Lieselotte Bieley lebt am Rande des idyllischen Dörfchens Elbersreuth. In der Nähe gibt es nur Wiesen, Wald und Flur - mehr nicht. Hier sagen sich Fuchs und Hase gute Nacht. Selbst an schönen Sommertagen, wenn in den Städten massenweise Menschen unterwegs sind, sind hier keine Leute auf der Straße. In die Stadt zieht es die Landshuterin, die sich seit einigen Jahren wegen der himmlischen Ruhe in Presseck niedergelassen hat, nur selten: höchstens mal, um einzukaufen oder zuletzt, um im Einkaufszentrum Fritz an einer Lesung des Literaturvereins teilzunehmen. Aber auch dann trägt sie keine Maske. "Ich habe allergisches Asthma und ich habe ein Attest", erklärt Liselotte Bieley. Sie will den Arzt, der ihr das Attest ausgestellt hat, nicht nennen.

Probleme beim Einkaufen

"In den ersten Wochen bin ich nirgendwo hin", erzählt die Elbersreutherin. Nach der strengen Lockdown-Phase hat sie dann - wie alle anderen - den Mund-Nasen-Schutz ausprobiert. "Es war mir eigentlich schon klar, dass ich das nicht vertrage. Beim ersten Einkauf war ich in Schwarzenbach. Der ganze Einkauf hat nur fünf Minuten gedauert, aber am Ende bin ich fast zusammengebrochen", erzählt die Elbersreutherin. Sie ist dann weiterhin mit Maske zum Einkaufen. Die nächste Strategie war, dass sie sich ganz langsam durch den Supermarkt bewegt hat. Doch jedes Mal hatte Bieley Probleme. Und aus diesem Grund ging sie dann zum Arzt, um sich eine Befreiung ausstellen zu lassen.

"Ich habe das Attest, dass es mir unzumutbar ist, eine Mund-Nasen-Maske zu tragen, immer bei mir. Aber eigentlich kümmert sich niemand drum", sagt Bieley. In einem Einzelhandelsgeschäft in Kulmbach wurde sie einmal angesprochen, dass sie eine Maske tragen müsse. Doch als sie auf das Attest hinwies, war die Situation klar. De facto wurde das Attest nicht kontrolliert.

Auch an einer Tankstelle sprach man sie einmal an. "Aber ich bin noch nie komisch angeschaut worden. Das Personal war bislang immer sehr anständig", sagt Bieley und schiebt dieses Grundverständnis auf ihre persönliche Ausstrahlung. "Ich bin eine starke Persönlichkeit. Ich habe eine Freundin, die hat auch eine Befreiung und die ist ein sehr schüchterner Mensch. Die wurde sogar schon angepöbelt", erzählt die Elbersreutherin. Ihrer Freundin hat dies so zugesetzt, dass sie in München eine Gaststätte verlassen hatte - trotz Attest. "Ich weiß, dass ich zur absoluten Risikogruppe zähle. Aber ich habe trotzdem keine Angst. Wenn es mich erwischt, erwischt es mich. Manche werden auch vor lauter Angst krank", sagt Bieley.

Die Elbersreutherin macht keinen Hehl daraus, dass ihr die ganze Masken-Pflicht zu weit geht und dass sie gegen diese Vorschriften ist: "Eigentlich haben die meisten Menschen die Nase voll und keiner trägt gerne Maske. Ja, eigentlich ist es eine Unverschämtheit, dass so etwas vorgeschrieben ist. Ja, ich bin schon der Meinung, dass es an Körperverletzung grenzt."

Es gibt keine Statistiken

Das Gesundheitsamt führt keine Statistik darüber, wie viele Menschen solch eine Masken-Befreiung haben. Wenn dies aus gesundheitlichen Gründen angezeigt ist, müsse dies jedoch akzeptiert werden. Kinder unter sechs Jahren und Personen, denen aufgrund einer Behinderung oder aufgrund einer gesundheitlichen Beeinträchtigung das Tragen einer Maske unmöglich ist, können eine ärztliche Bescheinigung bekommen. Und dann ist es in Ordnung, wenn sie keine Maske in der Öffentlichkeit tragen würden, bestätigt Natasa Luz vom Gesundheitsamt in Kulmbach.

"Ich habe noch keine Befreiung ausgesprochen", sagt indes Ärztin Anja Tischer. In der Praxis Tischer-Seitter waren schon rund acht bis zehn Masken-Unwillige. "Die Gründe, die die Patienten vorgebracht haben, waren immer die gleichen: Sie würden Panik kriegen, keine Luft, sie könnten nicht arbeiten, wenn sie eine Maske aufhätten", erklärt die Ärztin. "Aber ich habe keine einzige Befreiung ausgestellt", sagt Tischer klipp und klar.

"Ich habe den Leuten erklärt, dass sie sogar Spezialmasken tragen müssten, also FFP2 oder FFP3-Masken, weil sie eben besonders gefährdet sind", sagt Tischer. Und die Ärztin hatte Erfolg: "Die Versuche, eine Befreiung zu bekommen, gab es vor allem am Anfang. Inzwischen kommt keiner mehr", so die Ärztin und betont, dass die Maske nicht die Träger selbst, sondern vor allem die anderen schützen würde.

Gefährdung anderer

Und aus diesem Grund ist der Verzicht auf eine Maske immer auch mit einer Gefährdung der anderen verbunden. "Es ist inzwischen auch erwiesen, dass ein Faceshield nichts bringt. Wir versuchen deshalb ernsthaft, jeden zu überzeugen, dass die Maske der einzig wirksame Schutz ist und dass es wichtig ist, dass jeder mitmacht", erklärt die Medizinerin.