, verfolgen die Entwicklung der Werke – und kümmern sich um die Schaffenden, indem sie diese zum Beispiel mit Kaffee und Kuchen versorgen.
Es ist eine verbindende Aktion quer durch den Landkreis. Heuer sind neben Steinbach am Wald, wo am Samstag, 25. Juli, um 14 Uhr die Ausstellung eröffnet wird, Mitwitz, Nordhalben, Steinwiesen und Seibelsdorf (Gemeinde Marktrodach) eingebunden. Zuvor steht zudem eine Überraschung in einem weiteren Ort an, wozu sich Cesaro aber in unserem Gespräch noch nicht näher äußern wollte.
Durch ehemalige Teilnehmer und deren Kontakte ist längst eine internationale Vernetzung entstanden, so dass Ingo Cesaro sich nicht über mangelnde Resonanz auf seine jährlichen Ausschreibungen beklagen kann. Muss jemand aus persönlichen Gründen kurzfristig absagen, findet sich, wie er schildert, in der Regel rasch durch Vermittlung ein Ersatz.
Über derartige Vernetzung sind auch Susanne Assum aus Murnau und Zafeiria Athanasopoulou aus Thessaloniki für diese kreative Zeit nach Steinbach am Wald gekommen.
Wir haben sie Anfang der Woche dort getroffen. Auf dem Parkplatz am Freizeit- und Tourismuszentrum ist es an jenem Vormittag recht kühl. Bei rund acht Stunden Arbeit im Freien sind die beiden Frauen entsprechend angezogen. Ein Zeltdach bietet Schutz vor Regen oder Sonne. Darunter staubt und dröhnt es. Mit Schutzbrille und Gehörschutz ausgestattet hantieren die Künstlerinnen mit Kettensäge und Schleifgerät. Als sie merken, dass sich jemand der Absperrung nähert, unterbrechen sie und nehmen dann auch die Staubschutzmasken vom Gesicht.
Austausch erwünscht
Assum ist freischaffende Bildhauerin und bevorzugt große Objekte. Auf etwa eineinhalb bis zwei Tonnen schätzt sie das Gewicht der kugelförmigen Teile, die sie aus dem ihr zur Verfügung gestellten Eichenstamm herausgearbeitet hat. Sie beschreibt, wie sie letztlich mit einem Metallring aneinandergefügt werden sollen: So, dass dem Betrachter deutlich wird: „Es geht um Druck.“ Die Künstlerin nennt ihr Werk „Spannungsfelder“.
Ihre griechische Kollegin verwendet für ihre Arbeiten musikalische Begriffe. In diesem Fall „Opus 3 – Sinfonie mit Augen und drei Stimmen“. So wolle sie beim Betrachter andere Sinne anregen, erklärt sie. Ihre Komposition sei eine Anspielung auf die heutige Zeit, in der sich Bilder durch das Verschieben auf Bildschirmen rasch ändern.
Athanasopoulou studierte Bildhauerei an der Aristoteles-Universität Thessaloniki und ist dort seit einigen Jahren auch als Dozentin tätig. Sie betont, dass ihr die Kommunikation wichtig ist. „Ich suche den Austausch.“ Man kann sie auf Deutsch oder Englisch ansprechen und wird sich verständigen können. Und auch mit ihrem Werk dürfe man in einen Dialog treten – berühren sei dabei ausdrücklich erlaubt.
Neben diesen abstrakten Skulpturen wird es bei der „Holzart XXVIII“ auch figurale geben. „Was wird denn das?“ sei oft die erste Frage, wenn Menschen den Bildhauern zusehen, weiß Ingo Cesaro. Einem der Künstler wurde gewissermaßen ein Auftrag gegeben, auf den man gespannt sein darf: Bernd Fuchs aus Berlin wird aus einem Eichenstamm den Gründer von Seibelsdorf – den „Sigibolt“ – sägen. Dorfbewohner hatten ihre Ideen dazu zu Papier gebracht – als Anregung.
So geht es weiter
Nach der Eröffnung wird die Ausstellung im Freien mindestens bis Mitte Oktober in Steinbach zu sehen sein. Und manche der Skulpturen werden wohl auch diesmal in der Region bleiben. Gute Nachricht schon jetzt: Dank Sponsoring ist die „Holzart 2027“ bereits gesichert. Und der Organisator sagt: „Ich mache weiter.“