Wenn es jetzt früher Nacht wird, finden sich vielerorts leuchtende Zeichen in Gärten und vor Häusern. Dabei handelt es sich heute meist um ausgehöhlte Kürbisse mit einem Licht darin. In den Generationen zuvor wurden dafür Futterrüben verwendet.

Für die Versorgung der Familien mit Gemüse und Obst waren ehemals die Hausgärten unerlässlich. Es gab dort früher wenig Platz für ein rankendes Gewächs wie den Kürbis, der große Flächen abdeckte und außerdem „den Boden auszog“, wie die allgemeine Formulierung lautete. Wenn aber eine derartige Frucht im Garten heranreifte, dann war es nicht üblich, mit einem Kürbis, einem Nahrungsmittel, derartig verschwenderisch umzugehen. Kürbis süß/sauer eingemacht diente im Winter als willkommene Beilage zum Essen am Mittagstisch.

Aber es gab eine andere Möglichkeit, leuchtende Zeichen in der dunklen Jahreszeit zu setzen. Und das schon lange, bevor Halloween sich in unserem Kulturkreis einbürgerte.

Denn viele Anwesen hatten Haustiere , die auch im Winter versorgt werden mussten. Kühe, Ziegen und Stallhasen bekamen Heu und Getreide . Für die nötigen Proteine und Mineralstoffe sowie Flüssigkeit sorgten die Futterrüben oder Runkelrüben, die als „ Dorsch ’n“ in und um Herzogenaurach oder „Rangers’n“ im Höchstadter Raum bezeichnet wurden.

Die Rüben sind eine sogenannte Hackfrucht mit einem hohen Anteil an Protein- und Mineralstoffen. Sie gehören zu den Fuchsschwanzgewächsen und tragen den lateinischen Namen „Beta vulgaris“.

Hier stimmten Nährstoffgehalt, Geschmack und Ertrag, auch die gute Lagerfähigkeit war wichtig. Sie sind walzen- bis kugelförmig, rötlich bis gelb gefärbt und erheben sich zu 80 Prozent über dem Erdboden. Sie wurden auf Beeten gezogen. Entweder zuvor im Garten vorgezogen und dann verpflanzt oder gesät und dann vereinzelt. Später wurden sie mit einer Sämaschine gesät, die wie ein Schubkarren geschoben werden musste. Bei zu dichtem Pflanzenstand wurden die überzähligen mit der Hacke bzw. Haue entfernt.

Nahrung für Mensch und Tier

Die Futterrüben sind universell einsetzbar, auch die Hühner pickten sich das Beste davon heraus. Für die Kühe mussten sie zerkleinert werden, damit sie diese leichter aufnehmen konnten. Die Rübe diente auch als Armeleuteessen, es gibt nicht wenige Rezepte dazu. Besonders während des Ersten Weltkriegs waren die sogenannten Steckrübenwinter gefürchtet.

Allerdings werden sie in der heutigen Zeit kaum mehr angebaut, die Landwirte sorgen vielmehr mit Silage für Proteine und Mineralstoffe bei ihren Kühen. Wahrscheinlich liegt es auch daran, dass die Rüben als Hackfrucht eher arbeitsaufwendig sind. Die zweijährige Pflanze bildet im zweiten Jahr einen Fruchtstand aus, wenn sie den Winterfrost überlebt. Denn üblicherweise werden sie vor dem ersten Frost geerntet und im Winter so eingelagert, dass ihr die niedrigen Temperaturen nicht schaden können.

Ein Spaß für die Kinder

„ Dorsch ’n“ oder „Rangers’n“ hatte also fast jede Familie im Herbst eingelagert. Auf ein paar Exemplare mehr oder weniger kam es also nicht an. Die Kinder machten sich also den Spaß, die großen und gutgewachsenen Exemplare auszuhöhlen und mit einer Kerze versehen vor dem Haus, auf der Fensterbank, am Zaun oder auf den Torsäulen, wo sich der Hauswurz befand, zu postieren, um vielleicht doch den einen oder anderen etwas erschrecken zu können. Dabei legten die Kinder natürlich großen Wert darauf, das größte oder schönste Exemplar ihr Eigen nennen zu können. Es gab quasi einen richtigen Wettstreit. Mit den Futterrüben ist auch dieser Brauch fast schon verschwunden.

Der Unterschied zum Kürbis: Dieser hat oft innen einen Hohlraum und man muss nur durch die Wandung schneiden. Außerdem ist das Innenleben weicher. Bei der Rübe muss dagegen mühselig das kompakte Innenleben herausgeholt werden, bevor man das Gesicht einschneiden kann. Da wundert es nicht, dass in neuerer Zeit eher Kürbisse dafür hergenommen werden.