Vor zwölf Jahren ging es noch um das "Dieselnetz Oberfranken". Damit waren unter anderem die nicht elektrifizierten Nebenstrecken gemeint, wie Coburg-Bad Rodach, Breitengüßbach-Ebern oder Forchheim- Ebermannstadt. Es ging aber auch um die Anbindung von Bayreuth und Weiden. Seit 2011 fährt das Bahnunternehmen Agilis auf den Strecken des Dieselnetzes Oberfranken.

Über die Grenzen hinweg

Inzwischen heißt das Netz "Agilis Nord" und umfasst auch die Strecken Bayreuth-Hof-Bad Steben, Hof-Selb und Münchberg-Helmbrechts. Dieses Netz wird nun neu ausgeschrieben und erweitert: Hinzu kommen laut einer Mitteilung der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) der bayerische Teil der grenzüberschreitenden Verbindung Hof-Selb-Plößberg-Aš/Asch-Cheb/ Eger sowie die Regionalbahn Hof-Gutenfürst. Nach Gutenfürst fährt derzeit die Erfurter Bahn, nach Eger die Länderbahn.

Das Netz wird also größer, und der Bahnverkehr darin soll dichter werden. Derzeit werden auf den Strecken rund fünf Millionen Zugkilometer pro Jahr zurückgelegt, ab 2023 sollen es 5,4 Millionen Kilometer pro Jahr sein. Die BEG will nämlich auf allen Strecken einen Stundentakt einführen, wie er schon auf den meisten bayerischen Strecken gilt.

Länger und stündlich

Davon profitiert auch die Linie Coburg -Bad Rodach: Hier sollen Taktlücken geschlossen werden, und die BEG verspricht einen verbesserten Früh- und Abendverkehr. Die Strecke soll am Werktagen von 5 bis 23 Uhr bedient werden, an Samstagen ab 6 Uhr, an Sonntagen ab 7 Uhr. Auch die Verbindung Coburg-Lichtenfels-Kulmbach soll verbessert werden. Dort fahren jetzt schon die dieselbetriebenen Agiliszüge abwechselnd mit den elektrischen Nahverkehrszügen der DB Regio, die auf der Verbindung Lichtenfels-Coburg-Sonneberg unterwegs sind.

Bessere Anschlüsse in Lichtenfels

Die Dieselzüge sollen in Lichtenfels künftig stündlich Anschluss an die Regionalbahnlinie nach Bamberg haben (derzeit zwei Stunden). Außerdem ist eine Anbindung an die Intercity-Linie Karlsruhe-Nürnberg-Jena-Leipzig vorgesehen, die über Lichtenfels und die Saaletalstrecke verläuft. Daneben bestehen in Coburg weiterhin die ICE-Anschlüsse nach Nürnberg/München und in Richtung Erfurt Berlin. Außerdem werden ab 2023 täglich mehrere Regionalexpresszüge zwischen Nürnberg und Erfurt über Coburg fahren. Für diese Züge und alle anderen elektrisch angetriebenen Züge in Nordbayern ist zumindest bis 2035 die DB Regio zuständig. Das Elektronetz Franken-Südthüringen wurde bereits 2020 neu vergeben.

Entscheidung im Oktober

Im Dezember 2023 beginnt auch die neue zwölfjährige Betriebsperiode im nicht-elektrifizierten Netz. Die Ausschreibung ist veröffentlicht; bis Juli können Verkehrsunternehmen aus ganz Europa ihre Angebote abgeben. Wer den Zuschlag erhält, soll dann laut BEG im Oktober entschieden werden. Dann sind rund zwei Jahre Zeit, in der die Betriebsübernahme vorbereitet werden kann. In dieser Zeit will die BEG regelmäßig über den Stand der Vorbereitungen informiert werden.

Gebrauchte Fahrzeuge erlaubt

Die BEG gibt nicht nur das Fahrplankonzept vor, sondern stellt auch Anforderungen an die Fahrzeug- und Personalausstattung der Bahnunternehmen. Verlangt werden barrierefreie, klimatisierte Fahrzeuge, die aber nicht neu sein müssen. Die Auswahl der Fahrzeuge sowie der Ausstattungsdetails bleibe dem jeweiligen Verkehrsunternehmen überlassen, schreibt die BEG - nur "spurtstark" sollten die Triebwagen sein. "Wünschenswert wäre, auch in diesem Netz Fahrzeuge mit alternativen Antriebskonzepten zum Einsatz zu bringen" - doch bislang könne die Industrie solche Fahrzeuge nicht liefern.

Möglicherweise ändert sich das in den 2030er-Jahren, wenn das Netz wieder ausgeschrieben wird. Denn der Bund will im östlichen Oberfranken noch einige Strecken elektrifizieren.

Wlan in allen Zügen

Die Fahrgäste sollen jederzeit über die Verkehrslage informiert werden. Auch müssen die Verkehrsunternehmen die Zugdaten in den bayernweiten Datenpool für Auskunftssysteme einspeisen. Und: In jedem Zug soll kostenloses Wlan zur Verfügung stehen. Auch das macht die BEG zur Bedingung.

Außerdem muss sichergestellt werden, dass Züge möglichst nicht wegen Personalmangel ausfallen: Nachzuweisen ist eine "Sitzbereitschaft für Reserve-Triebfahrzeugführer"; außerdem muss der BEG jährlich eine Personalplanung vorgelegt werden, und es wird eine Mindestausbildungsquote für Triebfahrzeugführer gefordert.

Die Geldfragen

Die BEG sucht nicht den günstigsten Anbieter, sondern den wirtschaftlichsten, wie sie auf ihrer Homepage betont. Bei der Beurteilung der Angebote von den Verkehrsunternehmen würden auch Qualitätszusagen berücksichtigt, die über die Mindestanforderungen hinausgehen, wie zum Beispiel Fahrzeugausstattung, Zugbegleitereinsatz, Service, Fahrgastinformation.

Der Preis spielt eine Rolle, weil die BEG das Eisenbahnunternehmen bezahlt, das den Betrieb übernimmt. Daneben darf das Bahnunternehmen die Einnahmen aus dem Ticketverkauf behalten. Damit will die BEG einen Anreiz schaffen, dass sich das Bahnunternehmen selbst um mehr Fahrgäste bemüht. Die DB AG wird in jedem Fall beteiligt sein: Wer auch immer seine Züge auf die Strecken schicken darf, wird Verträge schließen müssen mit der DB Netz AG (Strecken), der DB Station&Service AG (Stationen) und der Deutsche Regionaleisenbahn GmbH (Strecke Bayreuth-Weidenberg und Stationen).