Wenn der Chef den Mindestlohn prellt: Im Landkreis gibt es weiterhin Unternehmen, die ihren Beschäftigten weniger als die gesetzlich vorgeschriebenen 8,84 Euro pro Stunde zahlen. Davon geht die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten aus. Die NGG verweist dabei auf eine Bilanz der Finanzkontrolle Schwarzarbeit beim zuständigen Hauptzollamt Schweinfurt. In dessen Bereich leiteten die Beamten im vergangenen Jahr 180 Ermittlungsverfahren gegen Arbeitgeber ein, die gegen das Mindestlohngesetz verstoßen haben.
Nach Einschätzung der Gewerkschaft ist das jedoch lediglich die "Spitze des Eisbergs". Die Dunkelziffer liege deutlich höher. "Es kann nicht sein, dass im dritten Jahr nach seiner Einführung noch immer viele Menschen unterhalb des gesetzlichen Minimums verdient haben", kritisiert Ibo Ocak, Geschäftsführer der NGG Unterfranken.
Wie groß das tatsächliche Ausmaß der Mindestlohn-Prellerei sei, zeige eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Danach erhielten im Jahr 2016 bundesweit 1,8 Millionen Beschäftigte weniger als den Mindestlohn. Besonders betroffen ist das Hotel- und Gaststättengewerbe: Dort bekamen damals 38 Prozent der Mitarbeiter einen Lohn, der unterhalb des gesetzlichen Minimums lag, so eine Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung.
Gewerkschafter Ocak beklagt zugleich eine mangelnde Kontrolldichte beim Zoll. Dies zeige gerade der Blick auf das Gastgewerbe. "2017 wurden im gesamten Bereich des Schweinfurter Zolls 206 Betriebe der Branche geprüft. Allein im Landkreis Haßberge gibt es nach Angaben der Arbeitsagentur jedoch 120 Hotels, Gaststätten und Restaurants", so Ocak weiter.
Laut NGG prüfte das Hauptzollamt Schweinfurt quer über alle Branchen hinweg insgesamt 1513 Arbeitgeber auf Schwarzarbeit, Lohn-Prellerei und Steuerhinterziehung. Für die Verstöße gegen den gesetzlichen Mindestlohn verhängten die Kontrolleure Bußgelder in Höhe von rund 1 036 000 Euro. red