Horst Widmann war Zeit seines Lebens mit „unermüdlichem Einsatz, großem Engagement und Leidenschaft“ für seinen Arbeitgeber aktiv. Das schreibt Puma jetzt zum Abschied eines Mitarbeiters , der die Geschichte von Puma stark geprägt habe. Und er kannte lange keinen Ruhestand: Selbst mit 77 Jahren war er noch Berater der Firma. Horst Widmann ist jetzt im Alter von 80 Jahren gestorben. „Wir werden ihn als großzügigen und hilfsbereiten Menschen in Erinnerung behalten“, schreibt Puma.

Widmann galt bei der Raubkatze in Herzogenaurach als „Mr Africa“. Dem Aufbau von Fußballschulen und der Ausrüstung afrikanischer Nationalmannschaften hatte sich Widmann über viele Jahre verschrieben. Im Ruhestand tat er das bis 2017 offiziell als „Counsel for Soccer “, er war also der Fußballberater der Raubkatze.

Sein Engagement auf dem afrikanischen Kontinent begann 1996. Damals unterzeichnete er einen Ausrüstervertrag mit der Nationalmannschaft von Kamerun. Das würdigt auch Puma in einer Pressemitteilung. „Viele weitere Fußballverbände konnten ebenfalls mithilfe von Widmann zu Puma geholt werden“, heißt es da.

Bewundernswertes Netzwerk

Daran erinnert sich auch Helmut Fischer , das Herzogenauracher Urgestein der Raubkatze. „Was ich am meisten an ihm bewundert habe, ist das riesige Netzwerk, das er hatte“, sagte Fischer am Montag im FT-Gespräch. Horst Widmann habe sie alle gekannt, die Entscheider, bei der Fifa , beim DFB und beim IOC . Es habe in der Sportartikelbranche keinen gegeben, der mehr kannte, sagt Fischer. Und fügt, mit einem kleinen Zögern hinzu: „Außer Horst Dassler vielleicht.“

Der Mitbewerber Adidas war Widmanns erste Station in der Branche. Seit 1972 war er bei den Drei Streifen und bis 1979 der persönliche und über all die Jahre hinweg einzige Assistent von Adidas-Gründer Adi Dassler. 1990 kam Widmann zu Puma. Von seinen Erfahrungen beim Konkurrenten habe die Raubkatze viel profitieren können, sagt Fischer.

Dazu gehört nicht nur die Betreuung verschiedener Fußballverbände, sondern auch die Akquisition neuer Partner. Und das geschah vor allem in Afrika. Im FT-Gespräch im Jahre 2012 wurde Widmann konkret und ging in Gedanken in das Jahr 1994 zurück. Bei der WM damals in den USA hatte Puma erstmals keine Mannschaft im Rennen hatte und die Raubkatze war mehr mit dem eigenen Überlebenskampf beschäftigt. „Da haben wir die Sportpromotion zur Chefsache gemacht“, sagte der damalige Vizepräsident des Unternehmens und meinte mit „Wir“ vor allem Firmenchef Jochen Zeitz . Der „schwarze Kontinent“ war zu dieser Zeit ein weißer Fleck auf der Fußball-Weltkarte und so war die Strategie klar: Da sollte man anpacken.

1996 nahm Puma mit Kamerun die erste afrikanische Mannschaft unter Vertrag. Viele weitere folgten. Auch heute noch sind mehrere Länder unter Vertrag, darunter auch Ägypten, Ghana und die Elfenbeinküste. „Bei der Unterstützung des afrikanischen Fußballs ging es nicht um den Profit“, sagt Helmut Fischer heute. Puma wollte sich positionieren, ein Image aufbauen. Das ist gelungen.

Das Hauptaugenmerk von „Mr Africa“ lag im Jugendbereich. Widmann baute eine ganze Reihe von Fußballschulen auf, von denen mehrere noch heute nach ihm benannt sind, weiß Fischer. Und auch Widmann sprach das 2012 an. Nach seinen Worten sind nicht allein der Vertrag und das Papier entscheidend. Denn: „Es ist immer das Vertrauensverhältnis zu den Partnern, die freundschaftliche Bindung“.

Dabei war nicht immer alles einfach. Widmann erinnert sich an das Problem mit dem einteiligen Trikot der Kameruner. Er habe damals vor den Präsidenten treten müssen, sagt er. „Ein schlimmer Augenblick“. Sechs Punkte wurden dem Nationalteam damals abgezogen – „eine Katastrophe“. Widmann sagte zu, die Sache wieder in Ordnung zu bringen und habe da zunächst Spott geerntet. „Wenn Sie das schaffen, kriegen Sie ein Denkmal . Wenn nicht, werfen wir Sie den Löwen vor“, habe ein Journalist öffentlich gesagt. Widmann brachte die sechs Punkte zurück.

Horst Widmann blickte auf eine etwa 50-jährige Karriere in der Sportartikelindustrie zurück. Für Puma war er „aufgrund seiner ausgezeichneten Geschäftsbeziehungen und seines großen Netzwerkes ein wichtiges Bindeglied zwischen dem Sportunternehmen und seinen Athleten und Verbänden“, lobt das Sportartikel-Unternehmen. Er war auch viele Jahre Präsident des europäischen Sportartikelherstellerverbandes (Fesi) und Vizepräsident des Weltverbandes der Sportartikelindustrie (Wesgi).