Mittlerweile sehnt sich wohl jeder nach mehr persönlichen Gesprächen - doch pandemiebedingt müssen sich viele im Berufsleben noch immer vermehrt auf Video-Chat-Plattformen stützen. Dass sich die Kommunikation dabei verändert, ist offenbar. Aber kann die Konversation über den Bildschirm mit dem persönlichen Gespräch mithalten?

Was geht verloren?

Markus Behmer, Professor für Kommunikationswissenschaft an der Universität Bamberg, betont, dass die Kommunikation besonders unter ausgeschalteten Kameras während der Videokonferenz leide. Dadurch, dass der persönliche Ausdruck nicht nur aus Worten, sondern ebenso aus Mimik und Gestik bestehe, falle ein wesentlicher Faktor weg. Gesichtsausdrücke, Gebärden und vor allem das Gestikulieren - all das komme nicht an. Dazu komme, dass keine unmittelbare Reaktion auf das Gesagte in den Gesichtern gelesen werden kann. Oftmals müsse jeder persönlich angesprochen werden, um sich auch wirklich angesprochen zu fühlen.

Ein weiterer Nachteil, der auch bei eingeschalteten Kameras auftritt, sei die Veränderung der Gruppendynamik. "Es fehlt der direkte Austausch mit dem Nachbarn", sagt Behmer. Es könnten keine kurzen Sätze oder Blicke zwischen den Teilnehmern hin und her geworfen werden; die Aufmerksamkeit richte sich rein auf den Sprecher. Durch den Mangel an physischer Präsenz verlagere sich die Konversation zudem auf die verbale Ebene. "Das Gespräch wird unpersönlicher und viel formeller, man ist weniger spontan und weniger witzig." Das führe dazu, dass sich der Smalltalk-Anteil vermindert oder ganz wegfällt. Das lasse die Kommunikation erkalten, erklärt Behmer.

Darüber hinaus könne das Medium selbst zur Barriere werden, indem sich die Übertragung verzögert oder ganz ausfällt.

Was wird gewonnen?

Doch es gibt auch positive Seiten: Behmer beschreibt das Verhalten der Teilnehmer als "disziplinierter, stringenter und erfolgsorientierter". Auch das ergebe sich aus der starken Verbalisierung der Kommunikation ohne direkte Anwesenheit der Gesprächspartner.

So würden Gesprächsziele oft schneller erreicht werden, ohne lange um den heißen Brei herumzureden - dadurch seien die Sitzungen kürzer. "All das wiegt aber den Nachteil nicht auf", sagt Behmer.

Wie verhalte ich mich richtig?

Um die Vorteile zu nutzen und die Nachteile weitgehend zu übergehen, sollte sich jeder Teilnehmer einer Video-Konferenz an bestimmte Regeln halten. Behmer empfiehlt, diese im Vorfeld individuell festzulegen. Beispielsweise sollte geklärt werden, wie die Meldefunktion der meisten Plattformen genutzt werden kann. Zudem sei ein Gesprächsleiter ab einer Konferenzgröße von vier Personen sinnvoll. Generell seien klarere und kürzere Aussagen nötig, um die Kommunikation über das Hindernis des Mediums hinweg so einfach wie möglich zu halten. Und natürlich sollte die Kamera eingeschaltet sein. mc