Der angeklagte Gabelstapelfahrer muss sich wegen versuchten Totschlags vor der ersten großen Strafkammer am Landgericht Coburg verantworten. Der Beschuldigte bestreitet die Tötungsabsicht.
Der Vorfall ereignete sich im Juli des vergangenen Jahres im Landkreis Kronach in der Wohnung der 42-jährigen Ex-Lebensgefährtin des 58-jährigen Mannes.
Dort soll der Beschuldigte aus Eifersucht auf seine Verflossene losgegangen sein. Nachdem der Mann das Bild eines anderen Mannes auf dem Display seiner Ex-Freundin gesehen haben soll, soll es zu dem Vorfall gekommen sein.
Der Mann soll sich in der Toilette weiße Handschuhe angezogen haben und einen Schraubenzieher geholt haben und damit auf die Frau losgegangen sein. In der Wohnung soll es zum Kampf und zu mehreren Attacken gekommen sein.
Die Frau erlitt laut Anklage Stich- und Schürfverletzungen an den Händen, Oberschenkeln und im Bauchbereich. Als die 42-jährige auf die Straße flüchtete, sei ihr der wutentbrannte Mann gefolgt. Er soll auch Morddrohungen ausgerufen haben. Erst als Nachbarn hinzukamen, soll er von seinem Vorhaben abgelassen haben, eine Zigarette geraucht und die Polizei verständigt haben. Die Frau wurde ins Krankenhaus gebracht, wo sie notoperiert wurde.
Mithilfe einer Dolmetscherin berichtete der Mann von seinen persönlichen Verhältnissen. Er kam demnach im Jahr 1989 durch eine Ehe nach Deutschland. Aus dieser Ehe gehen fünf Kinder hervor. Nach der Scheidung sei er eine Partnerschaft mit der 42-Jährigen eingegangen, gemeinsame Kinder wurden in den Jahren 2007, 2008 und 2009 geboren.


"Er war sehr eifersüchtig"

Über seine Beziehung zu der 42-Jährigen und dem Tathergang wollte er vorerst keine Angaben machen. Sein Rechtsanwalt Oskar Steiger teilte in einer schriftlichen Erklärung lediglich mit: "Er wollte niemanden umbringen." Dafür berichtete die 42-Jährige sehr ausführlich von der Beziehung und von dem Vorfall. Die Partnerschaft war ihren Worten nach geprägt von Streit, Drohungen und Gewalt. "Er war sehr eifersüchtig. Ich durfte niemanden anschauen, musste immer auf den Boden blicken." Sie berichtete auch von sexuellen Übergriffen, bei denen der Mann sie wie ein wildes Tier genommen haben soll.
Am Tattag sei es in ihrer Wohnung zum Streit gekommen, in der Folge sei der Mann in die Toilette gegangen, dort habe er weiße Handschuhe angezogen und einen Schraubenzieher geholt. Der Schraubenzieher sei angespitzt gewesen. Damit sei der Ex-Freund auf sie losgegangen und habe auf sie eingestochen. Dabei habe er gerufen: "Du sollst sterben, ich bringe ich dich um." Auf Nachfrage von Oberstaatsanwalt Martin Dippold sagte sie: "Ja, ich habe Angst um mein Leben gehabt. Er hat mich in eine Falle gelockt." Der Vorfall belaste sie schwer, sie sei seitdem sehr schreckhaft und leide Schlafstörungen.
Der Prozess wird am kommenden Montag um 9 Uhr fortgesetzt.