Rückblick in eine Zeit, in der man das Brot als Gottesgabe noch zu schätzen wusste und dem Schöpfer dafür dankbar war: Feuer und Flamme versprühte damals beim Brotbacken vor dem Osterfest die kleine Gemeinde Wurbach zu Füßen der Radspitze.

Alte Menschen erzählen uns immer wieder, welch große Achtung man früher vor dem Brot hatte. Deshalb wurde man auch nicht müde, die Kinder immer wieder anzuhalten, es als Gottesgabe zu schätzen. Dazu waren keine besonderen pädagogischen Maßnahmen erforderlich, hatten sie doch die Eltern als Vorbild. Zudem erlebten die Kinder ja ganz unmittelbar, welche großen Mühen die Menschen aufbringen müssen, bis das Getreide heranwächst, bis es geerntet und gedroschen, gemahlen und zu Brot gebacken ist.

Aus Ehrfurcht vor dem so kostbaren Brot galt es geradezu als Sünde, etwas davon umkommen zu lassen oder gar wegzuwerfen. So hat man auch immer darauf geachtet, dass ja nicht zu viel Brot aufgeschnitten wurde. Blieb wirklich ein Rest, so wurde später eine Brotsuppe daraus gemacht. Der hohe Respekt gegenüber dem Brot gebot es auch, dass nach altem Brauch ein Laib vor dem ersten Anschnitt auf der Unterseite mit der Messerspitze dreimal bekreuzigt wurde. Und da man im Brot und in jeder Speise gleichsam eine Gottesgabe sah, versäumte man es nie, vor und nach jeder Mahlzeit um das tägliche Brot zu beten. In vielen Häusern war es Brauch, stehend oder gar kniend, für Speis und Trank zu bitten und zu danken. Daran mussten sich natürlich auch die Dienstboten halten. Sie durften zudem erst vom Tisch aufstehen, wenn der Bauer das abschließende Dankgebet gesprochen hatte.

Feuer und Flamme waren früher die Bewohner an der Fränkischen Linie, wenn die hohe Zeit des Osterfestes gekommen war, in der das Brot gebacken wurde. Etwa zwei Stunden nach dem "Einschießen" waren die Brotlaibe fertig gebacken und verströmten ihren verführerischen Duft durch die kleine Frankenwaldgemeinde zu Füßen der Radspitze und der Markgräflichen Höhe, Wer da nicht beim gemeinsamen Brotbacken mitmachte und sein eigenes Brot herstellte, war der unsympathische Eigenbrötler, der in der Dorfgemeinschaft nur noch "klaana Semmela" backen konnte.