Mit einem zweitägigen Kongress in der Stadthalle Haßfurt hat familylab Deutschland das 20-jährige Bestehen gefeiert. Das geht aus einer aktuellen Pressemitteilung hervor. Unter dem Motto „Beziehungen gestalten. Gleichwürdigkeit leben.“ kamen rund 250 Eltern, Fachkräfte, Pädagoginnen und Pädagogen sowie Interessierte zusammen, um sich zu Themen wie Elternschaft, Bildung und Beziehungskultur auszutauschen. Erstmals stand der Kongress nicht nur Mitgliedern des Netzwerks offen, sondern auch der interessierten Öffentlichkeit. Damit wollte familylab die Inhalte bewusst über die eigene Community hinaus öffnen.

„Wir freuen uns besonders, dass so viele Eltern und Pädagoginnen den Weg zu uns gefunden haben“, sagte Heidy de Blum, Leiterin von familylab Deutschland. „Viele Familien und Fachkräfte erleben derzeit große Unsicherheit. Umso wichtiger sind Orte, an denen offen über Erziehung, Überforderung und Beziehung gesprochen werden kann.“

Im Mittelpunkt des Kongresses standen Fragen, die weit über den Familienalltag hinausreichen: Wie entstehen tragfähige Beziehungen? Welche Erfahrungen prägen das Verständnis von Autorität, Verantwortung und Gleichwürdigkeit? Und welche Rolle spielt Erziehung für das gesellschaftliche Zusammenleben?

Der Kinderarzt und Wissenschaftler Herbert Renz-Polster beleuchtete in seinem Vortrag „Erziehung prägt Gesinnung“ die Verbindung zwischen frühen Beziehungserfahrungen und politischer Haltung. Journalistin und Autorin Nora Imlau sprach über Neurodivergenz und darüber, wie Familien und Fachkräfte Kinder mit unterschiedlichen neurologischen Voraussetzungen besser begleiten können.

Auch der Dokumentarfilm „Good Enough Parents – Liebe, Wut und Geschwisterbande“ von Filmemacher und Vater Domenik Schuster wurde im Rahmen des Kongresses gezeigt und bot Raum für Austausch über Konflikte, Nähe und Überforderung im Familienalltag.

Der Kongress verstand sich dabei nicht als Ort einfacher Lösungen. Vielmehr knüpfte er an die Haltung an, für die familylab stehe: weg von starren Erziehungskonzepten, hin zu einer Beziehungskultur, die Verantwortung, Authentizität, Integrität und Gleichwürdigkeit in den Mittelpunkt stelle. „Wir wollen keinen zusätzlichen Druck erzeugen“, betonte Heidy de Blum. „Es geht nicht um perfekte Eltern oder perfekte Kinder. Es geht darum, in Beziehung zu bleiben, auch und gerade wenn es schwierig wird.“

Familylab basiert auf den Werten des dänischen Familientherapeuten Jesper Juul. Dessen Verständnis von Familie als „Labor“ prägt das Netzwerk bis heute: als Einladung, Beziehung immer wieder neu zu gestalten und Verantwortung im Miteinander zu entwickeln. red