Es waren die Grünen, die die öffentlichen Kosten der Brose-Ansiedlung Mitte des letzten Jahrzehnts kritisiert hatten. 2020 scheint an dieser Front Ruhe zu herrschen. Grünes Bamberg hat den Bebauungsplanentwurf wegen der vorbildlichen Beteiligung der Naturschutzverbände durchgewunken.

Andererseits stehen ungewöhnliche Haushaltsberatungen an, in denen beinhart um jeden Euro gefeilscht werden wird. Wie kann man die Kosten für die Erweiterung eines milliardenschweren Unternehmens rechtfertigen, wenn gleichzeitig viele Leistungen für Kultur oder soziale Einrichtungen gestrichen werden? Doch die betriebswirtschaftliche Logik ist eine andere. Wer sich viel leisten können will, muss dafür sorgen, dass genug Geld hereinkommt.

Was passiert, wenn scheinbar gut laufende Unternehmen ins Trudeln geraten, zeigt das Corona-Jahr wie durch ein Brennglas. Eine Vielzahl von freiwilligen Leistungen ist bedroht, weil sich die Gewerbesteuereinnahmen im Sinkflug befinden. Für 2021 summiert sich der Fehlbetrag in der Stadtkasse voraussichtlich auf 40 Millionen Euro - Summen, die an die Substanz der lieb gewonnenen Bamberger Infrastruktur gehen. Noch weiß niemand, wann es mit der Autobranche wieder aufwärts geht. Dennoch vermag der Brose-Plan, den drohenden kommunalpolitischen Herbstblues aufzuhellen. Mit seinen raumgreifenden Plänen bekennt sich das Unternehmen langfristig zu Bamberg.

Dass der Firmen-Campus neben einem Naturschutzgebiet wachsen soll, stimmt auch grundsätzlich hoffnungsvoll. Hier zumindest scheint der Ausgleich zwischen Natur und Wirtschaft zu funktionieren.