Andreas Oswald

Wenn in 7000 Jahren einmal Archäologen in Forchheim nach Zeugnissen der Vergangenheit graben, dann werden sie mit Sicherheit auf viel Verpackungsmüll stoßen - vermutlich konzentriert im Bereich einer Ansiedlung im Stadtsüden, in der auch die Reste eines Pfahles mit einem gelben Schriftzeichen entdeckt werden. Das "M" wird als Kultort gedeutet.
Wie die Menschen vor 7000 Jahren im Siedlungsgebiet Forchheims lebten und starben, davon erzählen die archäologischen Funde, die bei der bislang größten Ausgrabung im Stadtgebiet, zwischen 2013 und 2014, am ehemaligen Kloster St. Anton gemacht wurden. Die Exponate, darunter auch geheimnisvolle Skelettfunde, sind derzeit in einer Ausstellung im Pfalzmuseum zu sehen.
"Forchheim - älter als der Rest?!" - lautet der Titel der Ausstellung. Eine Überschrift, die Fragen aufwirft: Älter als der Rest der Welt - oder was?", fragt der FT bei einem Rundgang durch die Ausstellung Christina König, stellvertretende Leiterin des Pfalzmuseums . "Das bleibt der Spekulation überlassen - es steht ja ein Frage- und ein Ausrufezeichen dahinter", erklärt die Archäologin. Der Titel sei aus einem gemeinsamen "Brainstorming" entstanden. Die Exponate, die hier zu sehen sind, gehen zurück bis in die Steinzeit.


Reise in die Vergangenheit

Die Ausstellung, die Christina König gestaltet hat, ist als "rückgewandte Chronologie" aufgebaut. Das heißt, die Reise in die Vergangenheit beginnt in der Neuzeit. Genauer gesagt 2013, als vor dem Hintergrund der bevorstehenden Bebauung der Klosteranlage eine "Notbergung" vorgenommen wurde. "Es ist die größte Stadtkerngrabung in Forchheim geworden und gehört zu den umfangreichsten Grabungen dieser Art in ganz Oberfranken", verdeutlicht König die Dimension dieses Projektes.


Alle Erwartungen übertroffen

Bei der Grabung habe sich herausgestellt, dass alle Erwartungen der Archäologen übertroffen worden seien, betont König. Die Untersuchungen auf einer Fläche von 3600 Quadratmetern erbrachten 1451 Befunde. Was man darunter versteht, erklärt die Archäologin: Befunde seien beispielsweise freigelegte Siedlungsschichten - bei denen in der Regel auch Funde gemacht werden.


97 Kisten voller Funde

Die Funde aus dem Klosterhof füllen ganze 97 Euronorm-Boxen. Ein Teil dieser Kunststoff-Kisten ist in der Ausstellung aufgestapelt. Fein säuberlich in Tüten verpackt und auf insgesamt 1394 Fundzettelnummern registriert, werden hier die Relikte der Vergangenheit zur Auswertung verwahrt.
Auf Schautafeln wird in der Ausstellung die Siedlungsgeschichte bis zurück in die Jungsteinzeit (ca. 5200 v. Chr.) dargestellt. Erläutert wird auch die Geschichte des Antoniusklosters und die Stadtarchäologie. "Inzwischen ist die gesamte Altstadt als Baudenkmal eingetragen worden", erklärt die stellvertretende Leiterin des Pfalzmuseums. Das heißt, "bei allen Baumaßnahmen muss ein Archäologe hinzugezogen werden, der zu entscheiden hat, ob gegraben wird, oder nicht", betont König. "Eine der Erkenntnisse solcher Grabungen ist, dass Forchheim deutlich älter ist, als es Schriftquellen erwähnen", stellt die Archäologin fest. Während im Diedenhofener Kapitular Karls des Großen Forchheim 805 erstmals namentlich genannt werde, ließen Funde aus der spätrömischen Kaiserzeit darauf schließen, dass Forchheim schon rund 400 Jahre früher als Siedlung existiert habe.


Speisekarte des Frühmittelalters

Was die Forchheimer im Frühmittelalter aufgetischt haben, lässt sich aus den Funden aus den Abfallgruben des Kosters ersehen: Dort kamen Tierknochen in großen Mengen zu Tage. Auf dem Speiseplan der damaligen Bewohner standen Rind, Schwein, Schaf, Ziege, Geflügel (vor allem Hühner), Hirsch, Reh und Muscheln aus der nahen Wiesent. Auch aus dem aufgefundenen Creußener Steinzeug läßt sich schließen, dass die Franziskaner damals ihr Armutsgelübde wohl nicht ganz so streng genommen haben.


Leiche im Keller?

Ein armer Teufel indes muss jener 16-jährige Jüngling gewesen sein, dessen Leichnam im Hinterhof des Klosters verscharrt worden war. Knochenanalysen ergeben eine leidvolle Krankheitsgeschichte des Verstorbenen.
Im Begleitband zur Ausstellung kommen Bettina Jungklaus und Matthias Weber unter der Überschrift "Leiche im Keller?" zu dem schauerlichen Schluss: "Hier sollte ein verstorbenes Individuum heimlich begraben werden, ohne dass jemand außerhalb des Klosters Kenntnis davon erlangen konnte und sollte."