Was die Zeiler und ihre Nachbarn im 18. Jahrhundert angestellt haben... Das beschreibt ein neues Buch. Der Historische Verein Landkreis Haßberge präsentiert das Quellenbuch zur Hochgerichtsbarkeit am Mittwoch, 21. März, in Zeil. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr im Rudolf-Winkler-Haus. Der Eintritt ist frei.
Für den Historischen Verein gilt das Buch als Beitrag zur 1000-Jahr-Feier der Stadt. Es ist Band 18 in der Schriftenreihe des Vereins. Das Buch trägt den Titel "Zwischen Huldigung und Galgen - Auszüge aus den Bamberger Malefizakten des Oberamts Zeil 1700 bis 1803"; es befasst sich mit der Strafgerichtsbarkeit im Oberamt Zeil des 18. Jahrhunderts. Das Oberamt Zeil wurde durch Zusammenziehung der beiden bambergischen Ämter Ebersberg und Schmachtenberg gebildet. Daher erfährt man in dem Quellenband nicht nur etwas über die Strafprozesse in Zeil, sondern auch über Straftaten, die in den Orten Bischofsheim, Knetzgau, Sand, Steinbach, Schmachtenberg, Staffelbach, Zell und Ziegelanger im 18. Jahrhundert verhandelt wurden. Die erfassten Straftaten reichen vom einfachen Diebstahl bis zum heimtückischen Mord und sind im Buch nach Orten aufgelistet.
Der Autor Alois Umlauf, der sich seit vielen Jahren mit der archivalischen Erforschung und Aufarbeitung der Geschichte seiner Heimatstadt Zeil beschäftigt und unzählige Stunden im Staatsarchiv Bamberg verbracht hat, hat die Protokolle über die Hochgerichtsfälle des 18. Jahrhunderts im Oberamt Zeil gesichtet, transkribiert und in dem Quellenband zusammengefasst, der an diesem Abend erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wird. Das Buch umfasst mehr als 300 Hochgerichtsfälle, von denen der Autor einige darstellen will.
Neben Diebstahl und Körperverletzung kommen sehr häufig Fälle von "Unzucht" vor, sei es zwischen Verlobten, Verheirateten oder Ledigen, die damals vor dem Hochgericht verhandelt wurden. Nicht alle wurden so hart bestraft wie Katharina Welz im Jahr 1700 oder Andreas Krämer im Jahr 1714, die wegen Ehebruchs des Landes verwiesen wurden. Schwierig wurde es für Frauen immer, wenn sie schwanger wurden, wie die ledige Katharina Bähr im Jahr 1701, die das Pech hatte, dass sie der Vater des Kindes, ein Zeiler Bürger, nicht heiraten wollte. Pech hatte auch Eva Kißling, die sich mit dem Dienstknecht Johann Zacher aus Augsfeld eingelassen hatte und schwanger wurde. Der Dienstknecht floh, und die schwangere Eva Kißling suchte bei ihrer verwitweten Mutter Unterschlupf, die zu allem Übel auch noch "in schlechtem Vermögensstand" war.
Die Leser erfahren von dem Raubüberfall eines Bäckers aus Haßfurt, der 1738 Joseph Castner, Bürger und Amtsbote zu Haßfurt, attackiert, verwundet, und das "bey sich gehabte Fürstlich-Würtzburgischen Cammer gehörige Geld à 400 Reichstaler" geraubt hat.


Tödlich getroffen

Dass auch Beamte straffällig wurden, zeigen die Fälle des treulos entwichenen Steuereinnehmers Friedrich Philipp Josse im Jahr 1757 und die Urkundenfälschung mit anschließender Flucht des Zeiler Stadtschreibers Anton Ignaz Hubert im Jahr 1790. Andererseits konnte eine staatliche Stelle auch Gefahren für den Amtsinhaber mit sich bringen. Im Jahr 1701 wurde der Nachtwächter Georg Hauck in Schmachtenberg "von zwei Dieben, die alda eingebrochen, durch einen Schuß mit 9 Schröten tödlich verwundet". 1774 erwischte der Zeiler Revierjäger zwei Männer beim Wildern und wurde von diesen "sehr gefährlich misshandelt".
Bei der Präsentation am 21. März besteht die Möglichkeit, den 363-seitigen Quellenband für 30 Euro zu erwerben. Mitglieder des Historischen Vereins im Landkreis Haßberge erhalten den Quellenband zum ermäßigten Preis von 25 Euro. red