Zum Thema Suchtberatung:

Mit großer Bestürzung haben wir erfahren, dass die Suchtberatungsstellen in Bamberg und Forchheim Ende 2019 geschlossen werden sollen. Grund dafür soll sein, dass der Träger Caritas den Eigenanteil, den er für diese Stellen zahlt (es handelt sich hier um zehn Prozent), nicht mehr aufbringen kann.
Für uns ist diese Nachricht unfassbar, denn die Zahl der Hilfesuchenden wächst von Jahr zu Jahr. Die Probleme, mit denen die Menschen die Suchtberatungsstellen aufsuchen, reichen von psychischen, körperlichen, sozialen, juristischen bis hin zu Arbeitsplatz-Problemen.
Da von einer Sucht immer auch die Familie betroffen ist und oft immens darunter leidet, sind nicht nur die Suchtkranken, sondern auch deren Angehörige auf Hilfe angewiesen. Im Laufe der Jahre hat sich zur Versorgung dieser Menschen in der Region eine sehr gute Zusammenarbeit zwischen den Beratungsstellen der Caritas und dem Selbsthilfeverein Kreuzbund-Diözesanverband Bamberg, dessen stellvertretender Vorsitzender ich bin, entwickelt, von dem alle Klienten profitieren.
Jährlich waren dies in den Suchtberatungsstellen Bamberg und Forchheim in den letzten Jahren circa 1000 Menschen, wobei beachtet werden muss, dass nur etwa 20 Prozent der Betroffenen überhaupt ins Hilfesystem gelangen.
40 Jahre lang gehörte die Suchtkrankenhilfe zu den Kernaufgaben der Caritas Bamberg/Forchheim, da es hier um die Versorgung kranker und Not leidender Menschen geht, die in der Gesellschaft oft stigmatisiert werden. Deshalb stellen wir uns nun folgende Fragen: An wen sollen sich die Menschen in Zukunft wenden, wenn sie verzweifelt Rat suchen, in eine Therapie vermittelt werden wollen, gerichtliche oder amtliche Auflagen zu erfüllen haben oder schlichtweg ihr Leben retten wollen?
Wenn gespart werden muss: Warum ausgerechnet bei denen, die kaum eine Lobby haben und zu schwach sind, sich zu wehren? Sind zehn Prozent Eigenanteil für die Suchtberatung, die jahrzehntelang wichtige und gute Arbeit geleistet hat, wirklich zu viel für die Caritas? Gibt die Caritas Bamberg ihr Leitbild auf?
Wolfgang Herion
Pinzberg