Christiane Brenner
Sie können laut, sehr laut. Und leise, sehr leise. Sie können gefühlvoll, von Kopf bis Fuß in Bewegung, mit omnipräsenter Energie und fantastischen Klängen: die 30 Frauen unter Leitung von Eva-Maria Noé, bekannt als „dezibella“, wie Coldplay 1996 gegründet als „Erlanger Frauenchor“.
Nun verabschiedet Noé sich von ihrer „dezibellas“, mit dem breit gefächerten, klug zusammengestellten Programm „Laut und leise, wild und weise“ und 21 nicht alltäglichen Werken, viele von Frauen komponiert und getextet.
Der Abend im Erlanger Kubic, angekündigt als „extended version“, verläuft sehr kurzweilig dank der pfiffigen Moderationen von Gaby, Josi und Edeltraud. Die Beiträge purzeln dynamisch auf das Publikum herein, das zunehmend in ungläubiges Staunen gerät aufgrund der chorliterarischen Vielfalt und Mehrsprachigkeit.
Wohlig warm erklingt auf deutsch „Frühzeitiger Frühling“, danach auf Französisch „Dirait-on“, auf Englisch „My favorite things“, auf Schwedisch „Hvem styrde hit din väg“. Als Highlight gibt es die auf Fränkisch umgedichtete finnische „Ievans Polkka“.
Meist geht es um Liebe mit allem Ach und Weh, endet aber, um der Schmach ein Ende zu bereiten, in einem von sieben Zaubersprüchen.
Nach der Pause ist Schluss mit lustig. Die individuell schwarz-rot gekleideten Damen aus allen Alters- und Berufsgruppen bieten nun, womit sie begonnen haben: Lieder der Frauenbewegung. Da sind die italienische „Elegia al caduti“ als Botschaft gegen Gewalt und Gleichgültigkeit. Ebenso Aufrufe, in der Welt etwas zu verändern, wie „Laut sein“, „Skyfall“ oder mit mutiger Bodypercussion bei „Changes“, souverän dirigiert von der Nachfolgerin Mareike Drescher.
Während gelegentlich Jutta Müntjes am Flügel begleitet, untermalen Conga und Cabasa das „Lineage“, gefolgt vom spektakulären „Java Jive“.
Bewundernswert die Perfektion und Wandlungsfähigkeit in den Stimmlagen, mit der Tonart- und Tempowechsel, Stilrichtungen in jeweiligen Übergängen und anspruchsvolle Rhythmen gemeistert werden.
Hellwach, fokussiert und stimmlich besonders in den Sopranhöhen sehr gut disponiert, sind alle bis zum Schluss auf den Punkt präsent, eingebunden ins feine, einladende Dirigat der Chorleiterin . Es wird ihr alles flink und wie selbstverständlich zugeliefert.
Das Publikum spart zwischendurch nicht mit Bravo-Rufen für die Ergebnisse aus „guter Mischung zwischen ernsthafter Arbeit und viel Platz für Ideen der Sängerinnen . Die meisten Lieder auswendig singen zu lassen, lässt intensive Bühnenpräsenz und lebendige Klangeindrücke zu“, wie Noé im Gespräch erläutert.
Ein außergewöhnlicher Abend, oft Gänsehaut erzeugend, getragen von Jubiläumsstimmung, Erinnerung, Aufbruch und Abschied. Abschließend passt „Thank You for the Music“ ebenso wie „Kein schöner Land“ in bezauberndem Chorsatz. Begeisterte Liebhaber gehobener Chorkultur danken mit langen Standing Ovations.