„Viel Hilfe erlebt – im Leben viel zu geben – du wertvoller Mensch“, „Helfende Hände – Wärme und Liebe spüren – mit allen Sinnen“ oder „Gedankenchaos – welche Entscheidung treffen – richtig oder falsch“. Solche und weitere Gedankenwelten in Haiku-Form hingen, befestigt mit Wäscheklammern, an Leinen in der Landratsamt-Galerie. Bei den poetischen Kostbarkeiten handelt es sich um Senryu, eine Art deutsche Form des traditionellen japanischen Kurzgedichts Haiku, das pro Zeile 5, 7, 5, insgesamt also 17 Silben aufweist. Mit der Ausstellung fand das mehrere Schichten umfassende Literaturprojekt „Mit Literatur über den Berg“ unter Anleitung von Ingo Cesaro einen weiteren Höhepunkt.

Die Zeilen voller Wärme und Anteilnahme stammen von 16 Schülern der Berufsfachschule für Krankenpflege in Kronach . Die angehenden Pflegekräfte hatten überwiegend melancholische Texte zu Papier gebracht, an denen sich für rund drei Wochen Mitarbeiter und Besucher des Landratsamtes erfreuen konnten.

„Die Texte müssen sich außerhalb bewähren“, verdeutlichte Ingo Cesaro, dem es wichtig ist, dass die Zeilen nicht im Schulgebäude verbleiben. Neben dem Poesiebaum vor dem Krankenhaus gehe man mit der Ausstellung im Landratsamt noch einen Schritt weiter: in die breite Öffentlichkeit. Die nachhaltige Sprachwerkstatt – und damit auch die Ausstellung – musste im Vorjahr erstmals pausieren, nachdem das Projekt zuvor rund 25 Jahre ohne Unterbrechung alljährlich stattgefunden hatte. Die Ausstellung sei daher wie ein Neustart.

„Mit Literatur über den Berg“

Die Literaturwerkstatt hatte für den von Birgitta Krieger geleiteten 58. Kurs an der Berufsfachschule für Krankenpflege stattgefunden. Traditionell stand diese erneut unter dem Motto „Mit Literatur über den Berg“, womit man insbesondere auch das Überwinden einer Krankheit in Verbindung bringt. Nach dem, so Cesaro, „ersten Schock“, dass sie Gedichte schreiben sollten, hätten die jungen Leute immer besser in die Spracharbeit hineingefunden und es schließlich genossen, ihre Gedankengänge zu Papier zu bringen.

Hierfür eigneten sich die 17 Silben besonders gut – als einfachste und kürzeste Möglichkeit, Erlebnisse und Gedanken, Wünsche und Hoffnungen, Sorgen und Ängste auszudrücken. Die meisten dabei entstandenen Gedichte drehen sich dann auch um ihren Berufsalltag : Nachdenkliches und Trauriges, aber auch Beglückendes. „Die 17 Silben, mit denen man in solch einer Kürze so viel ausdrücken kann, werden euch euer Leben begleiten“, zeigte sich Gisela Lang überzeugt. Die Ausstellung sei eine schöne Tradition und dem Kreiskulturreferat lieb und wert. Mit den Plakatgedichten mache man allen Mitarbeitern und Besuchern des Landratsamts ein großes Geschenk. „Die Texte werden gelesen“, versicherte sie, was auch Landrat Klaus Löffler bestätigte. „Wenn man durch die Galerie läuft und die Zeilen liest, tut dies der Seele gut und man kann abschalten“, meinte der Landrat .

Starke Kunst- und Kulturszene

Ein solches Projekt 25 Jahre am Laufen zu halten, sei etwas sehr Wertvolles. Für seinen unermüdlichen Einsatz dankte er dem Kulturvermittler ebenso wie der Kreiskulturreferentin, die das Thema Kunst und Kultur im Landkreis über rund vier Jahrzehnte hinweg maßgeblich ausgebaut habe. Die starke Kunst- und Kulturszene werde man auch in Zukunft weiter pflegen und die Ausstellungen in der Galerie fortführen. Hierfür werde man, nachdem die Generalsanierung des Amts derzeit in vollem Gange sei, auch entsprechenden Platz schaffen – eventuell auch im größeren bzw. attraktiveren Ambiente. „Ihr könnt stolz sein auf eure Ergebnisse“, zeigte sich die stellvertretende Leiterin der Krankenpflegeschule, Birgitta Krieger, von der Qualität der Gedichte begeistert. Dass eine Berufsfachschule ein derartiges Sprachprojekt vorhalte, sei außergewöhnlich. Auch im Krankenhaus gebe es viele positive Rückmeldungen von Patienten sowie Besuchern. Nachdem coronabedingt keine offizielle Ausstellungseröffnung Mitte August stattfinden konnte, hatte man sich, im Rahmen des derzeit Möglichen, zumindest zu einer Finissage in kleiner Runde entschlossen. Dabei lasen die beiden angehenden Pflegekräfte Antonia Angles und Tim Ondra eigene Texte bzw. die ihrer Mitschüler vor.