Wer nach der langen Winterpause sein Motorrad erstmals wieder aus der Garage holt, um zu einer Tour zu starten, sollte sein Zweirad zunächst einem gründlichen Check unterziehen. 53 Biker haben jetzt das kostenlose Angebot von Gebietsverkehrswacht, TÜV, AMSC und Polizei Hammelburg genutzt und ihr Zweirad von Experten auf Herz und Nieren überprüfen lassen. Festgestellt worden sind dabei wiederum teils eklatante Mängel.
Auf dem Gelände der TÜV-Prüfstelle Hammelburg in der Dr.-Georg-Schäfer-Straße waren zeitweise bis zu 30 Motorradfahrer mit ihren Bikes präsent. Der TÜV hatte eigens für die Aktion fünf Prüf-Ingenieure nach Hammelburg beordert. Alle miteinander hatten sie gut zu tun an dem Nachmittag. Und die Experten wurden erwartungsgemäß fündig. Erwartungsgemäß deshalb, weil schon bei den drei zurückliegenden Aktionen zahlreiche Mängel festgestellt worden waren.
Kopfschütteln gibt es bei den Prüf-Ingenieuren immer dann, wenn Motorräder mit schwerwiegenden Mängeln auf den Hof rollen. "Wer auch nur ein bisschen was auf seine eigene Sicherheit hält, dem muss auffallen, wenn sich an einem Reifen die Profildecke zu lösen beginnt", stellt Herbert Baus erschrocken fest. Baus hatte für die organisierende Verkehrswacht Hammelburg die Absprachen und Vorbereitungen mit der TÜV-Prüfstelle getroffen.
Doch noch lange nicht genug der gravierenden Mängel, die bei dem Technik-Check zutage getreten sind. An einem Bike waren die Klemmschrauben für die Achswelle des Vorderrades nicht fest verschraubt. An gleich zwei Maschinen ließen sich die Hebel der Vorderradbremse bis zum Gasgriff durchdrücken. "Keine Chance, eine vernünftige Gefahrenbremsung durchzuführen", urteilt Prüfer Steffen Wirth.


Marode Bremsanlagen

Überhaupt erwiesen sich dieses Mal die Bremsanlagen einiger Motorräder als nicht ausreichend funktionierend. Das stellte auch TÜV-Prüfer Gerold Zeier im Rahmen des Aktionstages fest. "Ungenügende Bremsleistung", lautete sein Urteil nach erfolgtem Bremstest im Fahrversuch. Und wenn dann noch ein Motorradfahrer mit ölverschmierter Bremsscheibe an seiner Maschine auf den Hof der Prüfstelle fährt, schlagen die Ingenieure die Hände über dem Kopf zusammen.
Dass die Reifendrücke teilweise nicht stimmen, Biker mit zu niedrigem Luftdruck fahren, macht sich bei langsamer Fahrt kaum bemerkbar. "Kommt es aber zu einer Gefahrensituation mit Vollbremsung oder Ausweichen, fehlt dem Reifen die Stabilität für ein solches Fahrmanöver", weist Alexander Ullrich auf die Gefährlichkeit zu niedrigen Reifendrucks unmissverständlich hin. Unverständnis ernten die Prüfer oft, wenn alleine wegen des Fehlens des Rückstrahlers keine Prüfplakette erteilt wird. "Das ist ein schwerwiegender Mangel", stellt Alexander Rohner klar. "Den wenigsten Motorradfahrern ist geläufig, dass der Rückstrahler ihre eigene Lebensversicherung ist, wenn nachts die hintere Beleuchtungseinrichtung ausfällt. Sie werden in der Dunkelheit vom nachfolgenden Verkehr nicht erkannt."
"Uns ist auch dieses Mal wieder aufgefallen, dass die Hauptscheinwerfer meist falsch eingestellt sind." Nach den Worten von Herbert Baus liegt die Quote der zu tief oder zu hoch eingestellten Scheinwerfer bei unglaublichen 90 Prozent. Defekte Bremslichter, zu geringe Profiltiefe an den Reifen, unerlaubt montierte Reifen, beschädigte Lenkkopflager, Mängel an den Seitenständern finden sich ebenfalls im Abschlussbericht dieses Aktionstages.


Großes Interesse am Check

Allerdings gab es nicht nur negative Feststellungen. "Viele der vorgestellten Motorräder befinden sich in einem ausgezeichneten Zustand", freuen sich die Prüf-Ingenieure. Außerdem fanden die Experten es gut, dass so viele Motorradfahrer von dem Angebot Gebrauch gemacht haben. Die Verkehrswacht-Helfer kümmerten sich um das leibliche Wohl der Biker, die auch die Gelegenheit nutzten, mit ihresgleichen ins Gespräch zu kommen. Polizeioberkommissar Ralf Peter hatte für die Biker noch den einen oder anderen Tipp parat. Der Leitungs-Anhänger des AMSC erwies sich einmal mehr als optimal. AMSC-Vorsitzender Ralf Deinlein und Ehrenvorsitzender Johannes Deinlein waren ebenfalls präsent.
Zusammenfassend stellt Verkehrswacht-Vorsitzender und Initiator Karlheinz Franz fest: "Wie leichtfertig mancher Motorradfahrer mit sich und seiner Maschine umgeht, ist hanebüchen. Jedem Biker muss doch bewusst sein, wie gefährlich ein gravierender Defekt an seinem Motorrad sein kann." Franz kündigt an: "In Anbetracht der vielen festgestellten Mängel wird die Gebietsverkehrswacht Hammelburg auch in Zukunft den Motorrad-Aktionstag durchführen. Wir möchten, dass alle Biker sicher in die Saison starten." Franz weiter: Mit dem TÜV, dem AMSC und der Polizeiinspektion Hammelburg hat die Verkehrswacht verlässliche Partner bei der Durchführung des Aktionstages. Vielen Dank für die Unterstützung!" zz