Fröhlich und heiter, aber auch mit vielen Momenten inniger Berührtheit: Der Nachmittag mit Gedichten von Silke Rösch und ihrer Ururgroßmutter war so ganz anders als das, was man sich gemeinhin - einer liest und alle andere hören zu - darunter vorstellen mag. Es war ein Ausflug in die Vergangenheit, zu den Wurzeln, die die Autorin des kleinen zauberhaften Schatzkästchens "Und der Himmel drängt in mein Herz - Die Wiederentdeckung einer Frankenwaldpoetin" mit ihrem ergriffenen Publikum unternahm.
Die Stühle reichten eingangs im Mehrgenerationenhaus in Buchbach nicht aus, so viele Besucher wollten dabei sein. "Es ist mir eine große Freude, heute hier in meinem alten Schulhaus - umgeben von mir so vielen bekannten Menschen, sein zu dürfen", meinte die - nunmehr bei Ansbach beheimatete - gebürtige Buchbacherin gerührt. Besonders freute sie sich über die Anwesenheit vieler Familienangehöriger, darunter auch einige Enkelinnen von Johanna Fröba, die diese noch persönlich kennenlernen durften - so wie Helene Börschel. "Schlappe" 95 Jahre zählend, war es dann auch überwiegend sie, die mit lustigen Anekdoten und Erinnerungen an ihre Großmutter für viele heitere Momente sorgte. "Das war halt unsere Großmutter. Auf sie haben wir gehört, bei ihr hat sich alles abgespielt", erzählte sie, während sie mit leuchtenden Augen den vorgetragenen Gedichten lauschte und diese mit Fingerklopfen auf den Tisch bedachte. "Händeklatschen geht halt nicht mehr so richtig", lachte sie.


"Sie ist mein guter Stern geworden"

Mit dem Büchlein möchte Silke Rösch, die als Leiterin eines Natur-Kindergartens sowie kreative Kinder- und Familientherapeutin arbeitet, ihrer Ururgroßmutter auch ein Stück weit Anerkennung und Wertschätzung zuteilwerden lassen. Dieses habe sie wohl, wie sie bedauerte, oftmals zu Lebzeiten nicht immer in der ihr gebührenden Form erfahren. Ihr Dank galt allen an der Umsetzung des Büchleins Beteiligten - vor allem Klaus Loscher, den sie ebenfalls unter den Gästen begrüßen durfte und der auch im Büchlein mit Recherche-Ergebnissen zu Wort kommt. Der evangelische Theologe und langjährige Lehrer in Bayreuth berichtete, wie er 2010 durch Zufall aufgrund eines Artikels im evangelischen Gemeindeblatt aus dem Jahr 1932 bei anderweitigen Recherchen auf Johanna Fröba aufmerksam geworden sei. Die Zeilen über die so gottesgläubige Frau und das abgedruckte Gedicht beschäftigten ihn so sehr, dass er weiterforschte. Nach umfangreichen Recherchen veröffentlichte er einen Artikel im Heimatkundlichen Jahrbuch Band 25/2012 des Landkreises Kronach. Auf diesen wiederum stieß Silke Rösch bei einem Besuch in der Heimat zur Jahreswende 2013/14. Diese zeigte sich ebenfalls tief berührt vom harten kargen Leben und der Gottesgläubigkeit ihrer Ahnin, die Mutter von neun Kindern war. "Sie ist mein guter Stern geworden", sagt Silke Rösch ergriffen.
Weil ihre Ururgroßmutter ihre Begabung gefunden habe, finde nun auch sie den Mut, sich selbst mit ihren Gedichten und Bildern zu zeigen. Im ersten Teil der Lesung waren aber zunächst einige der in einer wunderbaren Sprache verfassten Gedichte ihrer Ururgroßmutter zu hören - wie "Heimat", "Ein Schrittlein näher", "Bitte um Vergessen" sowie "Der Abend kommt".
Im zweiten Teil gab sie dann auch eigene - zwischen 2012 und 2016 entstandene - lyrische Texte von sich preis, mit denen sie ihr Innerstes nach außen trug. Hierzu zählten unter anderem "Apfeldorfliebe" - veröffentlicht in der Frankfurter Bibliothek 2017 -- und "Winterkleid".
Seinen stimmungsvollen Abschluss fand der Nachmittag mit dem gemeinsam gesungenen "Kein schöner Land". "In der Ruhe liegt die Kraft - im Einklang von Körper, Geist und Seele", zeigte sich Steinbachs 2. Bürgermeisterin Monika Barnickel tief beeindruckt von den tiefgehenden Gedanken der beiden Verfasserinnen. Dass Johanna Fröba offensichtlich auch über jede Menge Humor verfügte, beweist das wohl zeitlose Gedicht "10 Hausrezepte für Männer", beginnend mit den Worten "Ein gutes Weib, das merk dir fein, will mit Vernunft behandelt sein".