Die bayerisch-tschechische Linie war nicht immer eine Grenze, sondern wie heute lediglich eine Schwelle zum Überschreiten. Die Stadt Eger, das heutige Cheb, gehörte einst zum Königreich Bayern, war freie Reichsstadt mit einer Kaiserpfalz, aber ans Königreich Böhmen verpfändet. Kirchlich gehörte Eger bis 1880 zum Bistum Regensburg, zudem bestand auch immer eine Verbindung nach Marienweiher im Bistum Bamberg.
Die Stifter des Bamberger Doms, Heinrich und Kunigunde, sind auch im Altarbild von St. Nikolaus in Eger abgebildet; jeder trägt dort eine Hälfte des Bamberger Doms. Und seit dem Jahr 1745 pilgern Katholiken einmal im Jahr von Eger nach Marienweiher. Nach zweijähriger Unterbrechung soll dies Ende August wieder aufgenommen werden. Am kommenden Montag, 14. Mai, ab 19 Uhr wird Robert Thern im Wallfahrerhaus in Marienweiher einen Lichtbildervortrag über die Geschichte dieser Wallfahrt halten.
Die Erwähnung einer "Egerer Wallfahrt” nach Marienweiher steht im Wallfahrtsbuch? "Miraculosa weierensia", das die zu Marienweiher geschehenen Wundertaten aufzeichnet. Es wird dort berichtet, dass eine große Anzahl der Egerer Bürgerschaft am 5. Juni 1745 "mit Tränen in den Augen vor der Muttergottes zu Weyer niederknieten”.
Die Egerer Bürger erfüllten damit ein 1744 gemachtes Gelübde. Sie wollten der Gnadenmutter von Weiher für den Schutz und Beschirmung ihrer Stadt vor Hunger, Krieg und Krankheiten danken und ihre weitere Hilfe erflehen: Anlass war der österreichische Erbfolgekrieg.
Frankreich, Bayern und Preußen wollten die Regentschaft von Maria Theresia in Österreich nicht anerkennen. In der folgenden kriegerischen Auseinandersetzung kam es 1741/42 zu wiederholten monatelangen Belagerungen der stark befestigten Stadt Eger.
Im Herbst 1744 drohte Böhmen erneut Gefahr durch den Einfall von Friedrich dem Großen und dem verbündeten bayerisch-französischen Heer. In dieser Bedrängnis und Not gelobte die Egerer Bürgerschaft eine Wallfahrt nach Marienweiher zu machen, wenn sie von den Kriegshandlungen verschont blieb, was tatsächlich geschah.


Datum dokumentiert

Die Egerer Wallfahrt ist eine der seltenen Ausnahmen, da Beginn und Motiv einer Wallfahrt genau dokumentiert sind. Ein weiteres Dokument der Verbindung, die Egerer Fahne, befindet sich in Marienweiher.