Der Einmarsch der US-Truppen in die Kreisstadt Höchstadt am 14. April 1945 fand nicht ohne die Abwehraktivitäten des Volkssturms und Reichsarbeitsdienstes statt. An vielen Zugängen der Altstadt waren Panzersperren aufgebaut worden. Weiterhin gab es Sprengfallen.

"Meine Mutter, der Vater war im Krieg, hat am Treibweg für die drei Kinder und sich ein großes Erdloch zum Verstecken gegraben", um nicht in militärische Auseinandersetzungen verwickelt zu werden, so die Zeitzeugin Margot Grau.

Auch die Aischbrücke sollte gesprengt werden. Kreisfischmeister Konrad Böckl musste mithelfen, die Sprengung vorzubereiten. Durch Abknicken der meisten Zündschnüre konnte er verhindern, dass die Wirkung zu groß wurde. Damit rettete er später die historische Brücke vor dem Einsturz. Seinem mutigen Einsatz wird aufgrund einer Initiative des früheren Leiters des Heimatmuseums, Sebastian Schmidt, am Brückenzugang mit einer Gedenktafel gedacht. Im Ernstfall hätte Böckl mit der Erschießung wegen Wehrkraftzersetzung rechnen müssen.

Aufgrund der vielen Luftbilder, die bei der Suche nach Flugabwehrkanonen (Flak) bei der Bombardierung Nürnbergs von den Alliierten auch von Höchstadt gemacht wurden, hatten die US-Truppen einen ausgezeichneten Überblick über das Gelände und die Stadt. Da ihnen offenbar kein Höchstadter mit weißer Fahne entgegen kam - lediglich eine weiße Fahne hing, von dem Knecht Josef angebracht, am Gasthaus Grau - begann der Beschuss der Stadt.

Der Nordteil des Kirchturms von St. Georg wurde weggeschossen, in der Steinwegstraße begannen Scheunen zu brennen.

Alois Schell, damals Soldat der deutschen Wehrmacht, half beim Löschen. Ursprünglich war er Mitglied einer Infanterieeinheit bei Prag. Als 1944 ein Melder, Kurier mit dem Ziel Schweinfurt gesucht wurde, meldete er sich, da er die Stadt von seiner Tätigkeit als ehrenamtlicher Höchstadter Feuerwehrler kannte. Via Eisenbahn, unterbrochen durch Tieffliegerangriffe, kam er über Eger und Nürnberg bis Forchheim. Dort erfuhr er, dass die US-Truppen das kriegswichtige Schweinfurt schon besetzt hatten.

Anstatt nach Prag zurückzufahren, nutzte er die Chance, von einem befreundeten Eisenbahner im Zug versteckt, in seine Heimatstadt zu fahren. Dort wurde er dem Volkssturm zugewiesen. Die Kommandantur war im heutigen Rathaus. Nach dem Ende der Löscharbeiten befand sich schon der erste US-Panzer am Eingang der Hauptstraße. Ein US-Soldat machte ihm, noch in Uniform, klar, dass er sofort verschwinden soll. Er flüchtete ins Haus der Familie Köberlein. Der französische Zwangsarbeiter Raul informierte dann die Eltern in der Brauhausgasse über den Verbleib ihres Sohnes.

Eine weitere Zeitzeugin, die nicht genannt werden will, berichtet von der Explosion einer Handgranate vor ihrem Haus. Ein Splitter durchschlug die Fensterscheibe und "landete" in einem Marienbild an der Wand.

Es kam in Höchstadt zu keinen weiteren Kampfhandlungen. Wie Irmgard Gebele berichtete, wurde in ihrem Haus in der Brückenstraße im Wohnzimmer des ersten Stocks ein Geschütz aufgebaut, da man einen Gegenangriff deutscher Truppen über die Aischbrücke von dort aus gut abwehren konnte. Da Irmgard Gebele, die zuvor als Telefonistin in Forchheim eingesetzt worden war und wiederholt Tieffliegerangriffe bei der Fahrt vom Arbeitsplatz nach Höchstadt überlebte, aufgrund ihrer Schulbildung gut Englisch konnte, wurde sie als Dolmetscherin von den US-Truppen eingesetzt.

Im weiteren Verlauf des Vormarschs der Amerikaner Richtung Erlangen und Nürnberg kam es bei Sterpersdorf zu Kampfhandlungen, in deren Rahmen mehrere deutsche Soldaten ums Leben kamen.