Eine junge Frau, die verzweifelt in der Börse Kleingeld für den Parkschein sucht. Ein Mann, der freundlich grüßt. Ein gestresst wirkender Anzugträger. Eine Mutter, die eilig gen Kindergarten läuft und ein Kind, das lustlos hinterhertrottet. Ein Mädchen, das mit Inlinern durch den gepflasterten Schwalbenhof stolpert. Wen man nicht alles trifft auf dem Fußweg zur Arbeit.
Tauben nicht zu vergessen. Wenn man sie nicht sieht, dann hört man sie. „Huhu! Huhu!“ – kein Zwitschern, kein Geschrei, ein Gurren soll das sein. Für mich ist es eine spöttische Ankündigung: „Freu dich nicht zu früh! Wir treffen uns nachher noch!“
Die Begegnung mit einer Taube hat etwas von einem Duell: Wer setzt sich durch?
Tatsächlich stehen wir uns in der Kitzinger Innenstadt sehr häufig gegenüber, die Tauben und ich. Auge in Auge sozusagen, denn trotz des Größenunterschieds hat die Begegnung etwas von einem Duell. Wer hat die besseren Nerven? Wer weicht aus? Von einer Plage kann man in Kitzingen trotzdem nicht reden. Die Tauben nerven, sie kacken alles voll, sie weichen nicht aus. Aber in anderen Städten gibt es weit mehr.
Es ist schon komisch mit uns und der Tierwelt. Die meisten Leute erschlagen Schnaken, ohne zu zögern. Eine Muckenpatsche zu kaufen, ist selbstverständlich. Auch Mausefallen kann man problemlos erwerben, selbst in der Großpackung.
Die einen Tiere töten wir, die anderen lieben wir
Bei Tauben gibt es schon unterschiedliche Meinungen. Die einen züchten sie, die anderen finden sie blöd. Vor allem die wild in den Innenstädten herumflatternden Artgenossen. Die machen Krach, Dreck, Schäden an Gebäuden, übertragen womöglich Krankheiten… Der Gedanke an die Friedenstaube ist weit weg. Abmurksen will sie trotzdem keiner. Also klauen wir die Eier. Und bei den Krähen, die auch nerven, erschweren wir den Nestbau.
Störche sind auch Vögel, ihre Kackeflecken sind um einiges größer. Trotzdem freuen wir uns, wenn wir sie sehen. Die Störche in Geiselwind sind schon alte Bekannte, deren Wiederkehr und Familienzuwachs wir stets mit großem Interesse verfolgen.
Der dreibeinige Hund bekommt in den sozialen Medien viele Klicks
In den sozialen Medien wird deutlich, wie wir Menschen es mit Tieren halten. Ein Foto von Tauben in der Stadt? "Mistviecher!" Ein Katzenbaby? "Süß!" Ein Beitrag über einen dreibeinigen Hund bringt Tausende Klicks, das Mitleid scheint größer, als wenn es um Menschen ginge.
Wir setzen heimlich Hunde an der Autobahn aus, wenn wir in den Urlaub fahren, und feiern uns öffentlich dafür, dass wir Straßenhunde aus Osteuropa mit nach Hause bringen. Kein Wunder eigentlich, dass uns die Tauben von oben herab spöttisch zurufen. Wer da der blöde ist, werden die ganz anders sehen.