Der Krieg in der Ukraine ist seit Wochen ständiger Begleiter – auch in der Schule. Die Geschehnisse verbreiten Fassungslosigkeit, Hilflosigkeit, Wut und Angst. Als Zeichen für den Frieden initiiert die Fachschaft Religion der Lorenz-Kaim-Schule einmal pro Woche in der Vormittagspause ein ökumenisches Friedensgebet für Schüler wie Lehrkräfte. Am Freitag nahmen daran Kronachs Stadtpfarrer Thomas Teuchgräber sowie der ukrainische griechisch-katholische Pfarrer Andrii Khymchuk als Gäste teil.

Vier Fluchtversuche nach Polen

„Ich habe die Sirenen der Luftangriffe noch immer im Ohr“, erzählt der Bamberger Pfarrer, der mit Erlaubnis der Regierung erst wenige Tage vorher aus der Ukraine ausreisen durfte. Der 34-Jährige war kurz vor Ausbruch des Krieges auf Heimaturlaub in seiner Geburtsstadt Lwiw (Lemberg) in der Westukraine, rund 70 Kilometer von der polnischen Grenze entfernt.

Am 22. Februar reiste er an, am 24. Februar erfolgte der Angriff der russischen Armee. Die ukrainische Regierung ordnete daraufhin an, dass alle Männer zwischen 18 und 60 Jahren das Land nicht mehr verlassen dürften, um sich einsatzbereit zu halten. „Ich habe viermal versucht, über die polnische Grenze zu kommen“, erzählt der Pfarrer. Dass er es schließlich geschafft habe, sei seinem Bischof zu verdanken, der sich für ihn bei der Regierung eingesetzt habe.

Zwei Luftattacken überlebt

„Ich habe zwei Luftattacken in Lwiw in einem Bunker überlebt. Trotzdem ist dort die Situation im Vergleich zum Osten und Zentrum noch nicht ganz so dramatisch“, bekundete der Seelsorger, der 2012 nach Deutschland kam.

Seine kräftezehrende 24-stündige Rückreise nach Deutschland glich einer Odyssee. Zunächst ging es für ihn mit dem Bus zur Grenze, anschließend mit dem Auto nach Krakau, von dort aus mit dem Flugzeug nach Budapest und letztendlich nach Nürnberg.

„Die Situation an der Grenze war schrecklich. Es gab eine drei Kilometer lange Schlange nur mit Müttern und ihren Kindern, die mitten in der Nacht bei minus drei Grad ausharren mussten“, berichtet er von furchtbaren Zuständen.

Für Unterstützung dankbar

Sehr dankbar zeigt er sich für die seinen Landsleuten zuteil werdende große Hilfsbereitschaft, gerade auch aus Deutschland. Bei einem von ihm nach seiner Rückkehr gestarteten Spendenaufruf für ein Waisenhaus in Lwiw, in dem rund 100 Kinder im Alter zwischen zwei und sechs Jahren betreut werden, kamen zahlreiche Sachspenden zusammen.

Dank der großen Unterstützung von Mitgliedern seiner Gemeinde konnte bereits ein voll bepackter Lkw – insbesondere mit Kleidung, Lebensmitteln und Medikamenten – von ehrenamtlichen Fahrern an die Grenze gebracht werden.

Trotz aller Dankbarkeit für die Hilfe aus Europa prangert er an: „Der Krieg hat bereits 2014 mit der Annexion der Krim begonnen; aber die Welt hat weggeschaut.“ Das in seinen Augen größte Problem seien die in Russland vom Regime verbreiteten Unwahrheiten und die unsägliche Propaganda. Mit großer Sorge erfüllt ihn das Schicksal der noch in der Ukraine weilenden Bevölkerung, darunter auch seine Eltern, mit denen er täglich telefoniert. „Sie hören jeden Tag, wie Bomben fallen. Auch ich bekomme diesen Klang einfach nicht aus den Ohren heraus“, klagt er.

Hoffnungskerzen entzündet

Khymchuk gestaltete das Friedensgebet gemeinsam mit den Religionslehrkräften der Schule sowie Schulleiter Rudi Schirmer und Pfarrer Thomas Teuchgräber. Pfarrerin Alina Ellgring entzündete Hoffnungskerzen. „Wir können den Frieden nicht selber machen und spüren, wie hilflos wir sind“, sagte sie. Aber man könne gemeinsam für den Frieden beten und diesen im Kleinen weitergeben – auch an der Schule, an der junge Leute mit ganz unterschiedlicher Herkunft unterrichtet würden. Ein ergreifender Moment war, als der ukrainische Pfarrer das Vaterunser in seiner Heimatsprache vortrug.

Im Anschluss an das Friedensgebet , das an der Schule weiterhin wöchentlich in einer Vormittagspause stattfinden soll, bestand für die Teilnehmer die Gelegenheit, mit dem Gast ins Gespräch zu kommen. hs