Mithilfe von Zuschüssen aus der Förderoffensive Nordostbayern möchte Ludwigsstadt die städtischen Gebäude am Anger in Lauenstein aufwerten. Rund 1,6 Millionen Euro hat die Regierung für den Umbau des Gebäudekomplexes - bestehend aus ehemaligem Rathaus und der zuletzt als Kindergarten genutzten "Alten Schule" - zum "Kultur- und Vereinshaus" bereitgestellt. Das Architekturbüro [lu:p] Grub am Forst hat für die Umgestaltung der Objekte Am Anger 8 und 9 einen ersten Planungsentwurf erarbeitet. Aufgrund der räumlichen Nähe und Bedeutung für die städtebauliche Wirkung wurde in die Betrachtung auch der Anbau an das Feuerwehrhaus mit einbezogen.

In der "Alten Schule" sollen zwei Räume mit etwa 60 Quadratmetern für Vereinsnutzungen entstehen. Der Bedarf war bei einer Umfrage bei den Vereinen ermittelt worden. Dafür wird der Gebäudeteil aus den 1960er Jahren abgerissen und der ältere Gebäudeteil ergänzt. Das ehemalige Rathaus wird saniert und für Wohnzwecke optimiert. Auch der Vorplatz wird in die Gestaltung mit einbezogen.

Von der Verwaltung wurden bereits Anmerkungen und Änderungswünsche textlich in den Plänen eingetragen. Auch der Ausschuss hatte weitere Verbesserungsvorschläge. Kritisch gesehen werden unter anderem die tiefer gesetzte Feuerwehr-Garage, das geplante Flachdach, die Position der Parkplätze sowie der freitragende Balkon. Für einen Anbau an ein Bestandsgebäude sollte man da - so Maximilian Heyder (CSU) - lieber Stützen verwenden. Michael Löffler (SPD) erachtete die "Riesenterrasse" - gleichsam wie ein Penthouse mit Dachterrasse - als überdimensioniert. Christian Heyder (CSU) erkundigte sich hinsichtlich der Förderverfahren. Hier gibt es - so der Bürgermeister - zwei getrennte Verfahren für das Feuerwehrhaus sowie Kultur- und Vereinshaus.

Eine gesonderte Abstimmung mit den Nutzern erfolgt am 23. Juli. Die überarbeitete Entwurfsplanung wird der Architekt Renee Lorenz in der Stadtrat-Sitzung am 30. Juli vorstellen. Es liegt noch keine Kostenschätzung vor.

Ehrhardt dankte dem Freistaat bzw. der Regierung für die Aufnahme in die Förderoffensive. Damit könne das historisch wertvolle Gebäude erhalten werden. "Das werden ansprechende Mietwohnungen, für die wir sicherlich potenzielle Mieter finden", freute er sich. Der Zuwendungsantrag muss spätestens Mitte September 2020 eingereicht werden.

Hochwertige Ausstattung

Der Bausschuss der Stadt Ludwigsstadt beriet in der jüngsten Sitzung auch über die Materialauswahl für das Dorfgemeinschaftshaus Lauenhain. Die Planungen wurden durch das Architekturbüro Müller Architekten vorangebracht. Um die Gestaltungs-Planung zu vervollständigen und das Leistungsverzeichnis zu erstellen, musste eine Materialauswahl getroffen werden. Julian Schmidt vom Architekturbüro stellte die verschiedenen Materialien, Farbgebung, Putzstruktur, Fenster und Türen, Dacheindeckung sowie verschiedene Accessoires und deren Funktion vor. Die Pläne weichen teilweise von den Entwürfen ab - insbesondere auch, da das Amt für ländliche Entwicklung (ALE), das die Maßnahme als einfache Dorferneuerung begleitet, großen Wert auf eine hochwertige Ausführung legt. So werden beispielsweise Holz-Aluminium-Fenster anstelle von Kunststofffenstern eingebaut sowie im Gemeinschaftsraum ein strapazierfähiger Vinylboden verlegt anstelle von Fliesen. Es wird eine ganzflächige Fußbodenheizung geben. Die Putz-Hausfassade erhält Schiebeläden in Holz.

Entstehen wird ein Gemeinschaftsraum, eine Küche mit Lager, ein Technikraum, ein Sanitärbereich sowie ein Stuhllager und Windfang. Der Gemeinschaftsraum wird das volle Volumen des Baukörpers einnehmen und erstreckt sich bis an die Akustik-Loch-Decke.

Die Farbgebung im Innenbereich soll mit feinen Strukturen - in Naturfarben wie Sand oder Grau - schlicht und neutral gehalten werden. Die Innenwände sollen einen weißen Verputz erhalten; auch der Sanitärbereich, einschließlich Fliesen, in Weiß gestaltet werden. Die Beleuchtung im Gemeinschaftsraum erfolgt über ein Schienensystem mit LED-Technik.

Regionaltypisches Material

Verwendung finden sollen regionaltypische Materialien - beispielsweise auch Schiefer für das Dach. Hier soll aber keine deutsche/altdeutsche Schieferdeckung erfolgen, sondern eine modernere Rechteck-Deckung, um sich von den Nachbargebäuden abzuheben. Das Gebäude erhält einen barrierefreien Zugang und einen überdachten windgeschützten Vorplatz.

An der Sitzung nahmen auch Corinna Grüdl und Robert Grüdl von der Projektgruppe teil, denen die Planungen zusagten. Skeptisch zeigten sie sich hinsichtlich der vielleicht zu steril wirkenden Farbgebung. Hier regte Corinna Grüdl eine etwas farbigere Gestaltung und auch eine Holzoptik für die Gruppenraum-Decke an. "Weiß ist nicht gleich Weiß", entgegnete Schmidt, dass es Varianten gebe. Mit Farbe sollte man vorsichtig sein; man könne über Möbel für Atmosphäre sorgen. Eine Holzdecke würde den Raum optisch drücken. Details könne man aber noch weiter diskutieren.

Robert Grüdl gab die Anregung von Bürgern weiter, für ein einheitliches Erscheinungsbild doch auf eine deutsche Schieferdeckung zurückzugreifen. Maximilian Heyder (CSU) konnte sich mit den Dach-Lüftungsschlitzen nicht anfreunden; wirkten diese doch wie in einem Industriegebiet. Auch hier könne man, so der Planer, noch eine andere Lösung finden. Eine Belüftung müsse jedoch erfolgen.

Der vorgestellten Materialauswahl wurde einstimmig zugestimmt. Das Bauvorhaben soll in der Kalenderwoche 30/31 ausgeschrieben werden; die Vergabe in der Bau- und Hauptausschuss-Sitzung am 1. September 2020 erfolgen. Man rechnet mit einer Bauzeit bis Juli 2021.