So viel Gedränge auf dem dritten Podestplatz war noch nie beim Mahler-Dirigierwettbewerb der Bamberger Symphoniker, der unter der Bezeichnung "The Mahler Competition" längst Weltgeltung erreicht hat.

Nicht weniger als drei Dirigier-Aspiranten befand man eines dritten Preises für würdig, der immerhin mit 10 000 Euro dotiert ist. Wilson Ng aus Hongkong, Harry Ogg aus Großbritannien und - als einzige Frau - Katharina Wincor aus Österreich waren im zwölfköpfigen Teilnehmerfeld bis in die Finalrunden vorgedrungen, aber das "Endspiel" blieb ihnen dann doch verschlossen.

Ein enges Rennen

Finnegan Downie Dear hieß der Gewinner aus Großbritannien, der sich über 30 000 Euro Preisgeld ebenso freuen durfte wie über einen mächtigen Prestigegewinn in der Dirigentenszene. Auf dem mit 20 000 Euro ebenfalls respektabel dotierten zweiten Platz landete Thomas Jung aus Deutschland.

Die prominent besetzte Jury hatte es nicht leicht mit ihren Bewertungen, denn nach der Einladung von nur 12 Finalisten aus weit über hundert Bewerbungen ging es qualitativ recht eng zu. Das Auswahlgremium mit der Komponistenenkelin Marina Mahler als Schirmherrin an der Spitze musste vom 29. Juni bis zum 4. Juli in vier Runden viele Probendirigate beurteilen und dann mitunter harte Entscheidungen treffen.

Viel Hörstoff also, aber auch viel für das Auge, denn Gestik und Mimik zählen ebenfalls, wenn es darum geht, ein Orchester sicher und inspirierend durch eine symphonische Partitur zu führen. Das ließ sich beim Abschlusskonzert mit Preisverleihung am Sonntagnachmittag, das der Wettbewerbssieger alleine dirigieren durfte, mustergültig nachvollziehen.

Finnegan Downie Dear leitete zunächst die Interpretation des Auftragswerkes mit dem umständlichen Titel "move 4 ,Memory Full'" von Miroslav Srnka. Das Stück mäandert angenehm vor sich hin, besticht durch manch aparte Klangidee und überrascht durch seine finale Zuspitzung.

Klare Impulse

Schon die ersten Impulse des Dirigenten wirkten - trotz des Verzichts auf einen Taktstock - sehr klar und vorwärts treibend, was die Vorfreude auf die spätere Mahler-Symphonie beförderte.

Zunächst aber musste die Preisverleihung über den gestreamten Äther gehen, und das natürlich auf Englisch, damit es weltweit verstanden würde. Intendant Marcus R. Axt und Chefdirigent Jakub Hru  Grad ša absolvierten das souverän, und der Applaus der 100 zugelassenen Zeugen sowie der Musiker galt auch den Drittplatzierten.

Finnegan Downie Dear machte sich an- und abschließend mit dem in etwas reduzierter Besetzung spielenden Orchester an die Darstellung der kompletten 4. Symphonie Gustav Mahlers. Der 30-jährige Brite dirigiert recht zurückhaltend, ökonomisch und rational, aber mit sinnfälliger Gestik, die sich im Verlaufe des Kopfsatzes dennoch zu weiträumigen Bewegungen steigern konnte.

Er ist nicht der Typus des feurigen Spring-ins-Feld wie Gustavo Dudamel - der berühmt gewordene erste Wettbewerbssieger - oder ein hin- und mitreißender Charismatiker. Eher liegt ihm die dienende Rolle, das Seriöse, quasi Kapellmeisterliche. Gleichwohl entfachte er Feuer im Finalsatz der Mahlersymphonie, wofür er in der Vokalpartie mit Barbara Hannigan eine ideale Partnerin hatte.