Das dritte K.o.-Spiel innerhalb von nur einer Woche führte die Rhöner A-Klassisten der SG Oberleichtersbach/Modlos als Herausforderer in den Hammelburger Sportpark, wo der Kreisklassist FC Eintracht Poppenlauer rund um Antreiber Tim Potschka eigentlich seiner Favoritenrolle gerecht werden wollte. Aber nach einem fulminanten Kraftakt vor 1127 Zuschauern beim FC Hammelburg steigt die offensivstarke SGO in die Kreisklasse auf, der FC muss sich in der kommenden Saison mit der A-Klasse begnügen. "Ich muss meiner Mannschaft ein riesiges Kompliment machen, sie hat heute alles gegeben und den Aufstieg daher auch wirklich verdient", sagte SG-Trainer Stefan Brustmann überglücklich. "Wenn man alle drei Relegationsspiele zusammennimmt, dann haben wir uns sogar noch steigern können. Ich wusste, dass es gegen Poppenlauer gar keine leichte Aufgabe wird. Aber das Team und die Fans haben die Aufgabe wieder toll gemeistert."
Fassungslos, erschöpft und enttäuscht dagegen die Akteure des unterlegenen FC Poppenlauer. "Wir haben es am Anfang gar nicht so schlecht gemacht. Oberleichtersbach spielt viele lange, gute Bälle, darauf mussten wir uns erst einstellen", sagte FC-Kapitän Tim Potschka. "Die Tore kurz vor der Halbzeit und direkt nach der Pause haben natürlich dem Gegner voll in die Karten gespielt. Aber wir hätten auch wieder zurückkommen können, die Chancen waren doch da. Oberleichtersbach macht es am Ende natürlich mit den tollen Kontern wahnsinnig clever", so Potschka ernüchtert. "Der Gegner wollte es heute wohl ein wenig mehr als wir. Daher hat sich Oberleichtersbach den Aufstieg absolut verdient. Wir haben heute unsere individuelle Klasse nicht auf den Rasen gebracht", sagte der hochgradig enttäuschte Kapitän.
Florian Friebel hatte die A-Klassisten mit einer klasse Einzelleistung aus extrem spitzem Winkel in Führung geschossen. Tim Potschka ließ ebenfalls sein spielerisches Potenzial aufblitzen, als er das Leder kurz vor der Pause eiskalt in den Winkel setzte. Zuvor hatte der FC-Kapitän bereits eine ganz ähnliche Situation, aber SG-Keeper Florian Müller bugsierte das Leder gerade noch so aus der Gefahrenzone. Dass Benedikt Geppert in der Nachspielzeit der ersten Hälfte noch einen Treffer für die SGO nachlegen konnte, gab dem Spiel des FC einen leichten Knacks. Geppert hatte den herausstürmenden FC-Keeper Christian Martens im Strafraum voll aussteigen lassen. Nach Wiederanpfiff stand Joschka Eberlein goldrichtig am langen Pfosten und staubte einen unsauber abgewehrten Ball clever zum dritten Treffer für die Oberleichtersbacher ab. Doch der FC Poppenlauer gab nicht klein bei und stemmte sich gegen das drohende Unheil. Als Florian Dinkel allerdings völlig freistehend den SG-Torsteher anschoss und ein paar weitere Hochkaräter in die Wolken gejagt wurden, schlug die Stunde der konterstarken SGler, die nun ihr Konzept clever ausrollen konnten.


Der FC läuft ins offene Messer

Den Auftakt der sensationellen Kontervorstellung machte Moritz Leitsch, der einen Querpass von Florian Friebel verwertete. Friebel war zuvor über den ganzen Platz nach vorne gespurtet und hatte dennoch das Auge für den besser postierten Mitspieler. Am Ende lief der FC voll ins offene Messer, denn die Räume für Joschka Eberlein, Florian Friebel und Simon Wittmann waren nun einfach zu groß. Die FC-Defensive brach völlig auseinander. Das Ergebnis täuscht insofern ein wenig über den Spielverlauf hinweg. Die klassischen Rhöner Konter mit irrem Tempo waren angesichts der ausweglosen Situation für Poppenlauer dann doch Grund für Frustration und Kapitulation.
"Dieser Modus ist fast schon brutal für alle Beteiligten. Aber wir können daran nichts ändern und nehmen die Spiele so an, wie sie auf uns zukommen", sagte SG-Coach Stefan Brustmann im Verlauf der Relegationsduelle. "Verlierst du nur ein einziges Spiel, hast du rein gar nichts erreicht. Man hätte ja unter den Verlierern wenigstens einen weiteren Platz in der Kreisklasse ausspielen können", so Brustmann. "Aber der BFV will eben die viel zitierte Pyramide mit wenigen Mannschaften in der Kreisklasse, und so kommt so ein knallharter Modus zustande. Ich hätte mir natürlich viel lieber einen Aufstieg ohne Relegation gewünscht. Aber dieses Erlebnis kann uns nun auch niemand mehr nehmen. Das hat alle im Verein noch mehr zusammengeschweißt."
Bei fast 30 Grad Hitze hatten die Releganten im Hammelburger Sportpark rasant losgelegt. Das Tempo war allerdings erwartungsgemäß nicht über 90 Minuten konstant zu halten. Die anfänglich brütende Hitze verlangte den jungen Akteuren alles ab. Erst als sich allmählich Schatten auf das Hammelburger Spielfeld legte, waren die Temperaturen auch für die Sportler erträglich. Die knapp 1200 Fans hatten sich größtenteils die kühlen, schattigen Plätze gesucht. Die tolle Stimmung im Sportpark bewies wieder einmal: Relegation ist den Rhönern heilig. Für die selbst ernannten "Keilerschweine" aus Oberleichtersbach und Modlos gab es nach dem Abpfiff sowieso kein Halten mehr. Mit Trommeln und Trompeten wurde die Aufstiegsparty eröffnet.