Alexandra Kemnitzer Auch in Corona-Zeiten funktioniert im Sonnefelder Ortsteil die Dorfgemeinschaft. Das zeigte sich am Samstagabend, als sich zahlreiche Einwohner an einer gemeinsamen Grillaktion beteiligt hatten. Sie sorgten dafür, dass in vielen Ecken des Sonnefelder Ortsteils zeitgleich Rauch in den Himmel aufstieg und der Duft von frisch Gegrilltem die Luft schwängerte. Aus den Gärten waren freudige Stimmen zu vernehmen, die den Schluss zuließen, dass es viele nach draußen gezogen hatte, um nach wochenlanger Einschränkung die sozialen Kontakte nach den gebotenen Vorgaben aufleben zu lassen. Ausschreitungen oder Missachtungen gab es nicht.

Getrennt, aber zusammen

Weil die Corona-Pandemie den Alltag gewaltig eingeschränkt hatte und aufgrund der vielen abgesagten Veranstaltungen und Aktivitäten auch das Miteinander im Ort regelrecht erlahmt ist, kam Vorsitzender der Dorfgemeinschaft, Ulrich Rampel, auf die Idee ein gemeinsames Grillfest zu veranstalten. Sein Vorschlag fand auch die Zustimmung bei den anderen Mitgliedern der Dorfgemeinschaft und wurde entsprechend "abgesegnet". Alle Einwohner waren dazu aufgerufen, sich unter dem Motto "Hassenberg grillt" am flächendeckenden Grillen zu beteiligen. Um nicht gegen die geltenden Vorschriften zu verstoßen, blieben dafür die Hassenberger auf ihrem eigenen Grundstück. Zugute kam der Veranstaltung, dass kurz vor dem Wochenende die Beschränkungen weiter gelockert wurden.

"Mich reizt es, nach Wegen für etwas zu suchen, was eigentlich nicht geht", verrät Ulrich Rampel. Weil er erst Ruhe gibt, wenn selbst die verrückteste Idee umgesetzt ist, stand Rampels Familie bei der Umsetzung hinter ihm. Während Schwiegersohn Kevin am Samstag beim Grillen von Würstchen, Steaks, Spießen und Bauchscheiben mithalf, kümmerten sich Ehefrau Anneliese und Tochter Simone um die Beilagen. Außerdem unterstützten sie ihren Ulrich auch bei den Planungen und Vorarbeiten. So machte Simone kräftig Werbung in den sozialen Netzwerken. Anneliese unterstützte indes mit den beiden Enkelinnen Lilith und Leonor Stefan Zimmermann von der Dorfgemeinschaft beim Verteilen der Flyer. Die Mühen hatten sich am Ende gelohnt.

Willkommene Abwechslung

"Uns erreichten schon vor dem Start viele Fotos von aufgestellten Grills und den Vorbereitungen", erzählt Simone. Hinzu kamen viele positive Rückmeldungen und Zusagen, sich an der schönen Gemeinschaftsidee beteiligen zu wollen. Während des Flyer-Verteilens bekamen die beiden Mädchen auch mal Schokolade zugesteckt, was Simone ebenfalls als Indiz dafür wertet, dass die Grillaktion für viele eine willkommene Abwechslung ist.

Beteiligt hatte sich auch Kreisbrandmeister Jochen Mann und meinte: "Ulrich hat uns alle aufgerufen mitzumachen, damit der Alltag wieder normaler wird. Deshalb haben wir mitgemacht." Auch er ist der Meinung, dass trotz des ruhenden Vereinslebens die Dorfgemeinschaft funktioniert. Sicherlich hatten die vergangenen Wochen für den Kreisbrandmeister, wie für manch andere auch etwas Positives. Denn während der Ausgangsbeschränkungen musste er nicht von einem Termin zum nächsten hetzen. Unterm Strich allerdings vermisst auch Jochen Mann das Vereinsleben und die Kameradschaft. Erfreulich war für Ulrich Rampel, dass sich die Hassenberger diszipliniert verhalten haben und durch das Verantwortungsbewusstsein eine schöne Idee für alle möglich wurde.

Auch wenn heuer viele Veranstaltungen ersatzlos ausfallen mussten, plant die Dorfgemeinschaft, ein Fest aufs nächste Jahr zu verschieben. Dieses hängt mit dem Storchenpaar zusammen, das sich im vergangenen Jahr in Hassenberg niedergelassen hat.

Nachdem die Weißstörche vor einigen Wochen aus ihrem Winterquartier zurückgekehrt sind, ließen auch die Bruttätigkeiten nicht lange auf sich warten. Von seinem Grundstück aus hat Ulrich Rampel direkten Blick auf das Hassenberger Schloss. Dort wurde die Nisthilfe von Tobias Merz und Oswald Völler vor einigen Jahren errichtet. Als Vorsitzender des örtlichen Geflügelzuchtvereins kennt sich Rampel mit dem Brutverhalten der gefiederten Freunde aus und hofft nun wie viele andere Hassenberger darauf, dass in der letzten Maiwoche die ersten Jungstörche ihre Köpfchen aus dem Nest stecken werden. Wenn das der Fall ist, stehen die Chancen nicht schlecht, dass die Dorfgemeinschaft das erste Storchenfest von 2020 auf 2021 verschiebt.