„The Gentlemen of Jazz“ klingt fast nach einem Verdienstorden. Ohne weiteres hätte man ihn nach so einem berauschenden Konzert verleihen können. Bis aus Regensburg sind Zuhörer ins Erlanger Musikinstitut angereist und werden, wie alle anderen, ab dem ersten Moment belohnt. Die ausverkaufte „Konzertwerkstatt“ trägt durch Akustik und Nähe zu einer besonders dichten Atmosphäre bei. Keine Mimik bleibt verborgen, sie verrät bei allen Musikern in erster Linie höchste Konzentration, gepaart mit unbändiger Spielfreude.
Bandleader Thilo Wolf hat als Pianist, Komponist und Arrangeur mit seiner Formation „Thilo Wolf Jazz-Quartett“ auch viele eigene Werke am Start. Vom Flügel aus leitet er das bestens eingespielte Team dezent über Blicke, die Tasten bearbeitet er mit der ganzen Bandbreite seines Könnens. Tempo, Dynamik, präzis ausgefeilte Läufe, gewaltige Akkorde, leise, fast nachdenkliche Töne wechseln in ständigem Drive.
Ähnlich ist das auch bei Norbert Nagel, Klarinettist, Saxofonist, ebenfalls Komponist und Arrangeur. Auf seinen vier Instrumenten Klarinette und Bassklarinette, Saxophon und Querflöte brilliert er ein ums andere Mal, spielt mit unglaublich langem Atem unglaublich hohe Töne.
Klaus Sebastian Klose beherrscht seinen Kontrabass mit enormer Leichtigkeit, erkennbar lockeren Läufen und äußerst flinken Fingern.
Beim Schlagzeuger Jean Paul Höchstädter kehrt kaum Ruhe ein. Auf seinem Schlagzeug wirbelt er, was das Zeug hält, streichelt es gefühlvoll, erzeugt überraschende Klangkombinationen; seine Soli genießt er sichtlich unangestrengt. Man könnte ihm ewig zuhören.
„Stompin at the Savoy“, Swing aus dem Jahr 1933, benannt nach dem berühmten Savoy Ballroom in New York City, bringt gleich zu Beginn alle Fans „on fire“. Dieses Feuer wird permanent geschürt, auch in sehr berührenden Momenten.
Norbert Nagel und Thilo Wolf öffnen eine sehr persönliche Seite: beide haben Kinder, Nagel fünf Enkelkinder. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, jedem eine Komposition zu widmen. Also interpretiert er für den anwesenden Levin den gleichnamigen Samba fetzig und fröhlich auf der Klarinette.
Später erklangen noch für Wolfs Tochter sein Trio-Satz „Tessa‘s Waltz“ und „No no Blues“ für den Sohn. Eigentlich laut Wolf „ein zärtliches Stück“, in dem herrlich vertonte Widerworte zwischen Piano und Klarinette und deren beharrlich aggressives, tonal wuchtiges Ausleben der Trotzphasen hörbar sind. Passend einfühlsam spielt Nagel zum Latin-Swing „In a Sentimental Mood“ die Querflöte.
„Mr. Eulenspiegel“ in launigem, Schabernack ähnlichem Fangenspiel, perfekt nachgeahmten Pianoläufen von Klarinette und Kontrabass oder „Franka‘s Song“ als verjazztes Frankenlied begeisterten die Zuhörer. Auch das klassische „Summertime“ mit allen Höhen und Tiefen - von donnerndem Tastengewitter oder zärtlichem Abendrot, hervorragend feinfühlig übernommen von den begleitenden Musikern wurde intoniert. Es wurde einst als eigenständiges Lied aus der Gershwin-Oper gelöst und ist bisher das meist gecoverte Jazz- und Popstandardlied. Dies und noch mehr begeisterte in der dargebotenen Perfektion sowohl solistisch als auch im Team der Band.
Levin bezeichnet sie am Ende als „die beste im ganzen Universum“. Es wurde von anhaltendem Applaus, Standing Ovations, zwei Zugaben und Mitsing-„Babaduba“ von Entertainer Nagel zumindest für diesen Abend so bestätigt.
Christiane Brenner