Wir dürfen wieder; die Zwangspause ist vorbei: So könnte man die Grundstimmung beim Konzert des Ensembles Hundshaupten im Rosengarten von Schloss Thurn umschreiben, sowohl auf Seiten der Musiker, des Veranstalters Kuratorium zur Förderung von Kunst und Kultur im Forchheimer Land und der Zuhörer. Toni Eckert, so betonte Moderator Wolfram Weltzer, habe mit seiner optimistischen Einschätzung recht behalten.

Im März war der Geschäftsführer des Kuratoriums gelassen und riet zum Abwarten. Allerdings war erst Pfingsten klar, dass das Ensemble wieder proben durfte. "Auch uns ist ein bisschen feierlich zumute", bekannte Posaunist Weltzer zu Beginn des ersten öffentlichen Konzerts mit klassischer Musik nach dem Lockdown.

Und feierlich begann es dann auch, angepasst an den Aufführungsort natürlich barock, englischem wohlgemerkt. Das Ensemble nahm die ganze Front des Schlosspavillons ein, so dass die einzelnen Stimmen breit auf das Publikum zuströmten.

So war es ein Leichtes, sich die schreitenden Damen und Herren des Adels im 17. Jahrhundert vorzustellen, die John Dowland in seinen "Airs and Dances" zum Gegenstand seiner Komposition gemacht hat. Im Original sind die Werke des Hofkomponisten und Lautenisten eben für sein Instrument gesetzt. Dann hätten aber, so Weltzer, nur fünf bis sieben der weiträumig platzierten Besucher etwas gehört.

Filigrane Darstellung

Aber für die Begriffsbildung, das Ensemble unter seinem Leiter Bernhard Joerg sei die größte Laute der Welt, reichten die erlaubten Aufführungsbedingungen allemal. Ob die zarten Spitzen und Bänder an den prunkenden Puffärmeln der "Lady Hunsdon" oder die leise Melancholie in der Dunkelheit ("In Darkness Let Me Dwell"), gerade wegen des erzwungenen Abstands gelang den Musikern eine filigrane Darstellung.

Rätselhaftes

Rätselhaft ging das Programm weiter - mit "Nimrod" aus den Enigma-Variationen von Edward Elgar. Der Titel ist eine Hommage an August Jaeger, einen Freund des Komponisten, der ihn in einer schwierigen Schaffenszeit motiviert hat. Das Geheimnis der Gesamtkomposition ist, dass das variierte Thema nie ausdrücklich in seiner Grundform gespielt wird. Es soll sich um einen Melodieabschnitt aus Beethovens "Pathétique" handeln, informierte Weltzer die Zuhörer, ehe sie sich auf das für Elgar eher zart beginnende Stück einlassen konnten.

Im Original ist es für Orchester geschrieben. Nicht nur dank der Platzierung füllte des elfköpfige Blechbläser-Ensemble die Rolle aus. Das Gleiche galt für "Olympic Fanfare and Theme" von John Williams, dem Schöpfer von oskargekrönten Filmmusiken wie der zu "Jurassic Park" oder "Schindlers Liste". Ausdrücklich für mehrfach besetzte Blechbläsergruppen hat Chris Hazell seine "Bras cats" geschrieben. Jeder seiner sechs ihm zugelaufenen Stubentiger widmete er eine charakterisierende Komposition - für die verspielte "Flora" wie für den behaglichen "Tubby Mousetrouser" oder die mehlbestäubte "Homepride".

Die kompositorische Idee gab den Hundshauptenern die Chance, die Facetten unterschiedlicher Blechklänge fantasievoll auszuspielen: maunzend, räkelnd oder springlebendig - und überzeugend, wie nicht nur die achtsame Reaktion des Begleithunds von Zuhörern bewies.