Sabine Memmel Oft ist es nur ein einziger Moment, der über Leben und Tod entscheidet. Wie schnell auf dem Motorrad etwas passieren kann, das geht auch Motorrad-Experte Alfons Wiemann ständig durch den Kopf. Das ändern 50 Jahre Fahrpraxis auf der Maschine nicht: "Ich mache mir immer wieder bewusst, dass es gefährlich ist. Und es gibt auch immer wieder Momente, wo ich erst einmal stehen bleiben und durchschnaufen muss."

Schöne Haarnadelkurven und lange gerade Strecken - der 67-Jährige aus Serlbach weiß, warum so viele Motorradfahrer so gerne auf den Straßen der Fränkischen Schweiz unterwegs sind. Er selbst ist mehrfacher deutscher und bayerischer Meister im Motocross. 30 Jahre lang fuhr er jedes Jahr bis zu 30 Rennen überall in Deutschland und auch in Europa. In der Heimat fährt er am liebsten abseits, kleine Schleichwege, wo wenig los ist. Unfälle von anderen hat er mitbekommen. Auch solche, die tödlich ausgegangen sind. Wiemann hatte in all den Jahren Glück. Mehr als ein Schlüsselbeinbruch oder ein Bänderriss war es nie. "Man muss seine eigenen Grenzen kennen. Nicht mit der Brechstange fahren oder sich von einem schnelleren Kumpel verleiten lassen." Er appelliert deshalb, vernünftig zu fahren: "Jeder muss wissen, was er kann.Immer auf Sicht fahren, gerade jetzt im Sommer, wo die Gräser hoch sind."

Unfall bleibt unvergessen

Wie nah Glück und Pech beieinander liegen, hat auch Georg Götz oft erlebt. Der stellvertretende Leiter der Polizei in Ebermannstadt hat viele solcher Unfälle gesehen, aufgenommen und dokumentiert. Wieviele kann er nicht mehr zählen.

Er selbst fährt seit 37 Jahren Motorrad. Unfälle hatte er auch. Drei Stück. Sie gingen jedes Mal glimpflich aus. "Sie passierten bei geringer Geschwindigkeit. Ich hatte nicht mehr als ein paar Schürfwunden und Prellungen. Aber es hätte auch anders laufen können", erinnert sich Götz.

Als Polizist musste er oft miterleben, wenn andere Motorradfahrer kein Glück hatten. Wenn ein Unfall tödlich endete. Oder wenn der Fahrer so schwer verletzt war, dass er für immer mit schweren bleibenden Schäden weiterleben muss. "Das geht mir schon ein, zwei Tage nach. Es ist nicht nur für den Motorradfahrer selbst schlimm. Auch seine Familie muss es verkraften."

Vor allem ein Todesfall bleibt Götz bis heute unvergessen. Es war der Pfingstmontag 2005. Ein sonniger Tag, viel Verkehr, als zwischen Leutenbach und Hundsboden ein junger Motorradfahrer, Mitte 20, ums Leben kam. Genickbruch. Mit seinem Polizeimotorrad war Götz schnell an der Unfallstelle. Er war dabei, als die Ärzte des Rettungshubschraubers um sein Überleben kämpften. Vergeblich. Die Eltern des Verstorbenen, die sich gerade im Urlaub in Südtirol befanden, informierte Götz persönlich. "Es hat mich emotional sehr berührt."

Die Statistik (siehe Grafik) zeigt eindeutig: Kaum ein Motorradunfall endet ohne Verletzungen. Doch so sehr Götz viele Unfälle mitnehmen, selbst aufhören mit dem Motorradfahren will er nicht. "Dazu macht es zu sehr Spaß." Die Vorsicht fährt bei ihm aber immer mit. "Man muss jeder Strecke dieselbe Aufmerksamkeit schenken." Auch Götz' Sohn fährt Motorrad. Ob die Arbeit als Polizist ihn ängstlicher gemacht hat? "Ich bin jedesmal froh, wenn ich das Motorradgeräusch seiner Maschine in unserer Garage höre."