Andreas Scheuerer Wegen einer innerparteilichen Unstimmigkeit will Jörg Brunhofer sein Amt als CSU-Ortsvorsitzender der Marktgemeinde Lonnerstadt niederlegen. Das teilte der 50-Jährige Lokalpolitiker nun in einem Schreiben mit, das der Redaktion vorliegt.

Darin kritisiert er die jüngsten Entscheidungen des Fraktionsvorsitzenden Giovanni Daniele, der sich wiederholt gegen eine Bezuschussung der Vereine ausgesprochen haben soll. "Ich bin erschüttert. Die Ortsvereine in der nun schwierigen Zeit finanziell nicht zu unterstützen, liegt weder im Interesse des CSU Ortsverbandes, noch der Gemeinde. Ich distanziere mich ausdrücklich von dieser Entscheidung", schreibt Brunhofer.

Konkret bezieht sich der Ortsvorsitzende auf die Ertüchtigung des Hirtenhauses: Um das Vereinshaus mit einer neuen Heizung auszustatten, habe der Gemeinderat vor Kurzem eine Bezuschussung unisono beschlossen. Lediglich Daniele habe sich gegen den Beschluss gestellt, was laut Brunhofer sehr bedauerlich ist. "Damit schadet man dem ohnehin schlechten Image der Partei im Ort." Seine Entscheidung stehe daher fest: Er könne diesen Eigensinn nicht mehr länger mittragen und wolle den Vorsitz aufgeben.

Über die Amtsniederlegung von Parteikollege Brunhofer zeigte sich der Fraktionsvorsitzende Daniele überrascht. "Ich höre das zum ersten Mal, er hat das nie artikuliert", sagt er. Den Vorwurf, er stemme sich gegen jegliche Beschlüsse, die den Vereinen zugute kommen, kann er nicht nachvollziehen. Schließlich entscheide jeder Gemeinderat nach bestem Wissen und Gewissen. "Wenn ich denke, dass Gelder nicht sinnvoll investiert sind, kann ich dem Beschluss nicht zustimmen", sagt er.

Keine Schikane im Sinn

Um eine Schikane der Vereine geht es Daniele dabei nicht. Vielmehr wolle er die Finanzen und das Wohl der gesamten Gemeinde im Blick behalten. Durch die Corona-Pandemie sei Lonnerstadt in eine finanziell sehr angespannte Situation geraten, erklärt Daniele. Die Sanierung der Ailsbacher Kläranlage, für die die Gemeinde rund eine Million Euro aufbringen muss, sei eine große Herausforderung. Vereine zu bezuschussen, die finanziell gut aufgestellt seien, steht laut dem Fraktionsvorsitzenden an zweiter Stelle. "Es geht hier um Geld, dass die Gemeinde derzeit nicht hat. Meine Aufgabe ist es, für die gesamte Gemeinde wirtschaftlich sparsam zu handeln", sagt Daniele.

Überhaupt stellt er sich die Frage, wie viel Einfluss Vereine auf die Politik haben sollten. "Mein Eindruck ist, dass der Einfluss der Vereine bei uns sehr groß ist." Das sei so nicht richtig und führe dazu, dass Bürger mit anderen Ansichten schnell zu Einzelgängern werden, sagt Daniele.

Ein Antrag auf transparente politische Entscheidungen, den er im Gemeinderat eingebracht habe, sei mit einer klaren Mehrheit abgeschmettert worden. "Ich frage mich, wieso Transparenz in dem Gremium unerwünscht ist." Er habe den Eindruck, dass andere Meinungen nicht gerne gehört werden.

Shitstorm gegen Daniele

In den sozialen Medien ist unterdessen ein Shitstorm über Daniele hereingebrochen. Auf Facebook kommentierte der TSV Lonnerstadt die Gegenstimme des CSU-Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat so: "Der CSU Ortsverband Markt Lonnerstadt hat mal wieder gezeigt, was er von Vereinsarbeit hält." Für Brunhofer ist das wenig verwunderlich. "Wenn man sich gegen alles stellt, kann man in einer Gemeinde nichts bewegen", sagt er.