Gibt es einen Boom im Inlandstourismus? Kein Zweifel: Urlaub in Deutschland ist der Trend im Corona-Jahr 2020. Ländliche Regionen scheinen, jüngsten Berichten zufolge mehr von steigenden Gästezahlen zu profitieren als die Städte. Aber kann das arg gebeutelte Gastgewerbe nun hoffen, mit einem blauen Auge davonzukommen, Verluste gar noch ausgleichen zu können? Gilt das nur für traditionell starke Tourismusregionen, wie Alpen und Ostsee, oder macht sich der Trend auch im Landkreis Bamberg bemerkbar? Die letzten Zahlen dazu liefert das Statistische Landesamt für Juni und Juli. Und die stimmen verhalten optimistisch.

"Ich warne davor, von einem Boom zu reden", stellt jedoch Joachim Kastner, Hotelier in Burgellern und Kreisvorsitzender des Branchenverbands Dehoga, klar. Das belegen auch die bisherigen Zahlen. Nach dem Kompletteinbruch im April und Mai wurden in den statistisch erfassten Beherbergungsbetrieben (mindestens zehn Betten) im Landkreis für Juni knapp 24 000, für Juli fast 40 000 Übernachtungen gemeldet. Jedoch wurden in den letzten Jahren bereits im Juni meist mehr als 40 000 Übernachtungen gezählt. Und der Juli erreicht auch noch nicht ganz den Vorjahreswert von 43 000 Übernachtungen.

Tourismusexpertin Bianca Müller, Managerin der Fränkischen Toskana, stimmt das dennoch optimistisch. "Wir haben aktuell sehr viele Anfragen von Feriengästen." Vor allem die Zahl der kurzfristigen Buchungen sei stark bestiegen. Sie weist darauf hin, dass den Betrieben überhaupt erst seit Pfingsten touristische Übernachtungen wieder erlaubt seien.

Nachdem Bayern am 16. März den Katastrophenfall ausgerufen hatte, waren ab 18. März Übernachtungsangebote "nur noch zu notwendigen Zwecken", sprich Geschäftsreisen, erlaubt. Das Verbot touristischer Übernachtungen wurde - unter strengen Auflagen am 30. Mai aufgehoben. Entsprechend hatten sich schon im März die Übernachtungen im Landkreis Bamberg im Vergleich zum Vorjahr fast halbiert. "Die Zahl der verlorenen touristischen Übernachtungen kann man nicht aufholen", stellt Müller fest. Ein Bett, das im Frühling leer war, könne man jetzt nicht doppelt belegen. Verluste von bis zu 95 Prozent, wie sie in der Stadt Bamberg zu verzeichnen waren, könne man nicht ausgleichen, gibt Kastner zu bedenken. "Diese Monate sind einfach weg, denen werden wir noch Jahre hinterherhinken."

Müller freut sich aber, dass nun die Übernachtungszahlen wieder anziehen. "Wir sind guter Dinge", sagt die Tourismusmanagerin. Die Zahlen für August hat sie noch nicht vorliegen. Aber traditionell ist auch der Herbst noch ein gutes Pflaster für Regionen wie Bamberg, die sich zum Wandern, Radfahren und ähnlichen Urlaubsaktivitäten anbieten. "September und Oktober werden gut laufen", ist Müller überzeugt.

Im Gegensatz zum Frühjahr, als nur noch Geschäftsreisen erlaubt waren, ist es nun der Tourismus, der das Beherbergungsgewerbe wieder hochziehen kann. Viele Deutschlandurlauber würden derzeit im Umkreis von zwei bis drei Fahrtstunden Urlaub machen, sozusagen die Region vor ihrer Haustür erkunden, weiß Tourismusexpertin Müller.

Im Gegenzug gebe es bei Geschäftsreisen immer noch eine spürbare Zurückhaltung. Kleinere Seminare und Tagungen, wie sie auch viele Hotels im Landkreis anbieten, würden kaum stattfinden. "Die Firmen verzichten auf Meetings", stellt Müller fest. Den Trend zu kurzfristigen Privatreisen registriert auch Kastner. Doch damit seien auch Unwägbarkeiten verbunden, vor allem was die Personalplanung der Betriebe betreffe. Es finde lediglich eine Umschichtung der Kapazitäten statt, die für die Branche mit erheblichem Mehraufwand und Planungsunsicherheit verbunden sei. Zudem fehlten massiv Einnahmen aus Feiern, wie etwa Hochzeiten. Und auch fest gebuchte Gruppenreisen fänden kaum statt. Das könne durch den Individualtourismus nicht ausgeglichen werden.

Das passt zu Berichten, dass derzeit Städte weiterhin mit rückläufigen Übernachtungszahlen zu kämpfen haben. Messen und große Tagungen finden nach wie vor nicht statt. Doch Müller meint, Bamberg bilde da eher eine Ausnahme. Das Weltkulturerbe sei auch und vor allem für Urlauber ein reizvolles Ziel. Das Potenzial der Region Bamberg, mit einem blauen Auge aus der coronabedingten Tourismuskrise zu kommen, ist also durchaus vorhanden. Was das Beherbergungsgewerbe betrifft, war allerdings zur Jahres-Halbzeit noch nicht einmal ein Viertel des üblichen Ganzjahres-Solls erreicht.

Dabei hatte das Jahr verheißungsvoll begonnen. Im Januar und Februar lagen die Übernachtungszahlen deutlich über denen von 2019. Doch schon im März brachen sie ein. Und im April, normalerweise Auftakt zur Hauptsaison, verbuchte der Landkreis ein Minus von rund 80 Prozent, in der Stadt Bamberg waren es sogar 95 Prozent.

Verschiedene Bereiche werden allerdings von der offiziellen Statistik gar nicht erfasst. Etwa Ferienwohnungen und -häuser sowie kleine Pensionen und Gasthöfe mit weniger als zehn Betten. Auch der Trend zum Wohnmobil, von denen derzeit deutlich mehr als in früheren Jahren auf den Straßen im Landkreis unterwegs zu sein scheinen, schlägt sich nur dort in der Statistik nieder, wo die Camper auf offiziellen Zelt- und Stellplätzen Halt machen.

Einen Camping-Boom bestätigt auch Statistische Landesamt in seinem jüngsten Monatsbericht. Für Juli meldet die Fürther Behörde auf ganz Bayern gerechnet einen Rückgang der Übernachtungen um 25,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dagegen hätten Campingplätze im Juli ein Plus von 7,2 Prozent verbuchen können.