Lucas liebt die Bühne. Und er hat einen Traum: Er will ein großer Balletttänzer werden. Einer der ganz großen. Dafür brennt er seit Kindertagen. Seit er seine Mama beim Tanzen beobachtet hat.

"Ich bin auf einem guten Weg", sagt er selbstbewusst, "aber es ist noch viel Arbeit." Den Sprung auf die Bühne der Semperoper hat er im wahrsten Sinne des Wortes schon geschafft: Als "Nussknacker" ist er aus einem großen Paket gesprungen. So beeindruckend, dass der Kinderkanal KIKA sich meldete und eine Dokumentation über ihn drehte.

Der 17-Jährige verbringt die Herbstferien mal wieder daheim in Coburg. Seit dreieinhalb Jahren besucht er das Internat der renommierten Palucca-Schule in Dresden.

Nicht aufzuhalten

"Das war für uns keine leichte Entscheidung. Ich wollte Lucas gern noch länger bei mir haben", erinnert sich Manuela Mazzei. Selbst eine ehrgeizige Balletttänzerin und -lehrerin wusste sie jedoch, dass sich der Weg ihres Sohnes nicht aufhalten ließ. Zu groß ist sein Talent, zu leidenschaftlich sein Wille. Mittlerweile nennt sie das Internat die beste Medizin in der Pubertät. Und lacht dabei.

Die Coburger kennen den tanzenden, singenden und schauspielernden Wirbelwind vom Ballettstudio am Ketschentor, aus dem Musical "Big", von der Waldbühne in Heldritt und aus mehreren beeindruckenden Rollen am Landestheater.

Groß gewachsen ist er in den Jahren, hat seinem Talent noch die nötige Körperlichkeit geboten, um sich entfalten zu können. "Doch ohne seinen starken Willen wäre all das nicht viel wert", sagt seine Mutter, die ihn voller Stolz anlacht. Von nichts kommt nichts. Lucas trainiert, tanzt und lernt täglich von 8 bis 19 Uhr in der Hochschule. "Abends gehe ich dann oft noch allein oder mit einem Freund in den Ballettsaal, um Linien und Techniken auszufeilen. Das bringt mich schneller weiter." Lucas' Augen leuchten noch einen Grad heller als sowieso schon.

Auch in Dresden hat man längst erkannt, was in dem jungen Mann steckt. Schon vor zwei Jahren animierte ihn die Schulleitung, sich um ein Stipendium zu bewerben. Und tatsächlich hat er an der National Ballett School of Canada in Toronto einen vierwöchigen Kurs absolvieren dürfen.

In diesem Jahr hat ihn die Hochschule für ein Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes vorgeschlagen - und er hat es bekommen. Drei Tanzvideos hat er dafür gedreht, eine eigene Choreografie geschrieben und im Live-Zoom getanzt.

Mit Disziplin gegen Corona

"Wir sind so glücklich", sagt Manuela Mazzei. Bis zu seinem Bachelor of Art (Studiengang Tanz) in drei Jahren wird Lucas van Rensburg finanziell unterstützt. Für die Künstler-Familie van Rensburg bedeutet das eine große Erleichterung in Zeiten von Corona.

Macht Corona Lucas Angst? Bangt er um eine unbeschwerte Zukunft? "Nein", kommt es da ganz klar. Lucas lässt sich nicht aufhalten - und schon gar nicht von trüben Gedanken. Aber er weiß auch, dass er dafür etwas leisten muss. Und in Corona-Zeiten gehören für den 17-Jährigen die Maskenpflicht, das regelmäßige Händewaschen und die Abstandsregelungen dazu. Unbedingt.

Er sagt ganz klar: "Ich habe Angst, dass sich die Menschen nicht daran halten. Ich fände das respekt- und verantwortungslos all denen gegenüber, die hart an sich arbeiten." Er tut das seit mehr als zehn Jahren - und er will auf die Bühne. Geschlossene Häuser seien für jeden Künstler eine Katastrophe. Sicherlich seien Videoschaltungen möglich, "aber das Feeling und die Ausstrahlung fehlt dann. Nur die Bühne hat Flair und Aura."

Disziplin fordert der junge Mann von sich selbst - und anderen. Er nimmt seinen ganzen Mut zusammen, wenn ihn im Supermarkt an der Kasse ein Erwachsener zu sehr auf die Pelle rückt. "Bitte halten Sie doch den Abstand von einem Meter fünfzig ein", sagt er dann. "Vielleicht werden wir mit Pandemien für immer leben müssen. Aber es wird gehen", ist er überzeugt.