Am Tag der Kunigundenkrugbekränzung nahmen Stadtvogt, Viertelmeister und Stadtbaumeister die Gelegenheit wahr und besichtigten den Arbeitsfortschritt an der Ehrensäule auf dem Melchior-Otto-Platz. Als darstellende Personen der Zeitgeschichte fühlten sie sich berufen, der Restaurationsleiterin Petra Zenkel-Schirmer den einen oder anderen farblichen Hinweis zum originalen Aussehen der Kronacher Ehrensäule zu geben.

Aus Dankbarkeit

Denn sie waren ja namentlich dabei, als 1654 die Kronacher Bürger ihrem damaligen Landesherrn und Fürstbischofen Melchior Otto, Voit von Salzburg, eine Säule aus Dankbarkeit für die verliehenen Privilegien errichteten. Dabei wurde, wie heute richtig nachempfunden, nicht an „güldener“ Verzierung gespart.

Diese aufwendige Arbeit müsse, so Petra Zenkel-Schirmer, in Einklang mit der restlichen Farbgebung des Kronacher Stadtwappens gebracht werden. So mit dem Grün der Ehrenkrone und dem Rot zweier Rosen, die sich im oberen Teil des Schildwappens auf silbernen Hintergrund befinden. Der untere Teil des länglich-ovalen Wappenschildes zeigt dagegen auf rotem Untergrund eine Rose in Silber mit Butzen und eine silberne Mauerkrone neben einer goldenen Wallkrone.

Mauer- und Wallkrone gelten als militärische Auszeichnungen, die auf römische Ehrenzeichen zurückzuführen sind. Die Mauerkrone, die sogenannte corona muralis, diente den Römern zur Auszeichnung des ersten Bezwingers einer gegnerischen Stadtmauer . Hier ist sie aber als erfolgreiche Verteidigung einer Stadtmauer zu interpretieren.

Die Wallkrone – „corona castrensis“ – erhielt der erste Erstürmer eines Lagerwalles. Auch hier dürfte die umgekehrte Interpretation gelten. Der grüne Lorbeerkranz gilt als Bürgerkrone, als „corona thriumphalis“, die den Mut der Bürger und deren Tapferkeit, sowie letztlich deren Triumpf über die Feinde sinnbildlich darstellt.

Innenfutter als Beweis

Jens Schick, Viertelmeister des III. Viertels der Oberen Stadt , lenkte die Aufmerksamkeit der Restaurationsleiterin auf die zwei roten Rosen mit goldenen Butzen, die heraldisch auf den Rosenberg und die gleichnamige Festung verweisen. Hier meinte er, eine Farbabweichung zum fürstbischöflichen Rot zu bemerken.

Zum Beweis hielt er das Innenfutter seines neuen vogtlichen Mantels an die Rose, der nach eigener Aussage, streng nach den farblichen Vorgaben der bambergischen Hofkammer angefertigt worden sei.

Stadtvogt Hans Götz und der historische Stadtbaumeister Stefan Höllein baten daraufhin Petra Zenkel-Schirmer um eine Prüfung der Farbgebung und eine eventuelle Nachbearbeitung.

Ansonsten zeigten sich die historischen Vertreter der Stadt Kronach beeindruckt von der filigranen Arbeit der Restauratorinnen und waren überzeugt, dass die Ehrensäule bald wieder als Wahrzeichen die Tapferkeit der Kronacher Bürger im Dreißigjährigen Krieg glanzvoll verkünden würde. Hans Götz