Nachdem das Aktionsbündnis Stopp-Südumfahrung die Einwohner Herzogenaurachs aufgerufen hat, Einwendungen gegen das Planfeststellungsverfahren " Ortsumfahrung Niederndorf-Neuses" zu erheben und Unterschriften für ein Bürgerbegehren sammelt, formiert sich auch der Protest in Niederndorf . Die Anwohner des Ortskerns sehen die jahrzehntelang erhoffte Verkehrsentlastung nun wieder in Gefahr und wenden sich deshalb mit ihren Stellungnahmen an die Presse. Es sind die Niederndorfer selber, die nun mitreden wollen, die den Verkehr jeden Tag sehen. Sie sind empört über den Vertreter des Bund Naturschutz, König, der meine aus Adelsdorf kommend, die Situation bewerten zu können.

Der Niederndorfer Gerhard Heger sagt: "Jeder, der sich eine Meinung über die Erweiterung der Verkehrsinfrastruktur in Niederndorf bilden und erlauben will, sollte wenigstens eine Stunde das Verkehrsaufkommen an der Hauptstraßenkreuzung und damit die Lebenssituation in Niederndorf beobachten." Im Niederndorfer Ortskern stehen immer mehr Häuser leer, während man an anderer Stelle durch Wohngebiete große Flächen

versiegelt. Heger: "Der Dorfkern stirbt und ist jetzt schon zur Autobahn geworden, auf der man sich als Fußgänger oder Radfahrer nicht mehr sicher und wohl fühlt. Auch für die Anwohner ist diese Situation höchst gesundheitsgefährdend." Herzogenaurach, mit seinen Weltfirmen, wachse ständig in alle Richtungen weiter. Nur die

Verkehrsinfrastruktur bezüglich Niederndorf hat den Stand wie vor 40

oder 50 Jahren. Der Niederndorfer moniert, dass selbst Einsatzkräfte der Feuerwehr und des Rettungsdienstes bei dem täglichen Stau Probleme haben zu ihren Einsatzstellen zu kommen.

Risiko: Schulweg

Das Ehepaar Anni und Karl Schaufler moniert: "Alleine in der Firma Schaeffler arbeiten täglich weit mehr als 10 000 Menschen im Dreischichtbetrieb. Zu den Schichtstoßzeiten kommt es regelmäßig vor, dass sich lange Autoschlangen bis zur Einfahrt nach Hauptendorf bilden." Sie beobachten dass die Arbeiter größtenteils mit eigenen Autos kommen. "Fahrgemeinschaften kann man leider eher selten beobachten." Weiterhin kreuzen Lastwagen, oft Sattelschlepper, im Minutentakt den kleinen Vorort auf dem Weg zur Autobahn oder in Richtung Fürth. "Jeder der die Kreuzung in Niederndorf kennt, weiß, dass über so einen winzigen Knotenpunkt ohne separaten Streifen für Linksabbieger kein Werksverkehr für eine Firma dieser Größe abgewickelt werden kann."

Anja Richardson schildert die Situation: "Nahezu jeden Morgen müssen wir von unseren Fenstern aus das Verkehrschaos beobachten und dann einschätzen, wo wir uns in der Schlange der Vacher Straße anstellen müssen und wie lange die Fahrt zum Kindergarten wohl dauern wird. Hier vor unserer Straße kreuzen sich die Fahrzeuge die aus der Richtung Vach kommen und 200 Meter weiter die Fahrzeuge , die aus Richtung Obermichelbach kommen - zu Fuß oder mit dem Rad und Kind im Anhänger ist am Morgen eine Tortur und uns schlicht weg zu gefährlich." Der Schulweg der eigenen Tochter, aber auch der weiteren Kinder, sei so unsicher, dass sie die ersten sechs Monate mit dem Taxi zur Schule gebracht worden sind. Ein weiterer Aspekt: "Sobald ein Unfall/Sperrung auf der nahe liegenden Autobahnen gemeldet ist, vermehrt sich das Verkehrsaufkommen vor unserer Tür um ein Vielfaches."

Natur verändert sich

Eine persönliche Zusicherung spricht

Manfred Gronbach an: "Bevor wir 1976 unser Grundstück an der Sonnenstraße gekauft haben, hatte uns der damalige Bürgermeister Hans Ort persönlich zugesichert, dass es in 2 bis 3 Jahren die Südumgehung geben wird. Damals gab es noch kein Wohngebiet Hasengarten und in Hauptendorf standen ungenutzte und verfallende Baracken unweit des damaligen Hauptendorfer Bahnhofes." Aus dem Versprechen wurde dann aber nichts. "Wir leben seit 45 Jahren mit dem oft unerträglichen Verkehrslärm der Niederndorfer Hauptstraße." Er stimmt zu, dass die Südumgehung ein Eingriff in die Natur sei. "Aber auch das gesamte Wohngebiet des Lohhofes war früher unberührte Natur, wo ich mit den Kindern Drachen steigen lassen und den Gesang und Flug der Lerchen beobachten konnte. Aber diese Wohnbebauung, wie auch alle anderen folgenden Wohngebiete sind ein Eingriff in die Natur, haben den Menschen aber Wohnraum geschaffen und der Stadt Herzogenaurach einen ungeahnten Aufschwung beschert, den keiner, auch die eingesessenen Bewohner nicht mehr missen wollen."

Burkhard Simon ist Anwohner der Peter Fleischmannstraße und vor 40 Jahren nach Niederndorf gezogen. Seit der Anbindung der Straße an die Nordumgehung und insbesondere durch die Bebauung des Herzo Base Areals mit Wohnungen und Firmen habe die Verkehrsdichte extrem zugenommen und aus einer kaum befahrenen Dorfstraße ist eine sehr stark befahrene Süd-Nord-Verbindungsstraße geworden.

Er sagt: "Eine nach neusten Stand der Technik und gesetzlichen Vorgaben ( Schallschutz , Ökologie, etc.) geplante, genehmigte und gebaute Südumgehung wird zu einer starken Entlastung der Anwohner bezüglich Luftverschmutzung, Lärm aber auch zur Verbesserung der Verkehrssicherheit in Niederndorf und zu einer gerechteren Verkehrslastenverteilung führen." mb/cp