Braucht man wirklich jedes Jahr ein neues Handy? Muss man im Urlaub Tausende Kilometer weit wegfliegen? Gibt es auch fair hergestellte Fußbälle? Diese Fragen stehen in dieser Woche im Mittelpunkt am Forchheimer Herder-Gymnasium. Die "Weltfairänderer" vom Jugendamt der Erzdiözese Bamberg sind zu Gast.
Das Projekt vermittelt den Schülern in Arbeitskreisen Inhalte zu einer fairen Welt oder dem Umweltschutz. Dabei geht es um die Arbeitsbedingungen der Jeans-Näherinnen in Südostasien, den enormen Wasserverbrauch der Rindermast oder das drohende Bienensterben.


Eine nachhaltige Welt

Schulleiterin Ingrid Käfferlein ist es wichtig, die Schüler frühzeitig darüber zu informieren, wie man im Kleinen zu einer fairen, sozial gerechten und nachhaltigen Welt beitragen kann. "Deshalb freue ich mich sehr, dass das Projekt des Erzbistums bei uns zu Gast ist", sagt sie, "vielleicht engagiert sich einer der Schüler in seinem Berufsleben später in diesem Bereich. Und wenn das hier seinen Anfang nimmt, wäre das doch wunderbar."
Auch Schülersprecher Cedric Meyer ist das Thema wichtig. "Wir versuchen immer wieder, auch in der Schule diese Gedanken umzusetzen", sagt er, "so haben wir kürzlich eine Aktion dazu gemacht, möglichst viele Wege mit dem Rad zurückzulegen."
Da kommt das Projekt gerade recht, um das Verständnis zu vertiefen - etwa darüber, wie viele seltene Rohstoffe etwa in einem Handy stecken und unter welch grausamen Arbeitsbedingungen sie teilweise gewonnen werden. "Man braucht nicht ständig ein neues Handy", sagt der Schülersprecher. Regionaldekan und Stadtpfarrer Martin Emge pflichtet ihm bei: "Mein Smartphone ist bald acht Jahre alt und funktioniert tadellos." Zudem freut er sich, dass dieses kirchliche Thema inzwischen nicht nur in der Schule angekommen ist, sondern überall präsent ist: "Papst Franziskus bezeichnet ja die Erde als gemeinsames Haus. Da müssen sich, wie in einem richtigen Haus, auch alle darum kümmern, dass es hält und nicht marode wird."
Daher hat auch das Jugendamt der Erzdiözese die Themen Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und fairer Handel zu zentralen Themen in der Jugendarbeit gemacht. "Für mich ist das auch gelebtes Evangelium", sagt Jugendamtsleiter und Diözesanjugendpfarrer Norbert Förster, "daher freue ich mich jedes Mal aufs Neue, wenn das Projekt in einem neuen Ort halt macht." Die "Weltfairänderer" sind in diesem Jahr an drei Schulen im Erzbistum Bamberg zu Gast
Auch für den Landtagsabgeordneten Thorsten Glauber (Freie Wähler) ist das Thema ein Herzensanliegen. Er schaut mit einem fair hergestellten und gehandelten Fußball unterm Arm in der Schule vorbei. "Sicherlich ist es nicht immer einfach", sagt er, "etwa, wenn man im Winter mit Zipfelmütze und Handschuhen im Elektroauto sitzt, damit die Batterie auch bis zum Ziel hält." Doch der Beitrag jedes Einzelnen zähle.
Ganz ähnlich sehen es die Projektverantwortlichen. Es komme nicht darauf an, das ganze Leben über den Haufen zu werden. "Wir sind nicht dogmatisch", sagt Joachim Waidmann, der als Referent für Schülerseelsorge des Jugendamtes das Projekt betreut, "alles geht vielleicht nicht. Aber wie hat schon Albert Schweizer gesagt: ,Das Wenige, das du tun kannst, ist viel.' Das ist ja auch unser Motto." red