Die Beschäftigungssituation in Deutschland ist paradox: Laut Bundesagentur für Arbeit fehlen jährlich bis zu 400 000 Fachkräfte . Gleichzeitig gibt es viele Menschen, die aus dem Arbeitsmarkt herausgefallen sind, gerne dorthin aber wieder zurückmöchten.

„Starre und bürokratische Regeln hindern arbeitswillige Menschen daran, beruflich wieder Fuß zu fassen“, meint Michael Thiem, Geschäftsführer der Sozialen Betriebe Laufer Mühle, und verweist aus seine langjährigen Erfahrungen bei der beruflichen Integration. Vor den Mitgliedern des Aischgründer Rotaryclubs erklärte er das Konzept und die Qualifizierungsmaßnahmen der Betreuungsstätten und berichtete von vielen erfolglosen Versuchen, diese „ bürokratischen Barrieren“ zu durchbrechen.

„Ob Bundesgesundheitsminister, bayerische Staatsminister, Bezirkstagspräsident oder Bundesdrogenbeauftragte: Jeder war nach Vorstellung unseres Konzeptes überzeugt, dass unsere Fort- und Weiterbildungsangebote einen wesentlichen Beitrag bei der beruflichen Wiedereingliederung leisten können“, führte Thiem aus und ergänzte, dass sich aber letztendlich kein Ressort zuständig gefühlt habe.

Informationen zu diesem Thema erhielten die Rotarier, die bereits mehrmals als Sponsoren für die Qualifizierungsangebote der Therapiestätte aufgetreten sind, aus erster Hand. Denn die Betroffenen selbst, die durch eine Suchterkrankung in die Arbeitslosigkeit abgerutscht sind, berichteten von den Hindernissen und Schwierigkeiten, bei ihren beruflichen Integrationsversuchen. „Es hat den Anschein, dass es unserer Gesellschaft angenehmer ist, wenn wir im Status von hilfsbedürftigen Menschen verbleiben als Unterstützung zu finden auf dem Weg zurück in die Arbeitswelt“, fasste Olga ihre bisherigen Erfahrungen zusammen. Konkret habe sie während ihrer erfolgreichen Suchttherapie eine Qualifizierung zum soziotherapeutischen Assistenten bei der Industrie- und Handelskammer ( IHK ) Mittelfranken durchlaufen. Sie strebte nun eine Anstellung in einer Heilstätte an, die sich um Menschen mit ähnlichen Krankheitsverläufen kümmert, wie sie eben selbst einen durchlebt und erfolgreich überwunden hat. Doch winke der staatliche Kostenträger der Betreuungsmaßnahme ab und erkennt die Qualifizierung nicht als eine „Fachqualität“ an. Ergo sei eine Beschäftigung in diesem Berufsfeld für Olga nicht möglich. Lediglich als Hilfskraft, so die Auskunft der Behörden, könnte sie auf Mindestlohn eine Anstellung finden. Damit würden aber, so Olga, „meine persönliche Erfahrung bei der Überwindung der Krankheit und mein erworbenes Wissen aus dem Lehrgang nicht gewürdigt und wertgeschätzt.“

Die Enttäuschung und Trauer sind nicht nur Olga, sondern auch Rene, Günter, Dominik, Benni und Toni anzusehen, wenn sie von ihren Zukunftswünschen und -aussichten erzählen. „Sehr gerne würde ich, nachdem ich nun meine Krankheitsgeschichte mit all ihren Begleiterscheinungen erfolgreich aufgearbeitet und mich über zwölf Monate hinweg weitergebildet habe, mein Wissen und meine persönliche Erfahrung zukünftig professionell einsetzen und dafür auch eine gerechte Entlohnung erhalten“, erklärt Toni. red