Äußerungen in sozialen Medien, aber auch seitens einzelner Politiker, das Regiomed Klinikum in Coburg sei mit verantwortlich, wenn die Region zu einem Schwerpunkt der Covid-19-Verbreitung geworden sei, schmerzen Prof. Dr. Stefan Piltz. Als Ärztlicher Leiter des Klinikums ist er auch für das Hygienekonzept verantwortlich. Das und der gesamte Umgang mit der Pandemie durch das Klinikum könne sich bundesweit sehen lassen, sagt er - und bekommt es auch von extern bescheinigt.

"Solche Kritik würdigt das hohe Engagement der Mitarbeiter herab, die mit enormem Einsatz auf allen Stationen am Limit arbeiten", bricht Stefan Piltz eine Lanze für seine Kollegen, die seit März etliche harte Wochen hinter sich haben, und noch längst nicht zur Normalität zurückkehren können. Um aufzuzeigen, was geleistet wurde, schildert der Ärztliche Leiter die Aufgaben, die es mit Ausbruch der Pandemie zu schultern galt. "Wir mussten die Krankenversorgung in allen Häusern umkrempeln", sagt er.

In kürzester Zeit galt es, die Zahl der Behandlungsplätze für Patienten, die (nachweislich) an Covid-19 erkrankt waren, in allen Häusern des Klinikverbundes zu verdreifachen. "Wir waren dabei gewohnt, uns zu schützen", stellt Stefan Piltz fest. Doch neu war, dass sich jeder auch vor einem potenziell unerkannt infizierten Kollegen schützen musste - eine völlig neue Form der Zusammenarbeit.

Eine besondere Herausforderung kam dadurch, dass Patienten, die als Verdachtsfall einzustufen waren, ebenfalls separat untergebracht werden mussten. "Sie mussten zunächst wie ein Infektionsfall behandelt werden", erklärt Stefan Piltz. Allein, dass die Mitarbeiter der betroffenen Stationen beim Betreten und Verlassen jedes Mal ein- und ausgeschleust werden musste und das zusätzlich durch einen weiteren Kollegen zu überwachen war, stieg der Personalaufwand erheblich an. Dabei habe zu Beginn niemand gewusst, was wirklich auf die Kliniken zukommen werde. Wie diese Phase der Unsicherheit von allen gemeistert wurde, dafür zollt Stefan Piltz seinen Kollegen höchsten Respekt. Es mussten schnellstens neue Stationen geschaffen werden, Dienstpläne waren komplett neu aufzustellen. Rückblickend lobt der Ärztliche Leiter: "Wir können uns wirklich auf unsere Mitarbeiter verlassen."

Vorreiter bei Teststationen

Als eine der ersten Einrichtungen bundesweit errichtete das Regiomed Klinikum in Coburg eine Teststation, bei der die Betroffenen nicht einmal aus dem Auto steigen mussten. Eine Leistung, die Stefan Piltz deswegen hervorhebt, weil sie in einer Phase geschultert wurde, in der es hinten und vorne an Material fehlte. Trotz dem wurden an dieser Station rund 1500 Abstriche durchgeführt.

Im Augenblick stellt sich das Klinikum darauf ein, dass bald mit einer erhöhten Zahl von Urlaubsrückkehrern zu rechnen sein dürfte - auch unter den Mitarbeitern, die dann zuerst getestet werden, ehe sie ihren Dienst wieder antreten. Selbst wenn die Allgemeinverfügungen der Politik jetzt mehr Lockerungen erlauben würden, werden die Regiomed-Kliniken daher bei ihren momentanen Regeln zur Hygiene und Vorsorge bleiben, sagte Geschäftsführer Robert Wieland.

Positive Zwischenbilanz

Als Zwischenbilanz in der Bewältigung der Covid-19-Pandemie nennt Stefan Piltz Zahlen. Demnach wurden bisher an allen Standorten des Klinikverbundes in den Landkreisen Coburg, Lichtenfels, Sonneberg und Hildburghausen 1169 Personen als infiziert getestet. Rund 80 Prozent hatten keine oder geringe Symptome und gelten daher als Zufallsbefunde. 234 positiv getestete Patienten mussten behandelt werden. 49 benötigten einen Platz auf der Intensivstation. 30 mussten künstlich beatmet werden - was bei Covid-19-Patienten als besonders aufwendig gilt. Für zwei Patienten war die Behandlung mit der sogenannten Eisernen Lunge erforderlich. Das Durchschnittsalter der Patienten lag bei 72 Jahren. Die älteste Infizierte war 98 Jahre alt und hat die Krankheit überstanden. Ein hoher Anteil der Patienten kam aus Pflegeeinrichtungen.

Die Sterblichkeit unter den Patienten, die intensivmedizinisch behandelt werden mussten, lag bei 25 Prozent. Ein Wert, den Stefan Piltz in Relation zu China (80 Prozent) und der Lombardei als Hotspot in Italien (40 bis 60 Prozent) setzt.

Coburg kann sich mit seinen Erfolgen daher in einer Reihe mit Universitätskliniken in Deutschland sehen und durchaus stolz auf seine Erfolge sein, betont Stefan Piltz.