Eine Frau hält gleichzeitig jeweils eine Hand von zwei
schwerkranken Patienten im Krankenhaus. "Das ist Danuta, unsre preiswerte Trösterin aus Polen", sagt der Arzt zu einem Besucher. In einer anderen Zeichnung hält gar eine (an ein Gestell befestigte) Plastikhand die Hand eines Patienten, der an Apparate angeschlossen ist.


Trauer-Tattoos

Solche Cartoons und Karikaturen voll beißender Ironie wird der Vorsitzende des Hospizvereins Kronach, Peter Witton, zusammen mit ungewöhnlichen Grabsteinen und Todesanzeigen beim Abend "Humor am Lebensende" in einer Präsentation zeigen. Die Karikaturen zu Themen wie Krankheit, Pflegebedürftigkeit und Trauer verfügen zweifellos über eine ganz spezielle, zuweilen provozierende Art von Humor, bei dem einen bisweilen das Lachen im Halse stecken bleiben kann.
Gleichzeitig regen die tiefgründigen und satirischen Zeichnungen aber auch zum Nachdenken an und halten unserer Gesellschaft den Spiegel vor. Über das Sterben und den Tod lacht man nicht! Oder etwa doch?! Beim heiter-besinnlichen Abend "Humor am Lebensende" werden neben Peter Witton weitere Mitwirkende in höchst unterschiedlichen, ungewohnten und bisweilen gewagten Darstellungsformen diese oftmals noch tabubehafteten Themen ansprechen - jedoch, ohne den Ernst und den Respekt aus dem Blickfeld zu verlieren.
Dabei wird unter anderem der Bestatter Torsten Schönsee vom gleichnamigen Bestattungsinstitut über Trauer-Tattoos erzählen. "Immer mehr Menschen, keineswegs nur Jugendliche, lassen sich den Namen eines Verstorbenen zur Erinnerung tätowieren", berichtet er von dieser Form der Erinnerungskultur und Trauerbewältigung. Mit ihm zusammen wird der Hospizverein Kronach auch im November dieses Jahres eine eigene Ausstellung in der Kronacher Synagoge zu diesem Thema initiieren.


Trösten und Erinnern

Zudem wird der Sohn einer kürzlich Verstorbenen auf ihren Wunsch hin von ihrer Beerdigung erzählen.
Mit dabei ist auch Trauerclown Birgit Sauerschell, die als Clown verkleidet Beerdigungen begleitet. "Clown und Beerdigung - das klingt sicherlich für die meisten nach einem Widerspruch. Das liegt daran, dass Menschen in der Regel ein falsches Bild von einem Clown vor Augen haben, beispielsweise von Zirkus-Auftritten", sagt Sauerschell, die auch als Klinikclown zu Kindern in Krankenhäuser kommt. Ein "echter" Clown sei
nämlich sehr sensibel, empfindsam und poetisch. Während das Angebot "Bestattungsclowns" in Deutschland ganz neu ist, gibt es Clowns auf Beerdigungen in Holland schon länger. Dabei handle es sich keinesfalls um Komik, sondern um eine feinfühlig-ergreifende, durchaus auch etwas freche - aber immer sehr respektvolle - "Bereicherung" von Bestattungen. "Wir nehmen
dem Tod etwas die Schwere, ohne ihn lächerlich zu machen. Es geht dabei vor allem um Respekt und die Liebe zu dem Verstorbenen", verdeutlicht sie.
Bestellt werden die Clowns von Angehörigen der Verstorbenen oder auch auf deren eigenen Wunsch hin, wenn diese es vor ihrem Tod so festlegten. Gefragt
sei vor allem Empathie. Es gebe auch kein fertige "Nummer"; vielmehr gehe man verstärkt auf die jeweilige Situation und die Reaktionen der Trauergäste ein.
Auch weitere Vorstandsmitglieder des Hospizvereins sowie die Hospiz-Koordinatorin Annette Hümmer werden sich der von vielen noch immer verdrängten Themen annehmen und mit ihren Beiträgen zum Nachdenken, vielleicht auch zum Schmunzeln anregen. Musikalisch umrahmt wird der Abend mit thematisch passenden Liedbeiträgen, angestimmt vom evangelischen Pfarrer Andreas Heindl und dessen Ehefrau Elisabeth. Durch das Programm führt das Hospizvereins-Vorstandsmitglied Ingrid Steinhäußer.
Auch Nichtmitglieder sind willkommen. Beginn ist um 19 Uhr. Im Anschluss sind alle Besucher zu einem kleinen, kostenlosen Buffet mit Getränken und Imbiss eingeladen. Der Eintritt an diesem Abend ist frei. Spenden sind willkommen.