Köche, die eigentlich viel lieber singen wollen als Gemüse zu schneiden, ein Flügel, der gleichermaßen als Arbeits- und Tanzfläche dient und jede Menge Klischees – das Publikum im Kronacher Kreiskulturraum genoss mit „Pasta e basta“ einen umjubelten italienischen Liederabend.

Eigentlich ist für den gemeinen Ordnungsgermanen das Land jenseits der Alpen der reinste Horror. Ragazzi kommen schon korrupt auf die Welt, das Finanzamt unterhält eine eigene bewaffnete Einsatztruppe – und Kaffee wird aus Fingerhüten genossen.

Dennoch ist Italien der Deutschen liebstes Urlaubsland, und die mediterrane Küche hat spätestens seit Ende der 60er Jahre hier bei uns Einzug gehalten. La dolce Vita ist seitdem auch in Deutschland ein fester Begriff. Irgendwie scheint für uns Deutschen das Leben in Italien dann doch viel besser zu sein: Kultur, Landschaft, Klima und natürlich auch die Küche.

Doch kommen wir zurück in den Kreiskulturraum , wo sogar wirklich gekocht wurde. Neben den Akteuren der Hamburger Kammerspiele mit Regisseur Dietmar Loeffler an der Spitze stand auch Carlotta von der Kronacher Tourismusschule mit auf der Bühne und schwang die Löffel.

Ein Flügel in der Küche

Die Bühne hatte sich in die kleine Küche des italienischen Restaurants „Pasta e basta“ verwandelt, einem Ristorante, wie es auch in Kronach stehen könnte. Fliesen an den Wänden, eine Schwingtür, ein Kühlschrank und eine Küchenzeile mit Herd und Spülbecken erweckten einen urigen Eindruck. Etwas deplatziert hingegen wirkte zunächst der Flügel in der Mitte der Küche, der noch dazu mit einer Decke im Leopardenlook abgedeckt war – doch der sollte noch eine bedeutende Rolle spielen.

Die Handlung ist schnell erzählt: Die drei Köche und Kellner Paolo, Fred und Vico sowie die Tellerwäscherin Mina sind allesamt ehemalige Sänger und gehen auf ihrer Arbeitsstelle lieber ihrer großen Leidenschaft nach, anstatt sich um Essen und schmutziges Geschirr zu kümmern. Aufregend wird es, als plötzlich Katja Wahl-Ente vom Amt für Ordnung und Hygiene im Raum steht, eiskalt sämtliche Mängel der kleinen Küche aufdeckt und noch dazu feststellt, dass das Personal nicht mal richtige Papiere hat.

Doch Paolos sanftes Klavierspiel, Freds italienischer Charme, Minas Stimmgewalt und schließlich Vicos Tiramisu überzeugen die strenge Dame schnell. Kurz darauf greift auch sie zum Mikrofon und zelebriert mit den anderen zwischen Herd und Kochtöpfen die italienische Lebensfreude.

Einen Restaurantkritiker überzeugen die fünf anschließend mit gemeinsam dargebotenen italienischen und internationalen Hits. Sogar der Titel „Blue suede shoes“ von Elvis Presley findet sich im Programm, das das Publikum mitriss und zum Mitklatschen animierte.

„Pasta e basta“ überzeugte in jeder Hinsicht. Zum einen die simple, aber urkomische Handlung, die mit einigen süffisanten Witzen aber auch Seitenhieben zu aktuellen Themen für Lacher am laufenden Band sorgte. Zum anderen die tollen Schauspieler, die zudem durch die Bank unglaublich talentierte Sänger sind und mit verblüffender Leichtigkeit ein Lied nach dem anderen auch mehrstimmig schmetterten.

Paolo Contes „Azzurro“, „Zwei kleine Italiener“ von Conny Froboess oder „Se bastasse una canzone“ aus der Feder von Eros Ramazotti waren nur drei der vielen Lieder, die fest mit in die Handlung eingebunden waren. Zu jedem Gesprächsthema schien den Charakteren ein bekanntes Werk einzufallen, das sie daraufhin – meist begleitet von Paolo am Flügel – zum Besten gaben.

Die Spiel- und Sangesfreude kam beim Kronacher Publikum so gut an, dass manche Besucher sogar bei einigen der dargebotenen Klassiker im Takt mitklatschten und mitsangen. Während die von Carlotta von der Kronacher Tourismusschule auf der Bühne zubereitete Pasta dem Ensemble mundete, wähnte man sich schon im Schlussakt der Vorstellung, die die Besucher von den Stühlen riss und in einem frenetischen Applaus für die dargebotene schauspielerische und musikalische Leistung mündete.

Mehrere Zugaben

Die Künstler ließen sich nicht lange bitten und bedankten sich mit nicht nur einer Zugabe. Die Darsteller schienen die Bühne gar nicht mehr verlassen zu wollen und hatten sichtlich Spaß in Kronach , was wohl auch ein bisschen an den Kochkünsten von Carlotta lag, die leider ihr Pasta-Rezept nicht verraten wollte ...

Ein so spielfreudiges Ensemble mit viel Charme und Verve macht Lust auf mehr.