Alle, die in den letzten Wochen die Stadtpfarrkirche besuchten, entdeckten gleich am rechten Pfeiler des Mittelschiffes eine Ergänzung der vielen Heiligendarstellungen. Normalerweise kannte man die Figur des Heiligen Josef nur von den beiden Höchstadter Fronleichnamsprozessionen. Zweimal im Jahr wurde dabei der Heilige als Patron der Arbeiter sowie speziell der Schreiner- und Zimmereizunft von vier Männern im Rahmen des Umzuges durch die Stadt getragen.

Die Tradition, Heiligenfiguren bei Prozessionen mitzutragen, rührt von dem katholischen Verständnis, dass die Kirche als Volk Gottes und als Gemeinschaft der Heiligen eine irdische Variante umfasst, doch genauso auch mit jenen Menschen rechnet, die bereits aus dem Leben geschieden sind. Die Heiligenverehrung betrifft von daher Menschen, von denen man sicher glaubt, dass sie Teil der himmlischen Familie Gottes werden durften. Der Heilige Josef als Bräutigam der Gottesmutter Maria und Ziehvater Jesu zählt zu jenen Heiligen, deren Vorbild und Zeugnis bereits in der Bibel überliefert sind.

Die wertvolle Darstellung dieses Heiligen befand sich im Besprechungszimmer des Höchstadter Pfarrhauses. Nun wollte Stadtpfarrer Kilian Kemmer die Figur allen zugänglich machen und an eine der hinteren Säulen im Mittelschiff in der Stadtpfarrkirche anbringen. Der Höchstadter Restaurator Herwig Schell kümmerte sich um die konservative Restaurierung der Holzfigur. Der armenische Künstler Viktor Avetisjan fertigte das fehlende Attribut für die rechte Hand des Heiligen Josef an, eine Lilie als Symbol der Reinheit und Tugend.

Passend zum Festtag des Heiligen steht die Figur seit 19. März an ihrem neuen Platz. Warum die Pfarrei neben der barocken Figur des Heiligen Josef im Nebenaltar des linken Seitenschiffes noch eine weitere Josefsdarstellung besitzt, beschäftigt derzeit Stadtarchivar Christian Plätzer. Die ehemalige Kirche des Höchstadter Kapuzinerklosters, das sich zwischen Hauptstraße, Vogelseck und heutigem Heldenfriedhof befand, war nämlich dem Heiligen Josef geweiht. Diese und das dazu gehörende Kloster rekonstruierten vor kurzem unter der Leitung ihres Geschichtslehrers Christian Plätzer Höchstadter Abiturienten im Rahmen eines P-Seminares und erhielten dafür sogar bayernweit den 1. Preis des Kultusministeriums. red