Rund um die Flößerei in Wallenfels sind viele Neuigkeiten zu vermelden. In der Stadt ist man optimistisch, dass man nach sage und schreibe 1001 Tagen am 21. Mai die Flöße wieder zu Wasser lassen kann. Nachdem man durch die Wasserknappheit und vor allem von der Corona-Pandemie ausgebremst wurde, soll es endlich wieder losgehen. Die ersten 1000 Anmeldungen sind bereits eingegangen, Freude und Hoffnung sind groß.

Neuerungen bei den Floßprogrammen

Flößen in Wallenfels ist nicht nur eine feuchte Gaudi, sondern auch Kultur und Genuss pur. Waren es früher die Brotzeiten, die nach dem Flößen in den Gaststätten angeboten wurden, so hat sich dies in den letzten Jahren gewandelt. Erstens gibt es nicht mehr so viele Wirtshäuser und zweitens wollen die Gäste mehr geboten bekommen. Deshalb wurde das Angebot vor zwei Jahren grundlegend modernisiert und sogenannte Flößertouren ausgearbeitet, in die auch die örtliche Gastronomie eingebunden wurde.

Wanderungen, Besuch des Flößermuseums in Unterrodach, Grillpartys, Besichtigung der Brauerei Malzschmied, Hüttenabende, Rodachtalbahnfahrt, Erlebnisbad Steinwiesen und Übernachtungen im Gasthaus „Roseneck“ in Wallenfels und in „Wagners Hotel “ in Steinwiesen stehen bei den acht verschiedenen Touren auf dem Programm. Da gibt es Na-Tour, Kul-Tour, Familien-Tour, Spritz-Tour, Bier-Tour, Schlemmer-Tour, Wochenend-Tour und Orts-Tour. Für jeden ist etwas dabei. Und vor allem wurde die Region beziehungsweise das Obere Rodachtal mit einbezogen, damit die Wertschöpfung auch hier bleibt. Unterstützung finden die Flößer auch von der örtlichen Frankenvereinsgruppe.

Zielgruppe hat sich vergrößert

Als „spektakulär, einzigartig und traditionell“ beschreibt der Flyer zur Floßfahrt die feucht-fröhliche Aktion. Besonders erfreut ist Jasmin Schmittnägel darüber, dass viele online buchen und die Zielgruppe sich auf Betriebsausflüge, Vereinsfahrten und Familientreffen ausgeweitet hat.

Die neue Tourismusbeauftragte ist eine gebürtige Wallenfelserin und nun auch beruflich in die Stadt zurückgekehrt. Ihre Eltern hatten schon immer Ferienwohnungen, und das Gebiet ist ihr vertraut. Mit der Flößerei ist sie von klein auf bekannt, denn ihre Eltern und ihr Onkel waren oft als Fotografen tätig und haben nach den Fahrten die Bilder an die Gäste verkauft. „Damals hatte nicht jeder sein Handy dabei, und man war froh über ein Erinnerungsfoto“, erinnert sich Jasmin Schmittnägel.

Neue Pächter im Flößerhaus

Nach der Floßfahrt kann man sich im „Flößerlädla“ mit Mitbringseln eindecken, die von Flößerschnaps und Flößerbrot bis hin zu Flößersenf und Geräuchertem reichen. Doch der Dreh- und Angelpunkt des Flößens ist und bleibt das Flößerhaus. Neben dem praktischen Effekt, dass man sich hier umziehen kann, kommt auch das leibliche Wohl nicht zu kurz. Brotzeiten und Gegrilltes zaubern dann die neuen Betreiber auf den rustikalen Tisch. Sandra Krüglein und Floßmeister Henry Stöcker übernahmen das Flößerhaus von den Flößerhausdamen, die sich jahrzehntelang um die Bewirtung gekümmert hatten.

Die Wiedereröffnung des Flößerhauses streben die neuen Betreiber für Anfang April an, wenn die Situation es zulässt. Erfahrung in der Gastronomie hat die neue Wirtin bereits, ist sie doch in der Gaststätte ihrer Oma, in der „Ochsentränke“ im Ortsteil Schnappenhammer, aufgewachsen und hat später auch oft bedient. Brotzeiten, Kaffee und Kuchen und ab und zu ein Event rund um und im Flößerhaus, das ist das Konzept für die Zukunft.

Stolzer Bürgermeister

Natürlich ist Bürgermeister Jens Korn stolz auf seine Flößer, das Holz und ihre Tradition. Jahrhundertelang hat die Flößerei die Menschen in der Region ernährt. Als vor über 50 Jahren der Verein „Frankenlust“ die Floßfahrt wiederaufleben ließ, war es die Geburtsstunde für die Floßfahrten in der Form, wie sie heute stattfinden.

Für Bürgermeister Korn ist es wichtig, in Wallenfels nicht das eigene „Süppchen“ zu kochen, sondern zusammen mit dem Frankenwaldtourismus viele Menschen zu erreichen und ihnen zu zeigen, wie schön und abwechslungsreich der Urlaub, die Tagesfahrt oder eben eine Floßfahrt in der Region sein können. Doch all die schönen Floßfahrten, die Programme und Aktivitäten hängen von einem großen Faktor ab – dem Wasser: Fehlt der Regen, sind die Pegel zu niedrig und es kann und darf nicht geflößt werden. Gibt es Hochwasser, ist es ebenfalls zu gefährlich.