Marco Meissner

Zelte werden bei der Festung aufgeschlagen, Soldaten nehmen ihre Posten ein, Musketen donnern - und ringsherum verfolgen Schaulustige das Treiben. So wird es wohl auch in diesem Jahr aussehen, wenn Crana Historica zu Pfingsten (19. bis 21. Mai) einlädt, die Geschichte lebendig werden zu lassen.
Ein Hingucker wird natürlich auch in diesem Jahr die Schlachtdarstellung werden. "Aber wir spielen keinen Krieg", stellt Tina Vadász-Hain klar. Sie gehört zum Komitee des Historischen Vereins Kronach (HVK), der das "Festival der Geschichte" veranstaltet. Bei diesen Vorführungen gehe es nicht darum, den Waffengang zu verherrlichen, sondern in Form des so genannten Reenactments prägende Geschehnisse museumsdidaktisch aufzubereiten.
Gerade heuer bekommt der militärische Aspekt eine ganz besondere Note für heimatkundlich Interessierte. Der Beginn des Dreißigjährigen Krieges (1618) liegt exakt 400 Jahre zurück. Der Westfälische Friede, der dem blutigen Treiben in Deutschland ein Ende setzte, jährt sich zum 370. Mal. "Das war eine ganze Lebensspanne. Damals gab es Leute, die wussten gar nicht, wie es ohne Krieg ist", erklärt Tina Vadász-Hain. Deshalb wird der Fokus beim Festival heuer besonders auch auf diese für Kronach so einschneidende Zeitspanne gelegt werden.
Doch die historischen Gefechte sind natürlich nur ein Aspekt, für den sich das Organisationsteam seit Monaten ins Zeug legt. Großer Wert wird darauf gelegt, dass Crana Historica wieder zu einem Erlebnis für die ganze Familie wird. Tina Vadász-Hain ist überzeugt: "Wir haben ein schönes Kinderprogramm zusammengestellt." Dazu tragen auch die Vertreter vieler alter Berufe bei, denen über die Schulter geschaut werden darf. Ein Glasbläser, ein Kistler, ein Puppenbauer und eine Seilerei werden ebenso vertreten sein wie ein Schwertschleifer und ein Armbruststand. Insgesamt seien dieses Mal noch mehr Handwerker als früher vor Ort, meint Rosi Ross.
"Die Erwachsenen kommen aber auch nicht zu kurz", ergänzt sie. Nicht zuletzt das musikalische Angebot soll dafür Sorge tragen. "Schattenschweif", "Drachenmond", "Die Streuner" und "Vogelfrei" werden in den Mauern des Bollwerks für die richtige Stimmung sorgen. Unter anderem im Zeughaushof möchte man die Musiker auftreten lassen.
Das bringt Rosi Ross darauf, dass die Planungen heuer nicht so einfach sind. Der Grund dafür liegt in den umfangreichen Bauarbeiten, die aktuell auf der Festung laufen, sei es im Innenbereich oder gerade auch in der Festungsherberge. Dort waren in der Vergangenheit immer wieder viele Teilnehmer des Festivals untergebracht. Das ist in diesem Jahr nicht möglich, was die Einquartierung der voraussichtlich 14 historischen Gruppen nicht einfach macht.


Vorbereitungen laufen

Doch das Team des HVK wird auch diese Hürde nehmen. Ebenso wie die zahlreichen Aufgaben, die bisher schon erledigt wurden. "Die Plakate sind bestellt, T-Shirts wird's wieder geben. Die Hütten sind organisiert, Händler und Gruppen stehen fest", erzählt Tina Vadász-Hain. Außerdem müssen Genehmigungen eingeholt, die Bewirtung und vieles mehr geregelt werden.
"Das Komitee rudert gewaltig", sagt Rosi Ross mit einem Schmunzeln. Die beiden Frauen verweisen darauf, dass es sich schließlich um einen Verein handelt, der dieses "Riesending" mit seinen Mitgliedern stemmen muss, nicht um eine Kommune, die bezahlte Kräfte für solche Veranstaltungen abstellen kann. Doch der HVK beweist mittlerweile seit Jahren, dass er diesem Kraftakt gewachsen ist.
Dafür zollen ihnen auch die Gäste Respekt. "Die kommen sehr gerne zu uns", weiß Tina Vadász-Hain. Bei einem so authentischen Fest zwischen historischen Mauern zu lagern, sei für die historischen Gruppen etwas Besonderes. "Sie können bei diesem Festival einerseits ihren Spaß haben, aber sie werden andererseits ernst genommen. Sie wissen: Das hier ist keine Karnevalsveranstaltung."