Rund ein Viertel aller Mitarbeitenden in der Laufer Mühle und den Sozialen Betrieben sind sogenannte Ex-User. Ex-User werden ehemals Abhängige genannt, die nach erfolgreich durchlaufener Therapie ihr Erfahrungswissen zum Thema Sucht für all jene nutzbar machen, die nach ihnen in die soziotherapeutische Einrichtung der Laufer Mühle kommen. Erfahrungswissen alleine reicht für eine therapeutische Qualifikation aber nicht aus. Deshalb hat sich die Laufer Mühle im Jahre 1998 erstmals Gedanken gemacht, wie man der rein empirischen Kompetenz fachliche Expertise hinzufügen kann. Aus diesen Überlegungen ist damals der „Soziotherapeutische Assistent“ (STA) geworden, der inzwischen seit einigen Jahren schon von der IHK-Akademie Nürnberg für Mittelfranken offiziell als „IHK-Zertifikatslehrgang“ anerkannt ist.

Keine Anerkennung als Fachkräfte

Die Ex-User in der Laufer Mühle kämpfen aber noch um eine weitere Anerkennung. Trotz ihrer Expertise werden sie von den Kostenträgern noch als Hilfskräfte angesehen, was sich natürlich auch in der finanziellen Kategorisierung und den Einsatzmöglichkeiten niederschlägt. Das Ex-User-Team um Michael Thiem will eine Anerkennung zumindest als „Teil-Fachkräfte“ erreichen. Dafür werben sie seit langer Zeit immer wieder bei den Politikern, die die Laufer Mühle besuchen. Immerhin waren bislang auch schon fast alle Bundesdrogenbeauftragten als Gäste vor Ort.

Die Teilnehmer an diesem Zertifikatslehrgang würden sich über diese Teilanerkennung freuen , durchlaufen den Lehrgang aber auch jetzt schon, da diese noch nicht erreicht ist, mit vollem Engagement und großer Begeisterung. „Alle Absolventen vor mir haben mir erzählt, dass sie der ,STA‘ auch persönlich und in der Aufarbeitung ihrer Sucht sehr weit gebracht hat“, berichtet ein Teilnehmer. In der Auseinandersetzung mit Inhalten wie der Psychologie, der Soziologie, den Sucht-Theorien und therapeutischen Methoden, aber auch der Gesprächsführung, der Sozialgesetzgebung und ähnlichen Themen hätten sie ihre Suchtentstehung viel besser verstehen können und in Kombination mit der eigenen erfolgreichen Therapie Kompetenzen entwickelt, die ihnen helfen, anderen zu helfen, die die Einsicht und Therapiewilligkeit noch nicht haben.

Sponsoren ermöglichen Bildungschance

Baris Kece, diesjähriger Absolvent, fasste diese Erfahrung mit folgenden Worten zusammen: „Ich habe viele Aha-Effekte für mich mitgenommen und habe vieles verstanden, über das ich vorher nie nachgedacht habe. Ich bin mir langsam und im wahrsten Sinne des Wortes selber auf die Schliche gekommen.“ Bei den Absolventen früherer Jahrgänge, die sie in all den Jahren begleiteten, bedankten sich die „Neuen“ für das Vorbild und den Respekt, bei den Sponsoren dafür, dass eine solche Bildungschance überhaupt möglich ist.

Der STA-Lehrgang 2020-2021 war zwar auch von Corona beeinträchtigt, dennoch konnte nun die Zertifikatsverleihung stattfinden. Diese führten in diesem Jahr die Bezirksrätin und Beauftragte des Bezirks für die Belange für Menschen mit Behinderungen , Lydia Bauer-Hechler (Grüne), durch. Weiterhin gekommen waren Bezirksrätin Ute Salzner ( CSU ) sowie Anne Wedel-Klein aus der Geschäftsleitung Martin Bauer Group. Diese unterstützt die Laufer Mühle seit Jahren auf vielfältige Weise; Anne Wedel-Klein hat die Einnahmen aus einem Vortrag für die STA-Zertifizierung gespendet. Als Vertreter der IHK-Akademie kam Markus Odorfer und als Vertreter der Schulen, an denen die STAler Präventionsarbeit leisten, Oberstudiendirektor der staatlichen Berufsschule Herzogenaurach, Martin Wirsching. Den Freundeskreis der Laufer Mühle, der die Finanzierung des Lehrgangs von Anfang an unterstützte, vertrat Schriftführerin Sigrid Thiem.

Michael Thiem bedauert, dass die offizielle Anerkennung der wichtigen Funktion von STAlern, die als wertvolle Vorbilder fungieren, nach so vielen Jahren noch immer nicht weiter gediehen ist, und bat Politik und Entscheidungsträger weiterhin um Unterstützung bei diesem Vorhaben. red