„179 Brösel ins rechte Licht gerückt“ hieß es in der Ankündigung zum Vortrag der Schloßberggemeinde Königsberg in Zusammenarbeit mit dem Historischen Verein im Landkreis Haßberge zu einem Vortrag in der Herrenschenke in Königsberg. Manche Leser dieser Ankündigung konnten sich darunter nichts vorstellen, gingen aber aus Neugierde zu diesem Vortrag . Zumal es in der weiteren Information hieß, dass der Archäologe , Kunsthistoriker und Ofenkachelexperte Harald Rosmanitz Ergebnisse seiner Forschungen sowie viele spannende Erkenntnisse in einem anschaulichen Vortrag präsentieren wird. Dass es einen „Ofenkachelexperten“ gibt, das war für die meisten der Besucher neu. Auch das, was dieser Experte dann vortrug und veranschaulichte, war vielen bisher total unbekannt, äußerst interessant und zeugte von einer langjährigen und ausgeprägten Beschäftigung mit der Materie, in diesem Fall mit den zahlreichen Ofenkachelfragmenten, die Rosmanitz 2025 bei einem Besuch des Schloßberges in Königsberg unter die Lupe genommen hat.

Ofenkachelfragmente wirken auf den ersten Blick wie unscheinbare Scherben, sind aber archäologisch kleine Schatztruhen. Sie erzählen erstaunlich viel über Alltag, Aussehen, Technik und Kunst vergangener Jahrhunderte und können etwas über Wohnkultur und Lebensstandard in der Vergangenheit aussagen. Kachelöfen waren seinerzeit teuer, und meistens war nur einer im Gebäude im ersten Stockwerk aufgebaut. Wo man Kacheln findet, gab es meist wohlhabendere Haushalte oder repräsentative Gebäude. Dr. Harald Rosmanitz ist Archäologe , Historiker und Museums- bzw. Kulturvermittler sowie Spezialist für mittelalterliche und frühneuzeitliche Ofenkacheln.

Die Kacheln, die auf dem Schloßberg seit ca. 1980 gesammelt wurden, stammen zum größten Teil vom Teilabriss der Nordmauer. Rosmanitz beschäftigt sich seit über 30 Jahren mit historischen Ofenkacheln. Im Rahmen dieser Forschungen ist er auch auf die Funde der Schloßberggemeinde aufmerksam geworden. Zigtausende Ofenkachelfragmente hat er in den vergangenen Jahrzehnten gefunden, diese gesichtet, fotografiert, beschrieben und in einer Datenbank erfasst. Wie alt sind die Scherben? Wie könnten die Kachelöfen ausgesehen haben? Und was hat der Schloßberg zum Beispiel mit Nürnberg gemeinsam? Diese und viele weitere spannende Erkenntnisse präsentierte er in seinem anschaulichen Vortrag .

Über Luxus und Geschmack

So zeigte er anhand von Ofenkachelfragmenten auf, dass sich der Wohlstand der Bewohner der Burg Königsberg nicht nur am Bauwerk selbst offenbarte. Auch die eigenen vier Wände wurden mit allerlei Luxus ausgestattet und verraten einen hohen Wohlstand, den Geschmack und die Wohnkultur der seinerzeitigen Bewohner. Aber der Zahn der Zeit und wechselnder Modegeschmack sowie Umbauten haben alles aus jenen Epochen unwiederbringlich zerstört. Kleine, oft nur wenige Zentimeter große Reste von Ofenkacheln, die er den Besuchern des Vortrages in vielen Bildern präsentierte, geben jedoch eine ziemlich genaue Vorstellung davon. Das Leben spielte sich einst rund um den Kachelofen ab, der in der Regel der Mittelpunkt der Wohnanlage war. Zusammenfassend wurde offenkundig, dass die Ofenkachelfragmente der Königsberger Burg ein beachtenswertes Ensemble bilden. Laut Rosmanitz sind sie ein Schlüssel zur Rekonstruktion des mittelalterlichen Lebensstandards und zeigen ein Bild auf, das ohne diese Funde verloren wäre. Ein sehr interessanter Vortrag über die 179 „Brösel“, die auf der Burg in Königsberg gefunden und archiviert wurden.