Martina Ruppert leitet seit drei Jahren das Historische Museum der Stadt Bayreuth. Bei den Exponaten bedient sie sich aus Archiven und Sammlungen verschiedener Orte. Dabei hat sie ähnliche Probleme zu lösen, die auch im Heimatmuseum Stadtsteinach drücken. Es gibt hier zu wenig Platz, um ein momentanes Sammelsurium ohne Konzept klar zu strukturieren.

Was soll überhaupt präsentiert werden? Wer soll was machen? Was darf dafür ausgegeben werden? Wie kann man aus Wildwuchs einen Garten machen? Antworten auf all diese Fragen erhofften sich die Mitglieder der Bunten Liste Stadtsteinach, die Martina Ruppert zu einem Besuch eingeladen hatten. Anton Nagel war von früher Jugend an an der Geschichte der Stadt Stadtsteinach interessiert und hat alles zusammengetragen, dessen er habhaft werden konnte - ab 1979 im Schuppen der alten Fahrrad-Werkstatt Klöthe, vier Jahre später im Alten Schulhaus beim Anwesen Knoll, seit 1989 im ehemaligen Sammethaus, das seither der Stadt gehört.

Nagel starb 1999. Als "Sammlung Nagel" sieht auch Martina Ruppert, wie sich das Heimatmuseum derzeit präsentiert; nicht als Museum, sondern eher als "historischen Wühltisch". Alles interessante Sachen, die in der Fülle und Anordnung Besucher aber eher verwirren, überfordern und ermüden. Die Aufmerksamkeitsspanne der Menschen heute sei immer beschränkter. Sie liefen dann weiter, guckten hier und dort und meinten, alles gesehen zu haben.

Vollgestopfter Raum

Und Ruppert wurde sehr deutlich: "Alte Fotos im Original ungeschützt vor Tageslicht zu präsentieren, geht überhaupt nicht. Die vergilben und verblassen und gehen ein für alle Mal verloren. Hier sollte man die jetzigen digitalen Methoden nutzen, sie reproduzieren und die Originale in dunklen Schubladen archivieren." Überhaupt sollte man sich erst im Klaren werden, was man zeigen will.

Die Bezeichnung Heimat-museum sage an sich nichts Konkretes aus, so die Expertin. Wolle man die Historie oder Errungenschaften der Stadt präsentieren, dann hätten zum Beispiel Mammutknochen von irgendwoher hier nichts verloren, auch wenn sie etwas Besonderes seien. Die handwerklichen Instrumente im Hochparterre seien ein Kleinod, in der Fülle und wie zusammengewürfelt aber verwirrend: eine komplette Schusterwerkstatt mit einem riesigen Blasebalg, Utensilien aus dem Gerberhandwerk und ein fußbetriebener Zahnbohrer eines Baders in einem vollgestopften Raum.

Dass in Stadtsteinach einmal Radios gebaut wurden, erschließe sich nicht, wenn man an einem Kastenradio vorbei kommt und im zweiten Stock noch weiteren Radios begegne, die irgendwo abgestellt seien - neben einer geleerten Sektflasche der Marke "Alt-Stanich", meinte Ruppert.

Klare Zuordnung nötig

Generell bräuchte das Stadtsteinacher Heimatmuseum zunächst eine Definition, die angesammelten Gegenstände müssten klar zugeordnet werden. Wichtig sei bei der Auswahl der Gegenstände allerdings die Relation zur ausgewählten Thematik, nicht die Masse - und auch der sachgerechte Umgang mit historisch unwiederbringlichen Dingen. Unterstützung bekomme man von den zuständigen Stellen in der Landesregierung, Hilfen möglicherweise aus Universitäten, zum Beispiel durch Praktika von Studenten, "die bestimmt ziemlich flott bei einer Inventarisierung wären". Die sei nötig, um einen Überblick zu bekommen, was eigentlich alles zum Haus gehöre.