Bevor der 19-jährige Angeklagte um 22 Uhr die Hofheimer Disco Ballhaus ansteuerte, ließ er mit seinen drei Kumpels die Flaschen kreisen und glühte ordentlich vor. Im Tanzsaal zwitscherte das Quartett dann in kurzer Zeit nochmals zwei, drei Flaschen Whiskey. Als er sich dann buchstäblich wie die offene Hose benahm, zeigten ihm die Security-Mitarbeiter die Rote Karte.
Der Störenfried akzeptierte das Hausverbot nicht und begann zu randalieren. Wegen mehrfachen Hausfriedensbruchs, Beleidigung, Bedrohung und versuchter Körperverletzung folgte vom Haßfurter Jugendschöffengericht nun die Quittung: Sechs Monate Jugendstrafe auf Bewährung.
Es war am 28. Oktober letzten Jahres in den zwei Stunden nach Mitternacht, als der junge Mann den ganzen Zinnober veranstaltete. Nachdem er zum Rauchen in den Außenbereich gegangen war, überkam ihm ein plötzliches Bedürfnis. Aber statt zur Toilette zu hasten, pinkelte er einfach an die Mauer. Zwei Security-Mitarbeiter kriegten das mit und erteilten dem Wildpinkler Hausverbot.


Zu Boden gedrückt und gefesselt

Der war damit ganz und gar nicht einverstanden. Nachdem er sich getrollt hatte, kletterte er kurz darauf über den Absperrzaun zurück auf das Gelände der Disco. Woraufhin die Sicherheitsleute ihn wieder nach draußen beförderten. Dieses Spiel wiederholte sich noch zwei Mal, bevor es den Ordnungskräften zu bunt wurde. Sie drückten den Rabauken zu Boden, fesselten ihn und riefen die Polizei an.
Der so Überwältigte beschimpfte die Wachmänner mehrfach unflätig und drohte ihnen an, sie umzubringen. Am Boden liegend trat er wild um sich, ohne dass es ihm - wahrscheinlich infolge der Alkoholisierung - gelang, jemanden zu verletzen. Schließlich nahm ihn die Besatzung einer Polizeistreife mit und beendete damit das unwürdige Schauspiel.
Der im Maintal lebende junge Mann ist kein unbeschriebenes Blatt. Mit seinen 19 Jahren hat er bereits vier Vorstrafen. In seinem Sündenregister sind ein Verstoß gegen das Waffengesetz, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Nötigung und Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz verzeichnet. Ein einwöchiger Jugendarrest aus der letzten Verurteilung vom Februar dieses Jahres ist noch nicht verbüßt.
Jugendgerichtshelfer Franz Heinrich sprach von einem problematischen Elternhaus. Zwischen der Mutter des Angeklagten und seinem Stiefvater kam es wiederholt zu tätlichen Auseinandersetzungen. Als der Angeklagte noch ein Kind war, floh die Mutter einmal mit ihm sogar ins Frauenhaus. Immerhin gibt es einen Lichtblick, denn der junge Mann hat inzwischen seinen Quali nachgeholt und am 1. September beginnt er eine Ausbildung als Verfahrenstechniker.


Urteil ist rechtskräftig

In seinem Plädoyer betonte Staatsanwalt Matthias Eichelsdörfer, dass dies bereits die fünfte Straftat und dass der Heranwachsende immer schneller rückfällig geworden sei. Die von ihm geforderte Jugendstrafe von acht Monaten reduzierte das Schöffengericht unter Vorsitz von Jugendrichter Martin Kober auf ein halbes Jahr. "Wenn bei Ihnen nicht langsam ein gründlicher Denkprozess einsetzt", sprach Kober dem Verurteilten ins Gewissen, "landen Sie über kurz oder lang im Jugendknast in Ebrach." Der Richterspruch ist rechtskräftig.